Aachen - Deutsche Equipe siegt furios im Nationenpreis

Deutsche Equipe siegt furios im Nationenpreis

Von: Helga Raue
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Erleichterung, Freude, Stolz: Helen Langehanenberg wird auf Damon Hill Zweite der Einzelwertung. Deutschland gewinnt den Nationenpreis. Foto: Uwe Anspach
Totilas
Die Fäuste hochgerissen: Matthias Rath hat am Donnerstag mit Totilas auch in der Einzelwertung gewonnen. Foto: Uwe Anspach

Aachen. Überrascht rieben sich alle die Augen: Noch in der Trab-Tour hatte Valegro wie der sichere Sieger ausgesehen. Doch im Galopp reihte sich ein Fehler an den anderen: Fehler in den Wechseln, schwache Pirouetten, und danach fiel der Olympiasieger und Europameister auch noch in den Trab. „Abgerechnet wird zum Schluss“, sagt eine alte Reiterweisheit.

Und so musste sich die topfavorisierte Britin Charlotte Dujardin überraschend mit nur 76,900 Prozentpunkten und Platz sechs zufriedengeben. Sieger auf ganzer Linie waren die deutschen Dressurreiter, die den Nationenpreis mit rekordverdächtigen 243,10 Prozentpunkten vor den Niederlanden (223,38) und Spanien (220,60) gewannen.

Nicht, wer platziert sich hinter Valegro, sondern welches deutsche Top-Paar setzt sich an die Spitze lautete zum Schluss die Frage. Die Antwort war die zweite Überraschung im gestrigen Grand Prix: Totilas feierte unter Matthias Alexander Rath (Kronberg) sein Comeback mit 82,30 Punkten und dem Sieg. „Das ist unglaublich, das hätte ich mir nicht erträumt. Ich bin sehr glücklich“, freute sich Rath, dessen Darbietung nicht fehlerfrei war. „Die Piaff-Passage war nicht so gut wie sie sein sollte, dazu Fehler in den Einer-Wechseln. Aber wir werden weiter trainieren.“

Doch der schwarze Hengst zeigt sich deutlich verbessert in der Anlehnung, zeigt einen besseren Schritt, wirkt zufriedener. „Er ist immer noch ein Highlight“, sagt Bundestrainerin Monica Theodorescu. Und: „Alle hatten kleine Ecken und Kanten in ihren Ritten.“

Auch die Vorjahressieger Helen Langehanenberg (Billerbeck) und Damon Hill, die erst auf der Schlusslinie den Sieg mit 81,26 aus der Hand gaben. „Damy war früher fertig als ich, und ich habe ihn zu stark korrigiert, daher der kleine Sprung“, analysiert die Weltcup-Siegerin, deren Pferd seit April im Deckeinsatz war und eine Turnierpause hatte. „Aber die Pause nach dem Weltcup-Finale hat Damy gut getan. Er ist frisch und hat Spaß bei der Arbeit. Schade, ich hatte ein gutes Gefühl.“ Ein gutes Vorzeichen für die Kür am Sonntag: „Der braucht noch ein, zwei Runden“, befand auch Theodorescu.

Im „Spitzensport angekommen“ (O-Ton Theodorescu) ist Bella Rose. „So eine Kulisse kannte sie vorher noch nicht“, so die zufriedene Bundestrainerin angesichts nur kleiner Fehler der Zehnjährigen und Platz vier für Isabell Werth (Rheinberg/79,580) - hinter Adelinde Cornelissen (Niederlande). „Ich bin sehr stolz auf Bella, das war eine tolle Prüfung, die die letzten Wochen und Monate bestätigt hat“, freute sich Werth, die den überraschenden Ergebnisse viel Positives abgewinnen konnte: „Das war für uns alle überraschend. Aber alle liegen eng zusammen. Das macht den Sport hier so spannend.“

Angesichts des Niveaus ihrer Schützlinge strahlte auch die Bundestrainerin: „Niemand sonst hat drei Pferde um die 80 Prozent im Team.“ Die kann auch der Deutsche Meister Desperados holen. „Noch auf dem Abreiteplatz ging er toll, doch im Stadion hat er sich von den Zuschauern beeindrucken lassen“, war Kristina Sprehe (Dinklage/73,96) am Donnerstag als Elfte etwas geknickt.

Pferde sind eben keine Maschinen. „Das passiert immer dann, wenn man meint, der Sieg läge auf der Straße“, stimmt Isabell Werth lachend zu. Im Grand Prix der CDI-Tour war sie mit Don Johnson, Kür-Zweiter der DM, die Favoritin – und landete mit bitteren 69,92 Prozent auf Platz 11. Werth: „Er ist gestolpert und nicht mehr richtig in die Piaff-Passage-Tour reingekommen. Aber er hat mir versprochen, dass das im Spézial nicht mehr vorkommt.“

Dabei hatte der Tag im Viereck für die deutschen Dressurreiter gar nicht so hoffnungsvoll begonnen, als Kristina Sprehe als erste deutsche Starterin ins Viereck kam. Als das Publikum applaudierte, war es bei ihrem Hengst mit der Konzentration vorbei. Fehler in den Wechseln und in der Traversale schlugen zu Buche – das können die Deutschen Meister besser.


Die Mienen hellten sich auf, als Bella Rose das Viereck betrat. Wenn auch nicht ganz fehlerlos, so begeisterte die zehnjährige Stute mit ihrer Piaff-Passage-Tour: 979,580 Prozent – und das deutsche Team war wieder in der Spur.


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