Niederlage hat Werth richtig heiß gemacht

Von: Helga Raue
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Überzeugender Sieg beim Großen Dressurpreis von Aachen: Isabell Werth gewinnt auf Weihegold mit sieben Prozent Vorsprung. Foto: Thomas Rubel
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Knapp die Nase vorn im Grand Prix Spécial: Die US-Amerikanerin Laura Graves.

Aachen. Auf der Tribüne wiegten sich die Zuschauer im Takt, die Einerwechsel mitzählend. Unten im Viereck tanzte die Rappstute beschwingt zu „Tanze Samba mit mir“. Hochkonzentriert und doch locker zeigte Weihegold ihre Kür zu einem Medley von Hits aus den 70er Jahren – und auf der Schusslinie gab es keinen Zweifel mehr.

Tosender Beifall brach auf die jubelnde Isabell Werth herunter, die ihren Ausritt ein wenig zelebrierte und die Standing Ovations geradezu herausforderte. Psychologische Kriegsführung der anderen Art, denn nach der Rheinbergerin kam ihre ärgste Konkurrentin, die US-Amerikanerin Laura Graves. Und die hatte die Team-Olympiasiegerin und Weltcup-Gewinnerin tags zuvor im Grand Prix Spécial knapp geschlagen.

„Ich war mir sicher, Isabell gibt Gas und schlägt mich“, musste die 29-Jährige hinterher einräumen. Durch ihren Erfolg hatte sie vor der Kür Werth noch einmal richtig gepusht. Über sieben Prozent, genau 89,675 gegenüber 82,550, Vorsprung verbuchte die nun elffache Siegerin im „Großen Dressurpreis von Aachen“. Zwischen die beiden Amazonen schob sich noch Sönke Rothenberger (Bad Homburg; 85,750) auf Cosmo. Nur Dorothee Schneider (Framersheim), die tags zuvor mit Werth, Rothenberger und Hubertus Schmidt (Borchen) auf Imperio den Nationenpreis vor den USA und Schweden gewonnen hatte, musste sich auf Sammy Davis jr. nach mehreren kleinen Fehlern mit 75,075 Prozent und Rang 11 begnügen.

„Ich bin wirklich, wirklich richtig zufrieden. Und ich bin sehr glücklich, wieder auf diesem Bord am Richterturm zu stehen“, sagte Isabell Werth mit Hinweis auf die Siegertafel, und sie durfte sich völlig unwidersprochen selbst loben. „An dieser Kür gab es nichts auszusetzen, keinen Fehler, alles passte zur Musik, das Pferd war in einer Top-Verfassung – das war großer Sport heute.“

Tags zuvor war sie zwar nach dem Spécial ebenfalls zufrieden gewesen, doch hatte Weihegold neben einer sparsamen ersten Piaffe einen Patzer in den Zweierwechseln gemacht. Im Schnitt gaben die Richter nur eine Note 4,6 – ohne diesen Fehler wäre Graves chancenlos gewesen. So hatte die Hairstylistin aus Florida die Gunst der Stunde mit einer fehlerlosen Runde auf Verdades genutzt und mit 81,842 vor Werth (81,059) und Rothenberger (78,314) gewonnen.

In der Kür unterlief der Weltcup-Zweiten und Olympia-Vierten aus den USA selbst ein Patzer in den Zweierwechseln. Doch auch mit einer fehlerlosen Runde hätte sie es schwer gehabt, den immer stärker auftrumpfenden Cosmo unter Rothenberger in Schach zu halten. Tags zuvor hatte der Zehnjährige noch Punkte eingebüßt, als er sich erschreckte und einen Fehler in den Einern machte. Und auch in der Kür gab es einen Moment, als Cosmo zu den Zuschauern schaute. „Aber ansonsten hat er sein ganzes Potenzial in den Grundgangarten oder den Piaffen gezeigt. Und alles passte zur Musik“, strahlte sein 22-jähriger Reiter, der 2016 mit dem Team in Rio Olympiasieger geworden war. Er ritt zu einer eigens für Cosmo in den Niederlanden komponierten Musik, die wunderbar zu den Bewegungen des Braunen passte.

Auch die Richter zeigten sich begeistert: „Meine Kollegen und ich finden es sehr schade, dass man nicht auch mal eine Wertnote 11 oder 12 geben darf“, sagte Dr. Evi Eisenhardt, Chefrichterin bei C. Sie persönlich hätte gern eine 11 für die Übergänge von Weihegold und den Trab von Cosmo vergeben. Der niederländische Richter hatte den brauen Wallach im künstlerischen Wert sogar ein Prozent vor der Rappstute gesehen, seine schwedische Kollegin um 0,50 Punkte in der technischen Bewertung – Werths größte Konkurrenz bei der EM in Göteborg lauert also im eigenen Lager.

Neben Werth, Rothenberger und Schneider schaffte Helen Langehanenberg (Billerbeck) mit Damsey den Sprung ins EM-Team. Die Team-Weltmeisterin hatte mit dem 15-Jährigen den Grand Prix der CDI-Tour gewonnen und im CDI-Spécial hinter den Deutschen Meistern Werth und Emilio Platz zwei mit 76,686 Prozent belegt. „Verlierer“ des CHIO war Hubertus Schmidt, dessen Imperio nach einem schwachen Grand Prix auch im Spécial patzte und mit enttäuschenden 69,451 Prozent nur Platz 19 belegte. Für den 57-Jährigen bleibt somit in Göteborg wie in Rio nur die Reservistenrolle.

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