Nur im Viereck sind sie Konkurrenten

Von: Helga Raue
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Jessica von Bredow-Werndl, hier auf ihrem Top-Pferd Unee. Foto: Sport/ Jacques Toffi
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Benjamin Werndl auf Der Hit.

Aachen. Die Geschwister sind ganz entspannt. Gemeinsam – auch der US-Amerikaner Steffen Peters ist dabei – ging es Donnerstagmorgen zum Flugplatz und von da aus nach Aachen. Die Vorfreude auf das „Weltfest des Pferdesports“ ist groß, für Jessica von Bredow-Werndl und Benjamin Werndl ist es ein besonderes Turnier.

Erst zum zweiten Mal starten die Geschwister gemeinsam in der Aachener Soers. „Ich habe Jessi letztes Jahr nach Aachen begleitet. Ich war zwar nicht neidisch, aber ich habe gedacht, hier möchtest du auch wieder mal dabei sein“, sagt Benjamin Werndl.

Premiere kein Erfolg

Der erste gemeinsame CHIO-Start im Mai 2006 stand unter keinem so guten Stern. Die Geschwister, die in der Junioren- und Junge-Reiter-Zeit zusammen über 20 DM- und EM-Medaillen holten, kamen damals mit der Empfehlung als Europameisterin und Vize-Europameister. „Es war stürmisch und regnerisch. Ich musste als erste Starterin ins Viereck, die Zuschauer eilten noch auf ihre Plätze, und Duchesse hat sich dauernd erschrocken “, erinnert sich Jessica von Bredow-Werndl. Bei ihrem Bruder lief es nicht besser, und so landeten die Geschwister, damals 20 und 22 Jahre alt, auf dem letzten bzw. vorletzten Platz. „Wir Reiter und die Pferde waren damals einfach überfordert.“

Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass das anno 2015 ganz anders laufen wird: Jessica von Bredow-Werndl gehört seit 2014 dem Championatskader an und zählt mit ihrem Hengst Unee zum Kreis der EM-Kandidaten. Und ihr Bruder schaffte im Herbst mit Der Hit den Sprung in den B-Kader. „Aachen ist für uns immer etwas Besonderes, und in der Konstellation ist es sogar noch bedeutender“, sagt Werndl. „Mit meiner Schwester zusammen zum Turnier zu reisen, ist immer besonders, das gibt uns Halt.“

Die Konstellation ist zum einen der gemeinsame Start mit Jessi, zum anderen aber, dass der aktuelle Erfolg auf selbst ausgebildeten Pferden basiert. Werndl: „Das hatten wir uns beim Umstieg ins Seniorenlager damals zum Ziel gesetzt. Und daher hat die Rückkehr nach Aachen auch so lange gedauert.“ Eine Ausnahme bildet der 14-jährige Unee, den Jessi 2012 zur Verfügung gestellt bekam und mit dem sie nach DM-Bronze 2014 mit über 80 Prozent auch Platz 3 beim Weltcup-Finale in Las Vegas im April belegte.

In Aachen bleiben die Geschwister ihrem Konzept treu: Jessi sattelt die elfjährige Zaire, eine niederländische Stute, die mit vier Jahren ins heimische Aubenhausen kam und zuerst ein gutes Jahr von Benni geritten wurde. „Mein Bruder und ich tauschen die Pferde ja öfters. Ich hatte Glück, sie passt von der Größe her besser zu mir“, sagt Jessica von Bredow-Werndl und gerät ins Schwärmen: „Zaire ist unheimlich leichtfüßig, hat viel Talent für Piaffe und Passage, eine richtige kleine Ballerina.“ Zuletzt belegte die Stute in München Platz drei, fuhr auch schon über 76 Prozent in einem Grand Prix Spécial ein.

Bruder Benjamin sattelt sein aktuelles Top-Pferd Der Hit, einen zwölfjährigen Wallach von Del Gado, der zu Hause „Slomo“ genannt wird. „Ich habe ihn seit sechs Jahren unter dem Sattel. Er hat ein tolles Potenzial, eine sehr positive Grundeinstellung und wird auch vor so einer Kulisse wie Aachen keine Angst haben. Er geht für mich durchs Feuer, ist mein bester Freund und immer für mich da“, gerät auch Benjamin Werndl bei seinem vierbeinigen Partner ins Schwärmen. „Dass ich jetzt im Bundeskader bin und nun in Aachen reiten darf, ist ein Meilenstein für mich.“

Der 31-Jährige stand zuletzt sportlich nicht so im Blickpunkt wie seine Schwester. „Es schaut nur so aus, als sei ich weniger geritten. Wie Jessi habe ich studiert und arbeite im Unternehmen meines Vaters. Aber jetzt wird wieder angegriffen, jetzt will ich es wieder wissen“, hat sich Benjamin Werndl für diese Saison zum Ziel gesetzt.

Das Saisonziel seiner Schwester ist die Rückkehr nach Aachen – zur EM im August. Aus dem Grund ist auch ihr Top-Pferd Unee an diesem Wochenende nicht dabei. „Ich setze ihn gezielt ein, reite mit ihm die beiden Sichtungen bei der DM in Balve und Hagen“, bedauert von Bredow-Werndl, die das WM-Ticket im vergangenen Jahr knapp verpasste, in Sachen EM aber gute Karten haben dürfte. „Warten wir mal ab, die deutschen Konkurrenten sind sehr stark. Alles, was ich dazu tun kann, ist, selbst gut zu reiten.“

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