Turnierdirektor Kemperman: „Das Ziel muss sein, immer besser zu werden“

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Und zum Abschluss ein Regenschauer: Das Aachener Publikum feiert beim Abschied der Nationen die Teilnehmer des CHIO. Foto: Michael von Fisenne
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„Ein tolles, aufregendes Turnier“: Frank Kemperman ist mit dem diesjährigen CHIO zufrieden. Foto: Thomas Rubel

Aachen. Der Große Preis von Aachen hat gerade begonnen, das wichtigste Springen beim CHIO Aachen. Zehntausende Zuschauer sind gekommen, die Spannung ist groß, die Vorfreude auch. Frank Kemperman (62) kommt genau jetzt ein bisschen zur Ruhe, vielleicht zum ersten Mal in dieser Woche.

Der Turnierdirektor des CHIO Aachen war die ganze Woche auf den Beinen, ist dutzende Male über das Turniergelände gehetzt, meist mit seinem Fahrrad. Das Rad steht jetzt vor seinem Büro, der Niederländer sitzt im schwarzen Lederstuhl, über den Bildschirm in der Ecke flimmert der Springwettbewerb. Kemperman sagt: „Wenn der Große Preis läuft, fange ich an, das Turnier zu genießen.“ Im Interview mit Lukas Weinberger spricht der Turnierdirektor über den diesjährigen CHIO, das Abschneiden der deutschen und niederländischen Reiter und das Turnier im nächsten Jahr.

Herr Kemperman, hatten Sie Ihr Fahrrad für den CHIO in diesem Jahr eigens verschönert?

Frank Kemperman: Nein, eigentlich nicht. Was meinen Sie?

Auf dem Rad klebt eine Flagge der Niederlande . . .

Kemperman (lacht): Nein, nein. Mein altes Fahrrad ist während der Europameisterschaft 2015 irgendwie verschwunden, und als mir ein paar Freunde danach ein neues geschenkt haben, war die Flagge schon drauf. Aber Sie haben schon recht, in diesem Jahr hat das besonders gut gepasst, weil die Niederlande das Partnerland des CHIO waren.

War das diesjährige Turnier für Sie als Niederländer etwas Besonderes?

Kemperman: Durchaus. Ich habe zum Beispiel bei der Eröffnungsfeier mehr mitgestalten können als sonst. Ich habe Kontakte geknüpft, Dinge übersetzt. Das hat Spaß gemacht. Mein Herz ist oranje.

Haben Sie in dieser Woche denn mehr Entscheidungen als sonst live im Stadion sehen können?

Kemperman: Nein, das nicht, aber ich kenne es ja nicht anders. Es gibt immer etwas zu tun. Ich wollte mir den Großen Preis in der Dressur anschauen, das hat leider nicht geklappt. Ich bin ein bisschen wie ein Feuerwehrmann. Wenn es etwas zu löschen gibt, dann mache ich das. Den Nationenpreis im Springen habe ich aber zumindest in meinem Büro am Fernseher verfolgt.

Und über den Sieg der deutschen Equipe gejubelt?

Kemperman: Aber ja, ich hoffe immer, dass die Deutschen gut abschneiden. Wenn sie wie am Donnerstag den Nationenpreis gewinnen, im Hauptstadion, unter Flutlicht, dann ist die Atmosphäre großartig.

Ihre Landsleute haben hingegen nur in der Dressur der U 25 und im Fahren aufgetrumpft. Enttäuscht?

Kemperman: Nein, das nicht. Es war ja zu erwarten. In der Dressur haben die Niederländer nicht ihre erste Garde geschickt, das hat mich ein bisschen traurig gemacht. Im Springen gibt es im Moment einen großen Umbruch. Zenith, das Pferd von Jeroen Dubbeldam, ist im Moment nicht in Form, Maikel van der Vleuthens Verdi geht bald in Rente. Ein paar junge Reiter haben dafür richtig gut abgeschnitten, das hat mich gefreut.

Für Furore haben auch junge deutsche Reiter gesorgt . . .

Kemperman: Der kleine Tebbel.

So klein ist der doch gar nicht.

Kemperman: Ich sage immer „der kleine Tebbel“, obwohl er so ein Riesenkerl ist. Ich kann mich gut daran erinnern, wie er jahrelang bei unserem Salut-Festival geritten ist, erst auf Ponys, später auf Pferden. Und jetzt hat er im Nationenpreis des CHIO zwei fehlerfreie Runden hingelegt. Das macht großen Spaß, so etwas zu sehen.

Da geht also auch einem Turnierdirektor das Herz auf.

