Hut ab vor den Eltern: Philipp Weishaupt reitet im Nationenpreis

Von: Helga Raue
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Ein Blumenstrauß vom frischgebackenen Deutschen Meister: Philipp Weishaupt und Souvenir bei der Siegerehrung vor zwei Wochen in Balve. Foto: Karl-Heinz Frieler

Aachen. Seine Mutter hatte ihre Feier zum runden Geburtstag extra auf den Montag gelegt, damit auch ihr Sohn daran teilnehmen kann. „Montags kann ich normalerweise immer am besten, da ist wenig los”, sagt Philipp Weishaupt und lacht. „Nur an diesem Montag geht ja nun gar nichts mehr.” Dieser Montag, das ist der kommende. Der Tag, an dem die Springreiter zum CHIO Aachen anreisen und sich im Trainingsspringen vorbereiten.

Und Weishaupt hat als frischgebackener Deutscher Meister nicht nur das Startrecht für Aachen erhalten, er wurde von Bundestrainer Otto Becker auch in die Equipe berufen.

„In Deutschland Deutschland zu vertreten - davon träumt doch jeder Sportler”, jubelt der 23-Jährige. „Und dann noch in Aachen. Einmal - 2006 - durfte ich dort bisher reiten, das war für mich ein großes Erlebnis. Ich wurde Fünfter im Preis von Europa, das war super”, erinnert er sich gerne an seine Premiere.

Dass er in Nationenpreisen eine sichere Bank ist, bewies Weishaupt in dieser Saison schon zweimal: In La Baule wurde er mit dem Team Dritter, machte einen Abwurf in zwei Runden, und in St. Gallen, wo die Equipe Zweite wurde, blieb Weishaupt zweimal fehlerfrei.

Beide Male saß der 23-Jährige ebenso wie bei der DM in Balve vor zwei Wochen im Sattel der erst neunjährigen Stute Souvenir. „Sie ist ein absolutes Ausnahmepferd. Toll, dass Ludger mich sie reiten lässt, so ein Pferd könnte er selbst brauchen”, freut sich Weishaupt.

Zur Verfügung gestellt wird ihm Souvenir von Mäzenin Madeleine Winter-Schulze, deren im Dezember verstorbener Mann Dieter die Stute mit sechs Monaten gekauft und aufgezogen hatte. „Ich kann Madeleine gar nicht genug danken”, so Weishaupt, der das Pferd langsam aufbaute.

Seit sechs Jahren arbeitet der Bayer im Stall von Ludger Beerbaum, dem „besten Stall der Welt. Wo hat man sonst zwei so Top-Leute wie Ludger und Marco Kutscher zusammen”, schwärmt Weishaupt. Er war allerdings kein unbeschriebenes Blatt, als er nach Riesenbeck kam, hatte er unter anderem als Junior bereits 2001 DM-Gold sowie 2002 EM-Silber gewonnen. Als Junger Reiter kamen DM-Silber 2005 und EM-Bronze 2006 hinzu.

„Hut ab vor meinen Eltern, wie sie mich unterstützen. Sie haben immer ihre eigenen Interessen zurückgestellt, damit ich meinen Weg gehen kann. Dabei hätte mein Vater mich schon gut zu Hause brauchen können”, macht Weishaupt seinen Eltern ein liebevolles Kompliment. Vater Josef betreibt im bayerischen Jettingen einen Verkaufs- und Ausbildungsstall mit 60 eigenen Pferden.

„Eigentlich wollte ich nur ein Jahr lang bei Ludger lernen”, grinst Weishaupt. Sechs wurden es bisher, Ende offen. Zumindest erfüllte der brave Sohn den Wunsch seiner Mutter und machte eine Bereiterlehre in Riesenbeck. „Damit ich wenigstens einen Abschluss in der Tasche habe”, berichtet Weishaupt, der schon mit 15 Jahren das Goldene Reitabzeichen verliehen bekam, grinsend.

Mit der Nominierung für Aachen in der Tasche darf der 23-Jährige auch ein wenig von der EM Ende August in Windsor träumen. „Hätte mir vor einem halben Jahr jemand gesagt, dass ich in Aachen in der Equipe stehen würde, hätte ich dagegen gewettet”, bremst Weishaupt übertriebene Erwartungen.

„Mit so einem jungen Pferd kann es gut, aber auch mal schlecht gehen. Ich denke von Woche zu Woche, dann schaue ich weiter. Ich werde mein Bestes geben.” Und nach einer kleinen Atempause fügt er grinsend hinzu: „Aber, wenn es in Aachen auch so gut läuft wie zuletzt, werde ich vielleicht mal ein bisschen vorausdenken ...”
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