Springreiter Bertram Allen: Der heißeste „Rookie of the year“

Von: Helga Raue
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Auf dem Weltcup-Podium: Bertram Allen (rechts) mit Sieger Steve Guerdat (Schweiz/Mitte) und der zweitplatzierten Französin Penelope Leprevost. Foto: sport/ZUMA Press
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Auf dem Weg zum siebten WM-Platz: der junge Ire Bertram Allen auf Molly Malone. Foto: sport/EQ Images

Aachen. Er ist ganz sicher der heißeste „Rookie of the year“. – 2014 und 2015. „Ein Geheimtipp für Aachen? Natürlich Bertram Allen – wenn das überhaupt noch einer ist, so wie der Junge sich in den Fokus reitet.“ Christian Ahlmann zieht einen imaginären Hut, wenn er an den jungen Iren denkt, der wie Phönix aus der Asche in die Elite vorgestoßen ist. Auf Platz elf der Weltrangliste wird der irische Springreiter aktuell notiert – wohl gemerkt mit 19 Jahren!

Als Bertram Allen im vergangenen Jahr den Großen Preis beim „Eschweiler Jumping Festival“ gewann, fragten noch alle „Bertram wer . . .?“ Dabei rangierte der Youngster damals schon in der Weltrangliste um Platz 80. Gleichwohl waren die Zuschauer beeindruckt, wie der junge Ire den Parcours anging. „Für einen so jungen Reiter ist Bertram gut in Schuss, er ist ein echtes Talent. Bertram ist immer flott unterwegs, vor allem in den Stechen“, ist auch Ahlmann von dem Youngster beeindruckt.

Bertram Allen könnte in diesem Jahr noch bei der EM der Jungen Reiter antreten – so jung ist er. Doch schon im vergangenen Jahr vertrat der damals gerade 19-Jährige die irischen Farben bei der WM in Caen – bei den Senioren wohlgemerkt, wo er als jüngster Starter überhaupt zum Auftakt das Zeitspringen gewann und in der Gesamtwertung gleich frech auf Rang sieben ritt. Seither ist er bei allen großen Turnieren dabei – und zwar vorne. So gewann er u. a. die Weltcupspringen in Verona und Bordeaux, den „Großen Preis von Dortmund“ und wurde Dritter im Weltcup-Finale in Las Vegas, wo er bis zur letzten Runde geführt hatte.

Junioren-Europameister

2010 war Allen schon als Ponyreiter Europameister und holte zudem Team-Gold, gewann bei den Junioren 2012 erneut den Team-Titel und 2013 Einzel-Silber – auf Wild Thing bzw. der Schimmelstute Molly Malone, mit denen er immer noch erfolgreich ist. Als jüngster Nationenpreisreiter der Geschichte trug er sich vor zwei Jahren in Linz gleich mit zwei fehlerlosen Runden in die Geschichtsbücher ein.

Beim „Weltfest des Pferdesports“ kann er das Aachener Stadion erstmals unter die Hufe nehmen – die Fortsetzung bei der EM dürfte dem dann gerade 20-Jährigen sicher sein. Weit ist seine Anreise in die Aachener Soers nicht, seit drei Jahren lebt und trainiert Bertram Allen im niederrheinischen Hünxe.

„Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Monate in Deutschland trainieren, um hier besser reiten zu lernen. Irland ist ein schönes Land, aber sehr isoliert, von Hünxe habe ich eine kürzere Anreise, als wenn ich immer von Irland aus den Weg über zwei Meere aufs Festland nehmen muss, um bei den richtig guten Turnieren dabei zu sein. Außerdem mag ich es, in Deutschland zu leben“, sagt der junge Reiter, eine große Zukunft vorausgesagt wird.

Seine Markenzeichen sind Schnelligkeit und Kampfgeist, der junge Ire kämpft wie ein Löwe im Parcours und verschmilzt mit seinen Pferden zu einer Einheit. Er hat ein unglaubliches Gefühl für die Distanzen, beeindruckt zudem durch seine Unbekümmertheit. „In Irland lernst du schon von klein auf, mit den Ponys auf Tempo zu reiten, nicht nur im Stechen. Ich bin auch im Normalparcours immer schnell unterwegs. Ich könnte vielleicht auch langsamer reiten, aber ich mag‘s nicht“, gibt er lachend zu.

Schon von Kindesbeinen an hat der zurückhaltende Reiter mit Pferden zu tun, bereits sein Vater ist ein passionierter Pferdeliebhaber, besitzt Rennpferde. „Mit acht Jahren habe mit dem Reiten begonnen, zuerst auf Ponys und später auch auf Großpferden“, blickt Allen zurück, der sich inzwischen ganz dem Reitsport verschrieben hat. „Pferde sind mein Leben, sie bedeuten mir alles.“

In Hünxe hatten seine Eltern 2012 – da war Bertram 16 Jahre alt – die Anlage der irischen Springreiterin Jessica Kürten gekauft, die Allen inzwischen selbst mit seiner zwei Jahre älteren Schwester April betreibt und bei der Ausbildung der jungen Pferde seit dem Winter von seinem irischen Kollegen Alex Duffy (25), der zuvor bei Carl Hanley in Ostercappeln stationiert war, unterstützt wird.

Trainer des „Supertalents“, wie selbst die Fachpresse ihn titulierte, ist kein Geringerer als Marcus Ehning, das große Vorbild des jungen Springreiters. „Marcus sagt gar nicht so viel, zwei, drei Tipps, aber die machen dann eben den Unterschied“, sagt Bertram Allen, der in Irland 2014 zum „Reiter“ sowie zum „Sportler des Jahres“ gekürt wurde.

Inzwischen wird der Youngster von der Konkurrenz schon als Mit-Favorit genannt. Allen bleibt bescheiden: „In Aachen kann jeder gewinnen, das Starterfeld ist sehr stark. Momentan läuft es gut, und natürlich ist die EM mein Ziel. Jetzt freue ich mich aber erst einmal, dass ich in Aachen reiten darf. Für mich ist das eine Premiere. Ich war bisher nur einmal vor drei Jahren als Zuschauer dabei.“ Allen bringt sein WM-Pferd Molly Malone mit, zudem Quiet Easy sowie für die Youngster-Springen Cheese.

Die Besten der Besten

„Aachen, ob Weltfest oder CHIO, ist für uns Reiter immer ein ganz besonderes Turnier. Hier trifft man auf die Besten der Besten. Wer in Aachen vorne steht, der zählt dazu“, sagt Bertram Allen beeindruckt. Und genau da will er stehen, am liebsten wohl beim „Weltfest des Pferdesports“ und bei der EM im August . . .

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