Aachen - Zugeknöpft ist nur der hoheitliche Mantel

Zugeknöpft ist nur der hoheitliche Mantel

Von: Thorsten Karbach
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Fanfaren für Ihre Königliche Hoheit: Die Gardehusaren ritten zu Ehren von Kronprinzessin Mary von Dänemark auf dem Aachener Markt auf. Foto: Michael Jaspers
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Schirmherren: Auch OB Marcel Philipp (links) und ALRV-Präsident Carl Meulenbergh sorgen dafür, dass Prinzessin Benediktine, Kronprinzessin Mary, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die dänische Ministerin Annette Vilhelmsen (von links) nicht im Regen stehen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zugeknöpft gab Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Mary von Dänemark Aachen die Ehre. Und das ist auch gut so, schließlich wurde die Ehefrau von Thronfolger Kronprinz Frederik, keineswegs mit Kaiserwetter empfangen. Nasskalt war‘s. So musste sie den weißen Mantel über dem roten Kleid schnell schließen.

Ansonsten blieb ihr Auftritt beim Empfang des CHIO-Partnerlandes Dänemark auf dem Aachener Markt wort- wie makellos. Sie lächelte herzlich, winkte freundlich in die Menge, schaute charmant zu den Menschen auf dem Balkon eines gegenüberliegenden Hauses. Dass es ein eher kühler wie unterkühlter Aufgalopp für das Weltfest des Pferdesportes vor dem Rathaus wurde, war nicht Schuld der Prinzessin. Sie strahlte, auch wenn die Sonne an diesem frühen Abend anderswo schien.

Dass sich die Ereignisse zwischenzeitlich doch noch überschlagen sollten, war Verdienst des DGI, des dänischen Gymnastik- und Sportbundes. Mit ihrer Mischung aus Akrobatik und Showtanz und vor allem mit waghalsigen Salti und Drehungen – bisweilen barfuß – zeigten die jungen Sportler, dass es kein Pferd braucht, um die Menschen während des CHIO sprichwörtlich Kopf stehen zu lassen. Da klatschte auch Kronprinzessin Mary im Nieselregen begeistert. Herrlich locker, dieser Auftritt. „Hyggelig“, würden Dänen sagen.

Es ist guter Brauch

Neben den Aachener Stadt- und Standartenreitern sowie Maskottchen Karli waren es die dänischen Gäste, die das kleine, von Volker Raulf und Arnaud Petit moderierte Programm bestimmten. So ist es guter Brauch, seitdem der Aachen-Laurensberger Rennverein 2001 erstmals ein Partnerland vorstellte. Damals war es Spanien. Es folgten die Niederlande, Ungarn, die Normandie (als Partnerregion), Österreich, Portugal, Russland, Flandern, Nordrhein-Westfalen, Italien und im letzten Jahr die Region Rio de Janeiro. Diesmal haben sich Turnierdirektor Frank Kemperman und die Abteilung Sport des ALRV also für Dänemark entschieden.

Das passt: Am 19. August wird im dänischen Herning die Reit-EM in Springen und Dressur eröffnet. „In erster Linie sollte in dem Partnerland eine ausgeprägte Reitsporttradition bestehen. Zudem ist es häufig so, dass in dem Land im selben Jahr eine Großveranstaltung stattfindet“, erklärt Carolin Kruff von der CHIO-Pressestelle. Derart königlichen Besuch hat aber noch kein Partnerland zum Empfang auf dem Aachener Markt (verspätet) vorfahren lassen – übrigens nicht mit einer Kutsche, sondern einem schwarzen Mercedes der S-Klasse mit fast 300 Pferdestärken.

Kronprinzessin Mary winkte und lächelte nicht alleine im Öcher Schmuddelwetter. Prinzessin Benedikte zu Dänemark (die Schwester Ihrer Majestät Königin Margarethe), die dänische Ministerin Annette Vilhelmsen, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Oberbürgermeister Marcel Philipp und ALRV-Präsident Carl Meulenbergh standen ihr auf dem Rathausbalkon zur Seite. Doch die zig Objektive auf der Tribüne für die Fotografen und Kamerateams – so eine gab es aus diesem Anlass noch nicht – waren vor allem auf die Kronprinzessin gerichtet. Und die der – vorsichtig geschätzt – mehr als 2000 Besucher auf dem Markt sowieso.

Die Aachener – ausgestattet mit kleinen dänischen Fähnchen – hörten zu Ehren Marys die 36 In-strumentalisten des fast 350 Jahre alten Musik Korps der Leibgarde mit den großen Fellmützen und bestaunten die eindrucksvollen berittenen Gardehusaren. Bei der heutigen Eröffnungsfeier in der Soers wird es ein Wiedersehen mit allen geben – und dann wird auch die goldene Kutsche vorfahren, die erstmals Dänemark verlassen hat.

Gut beschirmt wie abgeschirmt lächelte Mary noch ein letztes Mal in die Menge. Was die Menschen nicht sehen konnten: Hinter der Rathausfassade mit den 50 gekrönten Häuptern wurde noch königlich gespeist. Ratskeller-Chef Maurice de Boer servierte der Kronprinzessin Tartar vom Wildlachs mit Monschauer Senf und Dill mit Öcher Reibekuchen, Eis von der Aachener Printe an gebratener Ananas mit frischen Erdbeeren und anderen Leckereien. Und den Mantel konnte Mary im warmen Rathaus dann auch noch öffnen.

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