„Weltfest des Pferdesports“: Die besten Springreiter der Szene starten

Von: Helga Raue und Christoph Pauli
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Bald am Start: Christian Ahlmann (l.) und Turnierdirektor Frank Kemperman bereiten sich auf ein kleines großes Turnier vor. Foto: Jaspers

Aachen. Natürlich dauert es auch an diesem Tag nur ein paar Minuten, bis die Reit-Europameisterschaft erwähnt wird, die im August in der Soers stattfindet. Das Championat ist der Höhepunkt im Wettkampfkalender der Reiter, aber es ist nicht der einzige triftige Grund in diesem Jahr, in Aachen die Pferde zu satteln.

Anstelle des CHIO findet ein verkürztes „Weltfest der Pferdesports“ statt, wie die Veranstalter selbstbewusst sagen. An diesem Wochenende (29. bis 31. Mai) lockt der Aachen Laurensberger Rennverein (ALRV) die Hauptdarsteller der Szene nach Aachen. „Es ist nicht nur ein Aufgalopp für die Europameisterschaft. Es ist viel mehr“, sagte Christian Ahlmann beim verbalen Aufgalopp am Dienstag im Rathaus. „In Aachen findet das mit großem Abstand beste Turnier der Welt statt, da muss man dabei sein“, findet der letztjährige Sieger im Großen Preis von Aachen.

Der 40-Jährige gerät schnell ins Schwärmen. Nirgendwo sonst „knistert es so“, wenn die Reiter das Stadion betreten, nirgendwo sonst ist die Energiezufuhr durch das Publikum so ausgeprägt. „Sie wollen dich über die Hindernisse tragen, das ist schon etwas Besonderes.“ Diese Kulisse mache manche Pferde eher kleiner, wenn sie das Viereck betreten. „Andere wachsen, können in Aachen noch mal zehn bis 20 Prozent zulegen“, erklärt er den Mythos.

Der Marler ist mit seiner Begeisterung nicht alleine, die auch durch ein komfortables Preisgeld von 1,4 Millionen Euro am Wochenende noch geschürt wird. Entsprechend ist die Resonanz bei den Springreitern. Der ALRV hat die besten 40 Athleten der Weltrangliste eingeladen – und alle haben zugesagt. Welt-, Europa- und Altmeister, Sieger in Großen Preisen und Ikonen im Sattel. Selbst Beezie Madden (USA) wird erstmals 2015 nach Europa kommen. Auf Scott Brash lastet der größte Druck. Der britische Weltranglistenerste hat bereits den Großen Preis von Genf gewonnen und käme mit einem weiteren Erfolg in Aachen dem Eine-Million-Euro-Jackpot, den es für Erfolge in Genf, Aachen und Calgary geben würde, deutlich näher.

Aachens Turnierdirektor führt noch eine lange Warteliste. Dienstagmorgen klingelte bei Frank Kemperman wieder das Telefon. Aber auch der beliebte Brite Michael Whitaker landete fast aussichtslos in der Warteschleife. Das Starterfeld für den Großen Preis ist eben auf 40 Teilnehmer begrenzt. Und auch bei den Fahrern ist an diesem Wochenende die gesamte Weltelite am Start, auch wenn nur eine Prüfung ansteht.

Eine sportpolitische Dressur

Bei den Dressurreitern spielen ein bisschen sportpolitische Gründe eine Rolle. Ein paar Wochen vor dem Championat lassen sich nicht mehr alle Spitzenathleten gerne in die Karten schauen. Sie bleiben fern oder satteln nur ihre Zweitpferde.

78 Reiter aus 17 Nationen stehen auf der Starterliste des Wochenendes. 22 Stunden Sport werden geboten, sieben davon im TV übertragen, listet Vermarkter Michael Mronz auf. Das kleine Weltfest strahlt auch in die pferdesportbegeisterte Region ab. „Das Turnier ist nicht nur ein großer Wirtschaftsfaktor, sondern erfährt auch eine hohe gesellschaftliche Resonanz in der Region“, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. Auf dem Aachener Marktplatz werden am Samstag zum Beispiel etwa 20 Kutschen aus dem letzten Jahrhundert mit Personal in historischen Kostümen zu bestaunen sein.

Der ALRV will bei seinem Turnier ein bisschen eigene Wege gehen. Neben dem Spitzensport haben die Veranstalter auch sechs Spitzenköche angeworben, die bereits ab dem „Soerser Donnerstag“ bei freiem Eintritt sich gerne in die Töpfe schauen lassen. „Wir suchen die Nähe zum Publikum, möchten die Schwellenangst zur Spitzengastronomie abbauen“, sagt der TV-Topf-Künstler Johann Lafer. Für die Küchenzauberer und auch die Reitveranstalter ist es ein kleines Experiment auf dem Weg, neue Zielgruppen zu begeistern. Eine Fortsetzung beim nächsten CHIO ist nicht ausgeschlossen.

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