Jessica von Bredow-Werndl: „Ich muss demütig sein“

Von: Helga Raue
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Seit März im Championatskader: Jessica von Bredow-Werndl und Unee. Foto: Karl-Heinz Frieler

Die Premiere war feucht und unerfreulich: „Es war stürmisch, regnerisch. Und da ich keine Weltranglistenpunkte hatte, musste ich als erste Starterin ins Viereck, und die Zuschauer eilten alle noch auf ihre Plätze“, erinnert sich Jessica von Bredow-Werndl an ihren ersten Auftritt beim CHIO Aachen.

Anno 2006 war das, und die damals 20-Jährige kam mit der Empfehlung als Doppel-Europameisterin der Jungen Reiter. „Duchess hat sich nur erschrocken und ist weggesprungen, sie war so aufgeregt“, blickt die Dressurreiterin lachend zurück. Zumindest war sie in ihrer Enttäuschung nicht alleine, ihrem Bruder Benjamin Werndl, zwei Jahre älter und Vize-Europameister 2005, war es nicht besser ergangen. Die hübsche Blondine lacht: „Er war einen Platz vor mir – und ich war Letzte. Wir Reiter und die Pferde waren überfordert.“

Wenn Jessica von Bredow-Werndl am Montag anreist, sind die Vorzeichen gänzlich anders: Die 28-Jährige gehört seit März dem Championatskader an und zählt zum Kreis der WM-Kandidaten. Erst im vergangenen Jahr hatte sie erstmals wieder beim CHIO starten dürfen. „Dazwischen liegt eine lange Zeit, aber das war gesund“, sagt sie. „Gesund“, weil sie mit dem Umstieg ins Seniorenlager einen Neuaufbau mit jungen Pferden startete. „Wir wollten mit selbst ausgebildeten Pferden weiterreiten“, blickt die Dressurreiterin zurück.

Im Februar 2012 wurde ihr der Hengst Unee, ein jetzt 13-jähriger Gribaldi-Sohn, zum Reiten angeboten. „Er ist wahnsinnig süß und ehrlich, will immer mit mir kämpfen. Er ist ein wahnsinnig guter Kumpel“, lobt die Reiterin ihr Pferd. Mit ihm machte sie schon 2013 auf sich aufmerksam, doch in diesem Jahr ging dann alles ganz schnell. Platz 5 im Weltcup-Finale und eine Bronze-Medaille in der DM-Kür verbuchte sie unter anderem. „Und es fühlt sich nicht so an, als wäre das Ende der Fahnenstange schon erreicht, da ist noch Luft nach oben“, ist von Bredow-Werndl optimistisch.

Darf sie auch sein, auch wenn ein Platz im WM-Team durch das erfolgreiche Comeback von Totilas wieder ein kleines bisschen unwahrscheinlicher geworden ist. „Ich gönne den anderen das WM-Ticket von Herzen. Ich muss demütig sein und überlegen, wo ich hergekommen bin. Und außerdem: Es gibt ja auch noch Championate nach den Weltreiterspielen“, sagt sie, „es ist schon toll, dass ich überhaupt ein Wörtchen mitreden darf.“ Und schließlich – auch die Konkurrenz muss ja in Aachen erst mal reiten und ihre Leistungen bestätigen . . .

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