Sportlertraum wird wahr: René Poensgen startet erstmals beim CHIO

Von: Helga Raue
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Training auf den Wiesen im Schatten der A 4: der Eschweiler René Poensgen mit seinem Vierspänner. Foto: Holger Schupp
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Freut sich auf seinen ersten CHIO-Start: René Poensgen

Es ist sportlich sein größter Traum – nun wird er wahr: „Eigentlich war ich schon überrascht. Ich habe gedacht, unter die sechs besten Gespanne für die EM in Breda zu fahren, würde vielleicht klappen, aber unter die besten fünf für Aachen...“

Und so hatte René Poensgen vor dem Aachener Reitturnier eigentlich ein privates Wochenende in Prag geplant, und auch Beifahrer und Helfer waren anderweitig verplant. Doch selten wurden wohl Freizeit-Pläne begeisterter über den Haufen geworfen als jetzt, denn erstmals darf der Eschweiler Gespannfahrer mit seinem Viererzug beim CHIO Aachen teilnehmen.

Ein Besuch beim CHIO war das Schlüsselerlebnis in seiner Kindheit: „Ich habe die Gespanne gesehen und war fasziniert. Hätte es damals in Aachen schon Vielseitigkeit gegeben, hätte ich das vielleicht probiert, das finde ich auch schön“, blickt Poensgen lachend zurück. Zwar war er schon als Kind in den Sattel gestiegen, doch so richtig wohl fühlte er sich darin nicht, nur beim Ausreiten. 1995, mit 14 Jahren, spannte er seine Reitpferde einfach mal an und nahm an einem Turnier in Eupen teil. „Ich war grottenschlecht“, sagt Poensgen, den dann doch der Ehrgeiz packte.

Zwei polnische Stuten, die sein Vater 1996 kaufte, wurden erstmals unter dem Aspekt Fahrsport angeschafft. Und in wenigen Jahren fuhr der junge Eschweiler schon mit seinem Zweispänner Prüfungen der Klasse S. Im Jahr 2000 erfolgte dann der Umstieg auf den Viererzug. „Das hätte ich gerne früher gemacht, hatte dafür aber nicht die geeigneten Pferde.“

Betreut wurde er in den Anfangsjahren u. a. von Bernhard Duen und Harry de Ruyter, aktuell Bondscoach der Niederländer. Heute trainiert der Eschweiler bei Ex-Weltmeister Michael Freund und seit einiger Zeit auch bei dem Aus-tralier Boyd Exell, der inzwischen auf einer Anlage im niederländischen Valkenswaard beheimatet ist. Und der beim CHIO Aachen sein Konkurrent sein wird. Sechs Mal, davon zwischen 2009 und 2013 fünf Mal in Folge, gewann Exell die Einzelwertung. „In der Gesamtwertung kommt an Boyd Exell kein anderer ran, aber im Gelände ist Michael Brauchle das Maß der Dinge“, hält der 36-Jährige auf den Europameister große Stücke.

Auch seine Stärke liegt im Gelände und beim Kegelfahren, nicht in der Dressur, „obwohl ich auch da aufgeholt habe“, so Poensgen lachend. Mit Sam, den er statt Gismo vorne neben Zandor einspannt, hat er zwei schnelle Pferde im Gelände. „Sam läuft noch manchmal an den richtigen Löchern vorbei, aber das klappte zuletzt in Drebkau richtig gut.“ Mit den „richtigen Löchern“ sind die korrekten Einfahrten in die Hindernisse auf der Geländestätte gemeint, mit Drebkau das internationale Fahrturnier vor zwei Wochen, bei dem Poensgen als zweitbester Deutscher beim Sieg des US-Amerikaners Chester Weber, 2015 Gesamtsieger in Aachen, auf Platz 5 fuhr.

„Zuvor hatte ich Aachen gar nicht so richtig auf der Rechnung. Nach den guten Ergebnissen in Drebkau war es im Prinzip aber klar, dass ich im Moment zu den besten fünf deutschen Gespannen gehören würde“, freut sich Poensgen, für den der Fahrsport trotz des professionell betriebenen Aufwands weiterhin nur ein Hobby ist.

Mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Jan betreibt der 36-Jährige, der gelernter Bäcker und Kaufmann ist, in Eschweiler eine Bäckerei. Bäcker und Gespannfahrer – das scheint eine gute Kombination zu sein, denn auch Michael Freund und Christian Plücker betreiben dies nahrhafte Handwerk. Und auch während der CHIO-Woche muss sich René Poensgen um seinen Betrieb kümmern. „Deshalb bringe ich meine Pferde bereits am Sonntag nach Aachen, so kann ich am Montag zumindest den halben Tag noch arbeiten“, muss der Fahrer, der einen eigenen Stall bei Weisweiler betreibt, seine Zeit auch unter der Woche zwischen Turnierplatz und Firma einteilen.

Und seine Erwartungen für seinen ersten CHIO? Poensgen lacht: „Wenn wir durch den Vet-Check sind, habe ich ja für mich schon gewonnen, weil ich starten darf.“ Und damit sein größter sportlicher Traum endlich in Erfüllung geht. Aber Poensgen will natürlich auch mit Leistung überzeugen, in Aachen und zwei Wochen später bei der DM in Lähden, um unter den besten sechs deutschen Gespannen zu landen.

„Wenn man unter den besten Fünf für Aachen ist, sollte das schon klappen“, peilt der 36-Jährige nach dem CHIO die WM im niederländischen Breda Ende August/Anfang September an.

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