Kemperman: Na klar. Die Jugend ist uns wichtig. Wenn ein Maurice Tebbel so eine Leistung abruft, ist das einer der Momente, die von diesem Turnier hängenbleiben. In Aachen zu starten, ist für jeden Reiter besonders. Und für die jungen Sportler gilt das noch mal mehr.

Wie fällt Ihr generelles Fazit aus?

Kemperman: Ich bin sehr zufrieden damit, wie das Turnier gelaufen ist. Aber natürlich passiert auch immer mal wieder etwas, das keine Freunde macht. Der Sturz des ersten Reiters im Großen Preis zum Beispiel. Oder die Gewitterwarnung am Mittwoch, wegen der wir den Preis von Europa unterbrechen mussten. Das sind nicht die schönsten Momente. Es waren aber auch in diesem Jahr nur diese Ausnahmen. Insgesamt war es aus meiner Sicht wieder ein tolles, aufregendes Turnier.

So wie es sich für das beste Turnier der Welt gehört, als das Aachen ja immer bezeichnet wird.

Kemperman: Das sollen andere beurteilen. Ich werde so etwas nie sagen. Wir wollen eines der besten Turniere der Welt sein, und ich glaube, dass wir ein Produkt haben, das die Leute lieben. Dafür arbeiten wir als Team hart. Ich als Turnierdirektor spreche jetzt hier über den CHIO, aber im Grunde müssten hier viele, viele Menschen sitzen, die zum Gelingen des Turniers beigetragen haben. Alle sind mit ganzem Herzen dabei und haben in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten Großartiges geleistet.

Eine Rolle bei der Bewertung von Turnieren spielt auch das Preisgeld. Die Konkurrenz wird größer, das große Geld ist im Reitsport längst nicht mehr nur in Europa zu verdienen. Spüren Sie das?

Kemperman: Geld spielt in unserem Leben nun mal eine nicht unwichtige Rolle. Unser Konzept beim CHIO sieht so aus, dass es nicht nur beim Großen Preis der Springreiter am Sonntag ein üppiges Preisgeld gibt, sondern Reiter auch an allen anderen Tagen für ihre Leistungen belohnt werden. Das gilt nicht nur im Springen, sondern auch in allen anderen Disziplinen. Wir glauben, dass unsere Position auf dem Markt gut ist. Und glücklicherweise geht es ja nicht nur um Preisgeld.

Sondern?

Kemperman: Wer sich die Starterliste für den Großen Preis anschaut, der sieht, dass dort die Namen der besten Reiter der Welt stehen. Jeder möchte dabei sein. Da spielt das Preisgeld eine Rolle, natürlich, aber viele Reiter sagen auch, dass ein Sieg in Aachen wegen der Emotionen das Größe ist.

Der Name zieht also . . .

Kemperman: Der Ruf des CHIO Aachen ist besonders. Ich habe in diesem Jahr mit ein paar Reitern sprechen können, die das erste Mal dabei waren. Die Begeisterung war riesig. Aber selbst ein alter Hase wie Roger-Yves Bost, der seit rund 30 Jahren nach Aachen kommt, hat mir diese Woche noch gesagt: „So ein Turnier gibt es nur einmal auf der Welt.“ Das ist schön zu hören.

Klingt ein bisschen so, als müssten Sie sich für den CHIO im kommenden Jahr gar nicht besonders anstrengen.

Kemperman: Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Es geht jedes Jahr darum, das Theater zu füllen. Aachen muss der „place to be“ sein. Für Reiter, für Zuschauer. Wir wollen auch nächstes Jahr wieder ein Turnier veranstalten, das die Menschen begeistert.

Was können Sie denn noch verbessern?

Kemperman: Das Wetter – das hatten wir dieses Jahr nicht so gut im Griff (lacht). Im Ernst: Wir nehmen jede Kritik an, und das Ziel muss immer sein, immer besser zu werden. Wir wollen immer, dass alles optimal läuft, das ist immer unser Anspruch.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch für das kommende Jahr?

Kemperman: Bitte keine Unwetterwarnungen. Und mir ist immer ganz wichtig, dass alle Reiter und alle Pferde gesund zurück nach Hause kommen. Das gilt natürlich in jedem Jahr.

Und wie wäre es, wenn Sie ein paar mehr Entscheidungen im Stadion sehen könnten?

Kemperman: Nein, das brauche ich nicht. Meine Aufgabe ist es, alles zu regeln. Ich bin nicht hier, um Pferdesport zu schauen, das kommt vielleicht in ein paar Jahren, wenn ich in Rente gehe.

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