Im Pferde-Wunderland werden Träume wahr

Von: Benjamin Jansen
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Das Highlight des Tages: Monika Großberger (links) und Manuela Dinkel treffen Reitsportlegende Ludger Beerbaum bei ihrem ersten Besuch in der Soers. Das Weltfest des Reitsports hat seit Freitag zwei weitere Fans. Foto: Benjamin Jansen

Aachen. In drei Zügen ist das letzte Hindernis genommen. Monika Großberger und Manuela Dinkel haben „ihren Zielort erreicht”, verrät die nette Stimme aus dem Navigationsgerät. Die letzte freie Parklücke in der ersten Reihe gehört den beiden Reitsportfans, die in den vergangenen sechs Stunden mehr als 500 Kilometer zurückgelegt haben.

„Ohne Klimaanlage”, betont Monika Großberger. „Die ist kaputt. Zum Glück sind wir schon um drei Uhr aufgebrochen.” Aber warum tut man sich diese Strapazen bei 30 Grad im Schatten überhaupt an?

Auf den ersten Blick erschließt sich die Antwort nicht. Vor ihnen liegt eine alte Backsteinmauer, die lange Gerade, die sich neben dem Relikt vergangener Tage erstreckt, führt zur Diskothek „Starfish”. Parkplatz P 7, so steht es in Groß-Buchstaben geschrieben, ist allerdings nur eine Durchgangsstation. Der eigentliche Zielort liegt zwei Kilometer weiter nördlich: die Soers. Das Weltfest des Pferdesports ruft.

„Jeder Reiter muss einmal im Leben in Aachen gewesen sein. Es war schon immer mein Traum zum CHIO zu gehen”, verrät Manuela auf dem Weg zum Shuttle-Bus, der die beiden Nürnbergerinnen ins Pferde-Wunderland bringt. „Ihre Kutsche steht schon bereit”, scherzt Busfahrer Andreas Joschinski. Seit acht Uhr ist er bereits im Einsatz. Seine fünfte Runde - von der Lukasstraße zur Krefelder Straße und wieder zurück - bricht gerade an. „Es werden aber noch mindestens zwanzig weitere folgen”, vermutet er. Denn das Interesse am Weltfest des Pferdesports ist gigantisch. Die Zuschauer reisen quer durch die Republik nur um Ludger Beerbaum, Isabell Werth oder Ijsbrand Chardon „live” zu erleben.

2010 hat sich Hildegard Gülden diesen Wunsch zum zwölften Mal erfüllt. Zusammen mit ihrem kleinen „Reitsport-Trio” hat die Mönchengladbacherin das Dutzend voll gemacht. Die Besetzung des Quartetts wechselt zwar regelmäßig, der Besuchstag bleibt aber immer der gleiche: der Freitag. „Vor den Weltreiterspielen stand er traditionell im Zeichen des Nationenpreises. Da der NRW-Preis aber auch eine tolle Veranstaltung ist, sind wir beim Freitag geblieben”, sagt Hildegard.

Doch was macht den Reiz aus, Jahr für Jahr in die Soers zu pilgern? „Das ist wie Weihnachten: Auch hier kommt man nur einmal im Jahr zusammen und feiert gemeinsam mehrere Tage lang”, erklärt die Belgierin Marianne Zeyen, die den CHIO seit 1990 regelmäßig besucht.

Nach Feiern ist auch Monika und Manuela zu Mute. Ihre Eintrittskarten fürs Reitsport-Mekka haben sie bei einem Reiterforum in Bamberg gewonnen. Und als ob das noch nicht genug wäre: „Für die Dressur haben wir gerade die letzten beiden Karten gekauft. Das muss unser Glückstag sein”, jubelt Monika. Der Preis der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen ist das große Highlight - daran haben die beiden Nürnbergerinnen, die am Reiterhof Steinhof selbst dem Dressursport nachgehen, keinen Zweifel. „Ingrid Klimke beim DHL-Preis zuzusehen, war aber auch schon eine tolle Erfahrung. Ihr Sitz ist wie aus dem Bilderbuch”, schwärmt Monika.

Das Herz des „britischen Dressur-Unterstützer-Clubs” schlägt für eine andere Starterin: Emily Baldwin, die sich noch drei Plätze vor Klimke auf Rang 2 geschoben hat. „Das war toll”, sagt Lorrie Sisson, die den Ausflug in die Soers für die 31-köpfige Reisegruppe aus London geplant hat. Von Jetlag ist bei den „Unterstützern” keine Spur. „Warum auch? Es gibt hier alles, was das Herz begehrt: Tolle Wettbewerbe, gutes Bier, leckeres Essen. In Großbritannien gibt es keine vergleichbare Veranstaltung”, gibt Penny Smith dem CHIO den Ritterschlag.

Auch Monika und Manuela sind von ihrem ersten Tag beim Reitsportfest schwer beeindruckt. „Die Atmosphäre ist einmalig. Da bekommt man eine Gänsehaut”, sagt Manuela, während sie an den Zelten der Aussteller vorbei schlendert. „Die sehen aus wie Beduinen-Zelte. Das kennt man sonst nur aus dem Fernsehen.”

Dass sie jetzt mittendrin statt nur dabei ist, verrät ihre blass-fahle Gesichtsfarbe, als Springreiter Ludger Beerbaum an ihr vorbei geht. „Herr Beerbaum, dürfen wir ein Foto machen?”, fragt sie schüchtern. Na klar, denn beim CHIO hat man Stars zum Anfassen. „Das glaubt mir kein Mensch, dass ich mit Ludger Beerbaum auf einem Bild bin. Das ist ja noch ein größeres Highlight als das, was uns noch bevorsteht”, sagt Manuela schmunzelnd.

Ernst Rogge und Lebensgefährtin Christa Nedermeier teilen die Begeisterung für das Weltfest des Pferdesports. „Für uns als Bremer ist das Hamburger-Derby zwar viel näher. Die Atmosphäre des CHIO ist allerdings einmalig in Deutschland”, sagt Ernst.

Von Bremen über London nach Nürnberg - die Faszination des CHIO bleibt niemandem verborgen. „Deshalb wollen wir auch irgendwann wieder kommen”, sagt Monika mit leuchtenden Augen, „egal ob es Freikarten gibt oder nicht.” Jetzt geht es erst einmal wieder 500 Kilometer in Richtung Nürnberg - ohne Klimaanlage.
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