Nick Skelton knackt mit Big Star den Safe

Von: Christoph Pauli
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Seriensieger: Nick Skelton hat zum vierten Mal den Großen Preis von Aachen gewonnen. Foto: Uwe Anspach

Aachen. Der letzte Reiter des Turniers war in der Bahn, und Nick Skelton beobachtete Patrice Delaveau hibbelig auf seinem Big Star. Er wartete aufgeregt am Richterturm. Dort sind die Sieger des Großen Preises von Aachen verewigt, im Vorjahr hatte sich Skeltons Landsmann Michael Whitaker „vorsorglich“ zwei Tage vor seinem Triumph dort mit einem Filzstift eingetragen. Skelton braucht das nicht.

Er ist hier schon als Sieger in den Jahren 1982 (mit If Ever), 1987 und 1988 (mit Apollo) verewigt. Der Brite sah, wie der Franzose an einem Oxer hängenblieb und in 53,75 Sekunden Dritter wurde.

Der Sieger 2013 riss die rechte Faust hoch, setzte ein seliges Lächeln auf, als habe er gerade in geschmolzener Schokolade gebadet. Die Aachener Woche mit fantastischem Reitsport hatte ein spektakuläres Ende gefunden. Der Altmeister räumte den Jackpot ab, als in Aachen erstmals die Million aufgerufen wurde. Skelton ist neben Piero D‘Inzeo (1952, 1959, 1961, 1965) der einzige Vierfach-Sieger.
Die Karriere schien schon beendet

Der Mann hat vermutlich die größte Geschichte in der ganzen Szene. Ende der 1990er Jahre war er aus den Siegerlisten verschwunden, als ihm die guten Pferde fehlten. Skelton machte mehr durch Alkohol-Eskapaden auf sich aufmerksam. Im September 2001 stürzte er mit einem Nachwuchspferd, brach sich den obersten Halswirbel zwei Mal. Er verbrachte drei Monate eingegipst im Krankenhaus, dann wurde sein Hals durch ein metallenes Stützgestell stabilisiert. Die Karriere schien beendet, doch trotz enormer ärztlicher Vorbehalte stieg er Anfang Januar 2002 wieder in den Sattel.

Auf Team-Gold bei den Olympischen Spielen 2012 im eigenen Land war die Enttäuschung im Einzel gefolgt, als der Top-Favorit medaillenlos blieb. Dieser Scheck aus Aachen ist dafür ein dickes Trostpflaster, die 330.000 Euro sind die größte Börse seiner langen Karriere. „Ich muss mir mal Gedanken über die Verwendung machen“, grinste er später. Und darüber hinaus hat er noch die Option, im Rolex Grand Slam, der in Aachen begann, die Prämie durch Siege in Calgary und/oder Genf um einige hunderttausende Euro aufzustocken. „Ich muss die Saison vielleicht neu planen“, urteilte er nüchtern. Seinen Big Star hatte er in Aachen erst Freitag erstmals im Zeitspringen vorstellen können, der Hufschmied hatte ihn „vernagelt“, drei Tage konnte er nicht springen.

Die über 40.000 Zuschauer erlebten großen Sport. Sie mussten sich nach dem ersten Durchgang schon früh von einigen Attraktionen des Turniers verabschieden. Janne-Friederike Meyer fand für ihren Lambrasco nicht die richtigen Abmessungen in der dreifachen Kombination, der Rhythmus war dahin, die Sieger an gleicher Stelle von vor zwei Jahren schleppten 13 Punkte ins Ziel.

Andere Hochgehandelte wie Pius Schwizer oder Gerco Schröder gaben chancenlos auf, um ihre Tiere zu schonen. Kurzum: Stangenarchitekt Frank Rothenberger hatte nicht übertrieben mit seiner Ankündigung: „Das ist der weltweit schwierigste Parcours in diesem Jahr.“ So fielen die Favoriten reihenweise durchs Sieb, nur acht der 40 Starter blieben auf der 540 Meter langen Strecke fehlerfrei.

Die besten 18 potenziellen Safeknacker versuchten ihr Glück, dieser zweite Umlauf war weniger eckig, ihm fehlten ein paar Klippen. Immerhin acht Paare kamen pannenfrei über den halben Kilometer. Ins Stechen zogen schließlich die fehlerfreien Delaveau, Skelton und Janika Sprunger ein. Die Schweizer Amazone scheiterte an der zweifachen Kombination, 54,48 Sekunden bedeuteten Platz 2 und 200.000 Euro am Ende.

„Das ist definitiv der größte Tag meiner Karriere“, feierte die schnelle 26-Jährige. Später scherzte der erfolgreichste Aachen-Starter mit ihr. „Als ich das erste Mal hier gewonnen habe, konnte sie noch nicht mal laufen.“ Das Duell der Generationen hatte der Altmeister gewonnen.


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