Und dann hat Maurice Tebbel doch noch etwas vor

Von: Christoph Pauli
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Auf ihn wartet eine große Herausforderung: Maurice Tebbel. Foto: Birkenstock

Aachen. Vor zwei Wochen erkundigte sich der Bundestrainer telefonisch nach dem Zustand seines Pferdes, die Männer plauderten ein bisschen, es ging auch um die vorläufige Nominierung für Aachen. Maurice Tebbel sagte grinsend, er habe für diesen Abend noch nichts geplant. Das hat sich nun gründlich geändert.

 Otto Becker hat ihn gesetzt, Tebbel wird für Deutschland starten, aus Aberglauben wird er mit „links“ anfangen zu traben. Ansonsten will er nicht überdrehen, keine besonderen Dinge machen. Und am liebsten will er den Wettkampf „einfach nur genießen“.

Bundestrainer Becker hat ein Männerquartett für diesen besonderen Donnerstagabend nominiert. Tebbel junior ist mit 23 Jahren der jüngste im Team. Für Deutschland reiten außerdem Marcus Ehning (43) aus Borken mit Pret A Tout, Marco Kutscher (42) aus Bad Essen mit Clenur und Philipp Weishaupt (31) aus Riesenbeck mit Convall, die man als Routiniers bezeichnen darf, ohne eine Gegendarstellung zu riskieren. Tebbel bekommt ein bisschen „Welpenschutz“, startet als Zweiter in der Equipe.

„Wer in Aachen besteht, der kann überall bestehen“, sagt Becker. Das Flutlichtspringen ist der fast letzte Fingerzeig, bevor die Equipe für die Europameisterschaft im August in Göteborg nominiert wird. Und Maurice Tebbel, der bislang nur im B-Kader gelistet war, ist ein Kandidat für die Herausforderungen. „Er ist cool, und hat schon ausreichend Erfahrung“, macht sich Becker kaum Sorgen um seinen Debütanten.

Dessen Vater wird beim Einspringen dabei sein, dann gibt es noch einen letzten Klaps für das Pferd, und René Tebbel wird auf die Reitertribüne eilen. „Ich kann gut zusehen“, sagt er. Vielleicht ist der Puls bei seinem Sohn Maurice heute etwas höher. Trainervater René betreibt in Emsbüren einen Turnier- und Handelsstall. Tebbel senior ist selbst ein erfolgreicher Reiter, 2007 brach er einen Rekord, als er als erster Springreiter, dreimal in Folge Deutscher Meister wurde.

Der 48-Jährige trainiert nicht nur seine Kinder Justine und Maurice, sondern ist seit vier Jahren auch der Chef der ukrainischen Springreitermannschaft. Zudem startet er für das osteuropäische Land – zuletzt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Ohne Hilfe von Sponsoren stellt er seinem Filius immer wieder gute Pferde zur Verfügung.

Maurice ist Deutscher Meister der Ponyspringreiter (2008 und 2009) oder auch Europameister der Junioren (2012). Aber in den letzten Monaten hat die Karriere in wilden Galoppsprüngen Fahrt aufgenommen. In Lummen und La Baule startete der 23-Jährige zuletzt bereits in Nationenpreisen. „Aber das kann dann auch schnell wieder in die andere Richtung gehen“, misst Tebbel junior den vielen Schulterklopfern in diesen Tagen wenig Bedeutung zu. Bei seinem ersten CHIO-Start im letzten Jahr schaffte er drei zweite Plätze, aber jetzt kommt die große Nummer.

„Aachen ist sein bisheriger Karrierehöhepunkt“, sagt René Tebbel über seinen Sohn. Und wenn er über Aachen spricht, macht er das fast andächtig, so als habe er die Bilder schon vor Augen: Aachen – Nationenpreis – Flutlicht – hunderttausende Zuschauer im Stadion und vor den Fernsehern. Der Vater ist an dieser Stelle auch mehrfach für Deutschland geritten.

Ein wichtiger Ratgeber. „Sein Pferd ist super in Schuss“, sagt der Experte. „Jetzt darf nur der Reiter nicht rappelig sein.“ Das besondere: Maurice Tebbel kennt Chacco‘s Son bereits sehr lange, ist mit und auf ihm groß geworden. „Er ist ehrgeizig und selbstbewusst“, sagt Maurice über den Westfalen-Hengst. Vermutlich sind das Eigenschaften, die auf den jungen Reiter zutreffen. Sein Pferd habe auf jeden Fall Championatsreife, sagt Tebbel junior. Er selbst will den Nachweis in den nächsten Jahren erbringen.

Und wenn es optimal läuft, könnte es tatsächlich zu einem Vater-Sohn-Vergleich bei der EM im August kommen, falls sich René und Maurice für ihre Equipen qualifizieren.

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