Aachen - Gina Klaassen leitet das Protokoll des Aachener CHIO

Gina Klaassen leitet das Protokoll des Aachener CHIO

Von: Bernd Büttgens
Letzte Aktualisierung:
Ein kurzer Moment der Ruhe fü
Ein kurzer Moment der Ruhe für Gina Klaassen: Die Protokollchefin des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) nimmt für den Fotografen in der Aachen-Lounge unter der Haupttribüne Platz. In dieser Woche wird sie eher stehen und aus der zweiten Reihe beobachten, ob alle Vorbereitungen des Protokolls aufgehen und die Gäste zufrieden sind. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Dresscode für Dienstagabend? „Cocktail”, sagt Gina Klaassen, wartet einen Moment, lächelt: „Wir sagen allerdings als Zusatz gerne: Es handelt sich um eine Freiluftveranstaltung. Und mancher Weg zum Fest führt über Schotter.”

Am Dienstagabend findet auf dem CHIO-Gelände in der Aachener Soers die „Media Night” statt. Es kann kommen, wer eingeladen ist. Also ein überschaubarer exquisiter Kreis, man trinkt, man isst, man sieht und wird auch hoffentlich gesehen, man smalltalkt; da steigt eine Societysause, wie es sie in Aachen nicht jeden Abend gibt. Der Treffpunkt: der Champions Circle, so heißt der elegante Zeltpalast am Eingang des Turniergeländes. Auch bei jenen, die viel unterwegs sind in Sachen Promis, Stars und Sternchen, hat die Veranstaltung einen feinen Ruf.

Und wie gesagt: „Dresscode Cocktail”, aber Achtung, so luftig wie vielleicht bei vergleichbaren Anlässen in Berlin kommen die Damen nicht daher. Und auch die Highheels sollen nicht ganz so high sein wie andernorts. Hört man. Aber warten wir das erst einmal ab.

Der passende Ton

Gina Klaassen trägt am Tag davor den flachen Absatz zum Hosenanzug. Ihr Auftritt ist dezent, freundlich, sie lächelt viel und wohl auch gerne, aber sie weiß genau, was sie sagt - und erst recht, was sie nicht sagt. Denn Gina Klaassen ist Profi, sie ist die Chefin des Protokolls beim Aachen-Laurensberger Rennverein, kennt also den passenden Ton. Muss sie auch kennen, weil sie für Präsidium und Aufsichtsrat des weltgrößten Reitturniers die Ehrengäste einlädt und betreut. Das Jahr über stemmt die Protokollchefin das Geschäft alleine, wenn das Turnier näherrückt, kommen zwei Kollegen dazu, in der Woche selbst wird das Protokoll um acht weitere Mitstreiter aufgestockt.

Klaassens Kollege aus der Presseabteilung, Niels Knippertz, sagt, dass „Gina unglaublich stressresistent ist”, und ein paar Sätze weiter, „dass sie auf bewundernswerte Weise immer die Contenance wahrt”. Das erwartet man von der Chefin des Protokolls. „Und das völlig zurecht”, sagt sie. Präzision, wohldurchdachte Vorbereitung, exakte Planung aller Details und Eventualitäten - so bahnt das Protokoll den Besuch der Ehrengäste an. Und wenn die Prominenz dann im Stadion ist, heißt es, aus der zweiten Reihe nach dem Rechten zu schauen. Wer Gina Klaassen aufmerksam zuhört, versteht, dass es bei ihr darum geht, aufmerksam hinzuschauen. „Schließlich geht es darum, dass unsere Gäste sich wohlfühlen, einen schönen Tag erleben und uns in guter Erinnerung behalten.” Sagt es und schließt die Tür der Aachen-Lounge auf: ein eleganter Empfangsraum im Bauch der Haupttribüne. „Hier empfangen wir die Ehrengäste, die dann später in der Loge Platz nehmen. Hier haben sie ihre Ruhe, hier können Gespräche geführt werden.” Blinkendes Parkett, eine stolze Bar, modernes Lounge-Mobiliar, Kunst an den Wänden, Pferdemotive, was naheliegt.

Natürlich ist die Media Night am Dienstagabend, die Verleihung des Journalistenpreises „Silbernes Pferd”, der Aufgalopp der Prominenten und geladenen Gäste, das erste Highlight der Turnierwoche. Aber nun wahrlich nicht das einzige. Gina Klaassen schaut in den Kalender. Samstag und Sonntag will Verteidigungsminister Thomas de Maizière Pferd und Reiter in Feld und Stadion beobachten, am Sonntag kommt der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf einen Sprung in die Soers. Minister bringen Personenschützer mit, die Sicherheitslage muss besprochen werden, eigentlich Routine beim CHIO. Aber auf Routinen, die Entspannung und „das übliche Geschäft” verheißen, steht Gina Klaassen nicht sonderlich. Wach sein, das ist die Devise, auch an 16-Stunden-Tagen.

Aus dem Kreis Mettmann kommt sie, genauer aus Hilden. Die Eltern sind Berufsreiter, daheim hat Gina ihr erstes Pferd gesattelt. „Die Pferde waren immer da”, spricht sie von einer lebensbegleitenden Melodie. Nun ist es schwer, von sich zu sagen, dass man als Sportlerin - in dem Fall als Dressurreiterin - richtig gut, ja, auf dem Weg ins professionelle Geschäft war. Aber man erzählt sich genau das von Gina Klaassen und auf Nachfrage bestätigt sie es dann auch: „Es stimmt, der nächste Schritt wäre tatsächlich in diese Richtung gegangen, aber dann habe ich nein gesagt.”

Zum Studium nach Aachen

Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre sollte es sein. Es gibt Aufregenderes, will man schon sagen, aber dann wurde Aachen der Studienort, und da war doch der CHIO, da gab es Pferde und viel Arbeit. Und so landete Gina Klaassen ausgerechnet im Megajahr 2006 als Praktikantin beim ALRV, und zwar im Protokoll. Frank Kemperman, der Turnierdirektor und Vorstandschef des ALRV, hat vor gar nicht langer Zeit gesagt, dass er richtig viele gute Leute in diesem WM-Jahr 2006 gewonnen habe: „Wer das durchsteht, den kann man brauchen.” So war es wohl auch bei Gina Klaassen. 2008 wurde sie die Nachfolgerin von Astrid Kochs, die nach München gegangen war. Ein weiteres Praktikum und auch ihr BWL-Diplom hatte sie bis dato erfolgreich absolviert.

Die 28-Jährige (der Geburtstag war am Sonntag, gefeiert wird nach dem Turnier) spricht von einem „Traumberuf”. Weil so vieles zusammenkommt, was sie begeistert. Und weil das Aachener Turnier die ganz große Bühne bietet. Für den Sport, für die Pferdesportfreunde aus aller Welt, aber auch für die Prominenz.

Und schon sind wir wieder bei der Media Night. Im Vorjahr war Boxchampion Wladimir Klitschko zu Gast, gleich drei Bundesminister im Schlepptau, vorneweg Ursula von der Leyen. Klaassen: „Das war schon ein ordentlicher Auftakt”.

Und am Dienstag? Die Dame vom Protokoll kann nur Gutes berichten über den Stargast des Abends. Man darf davon ausgehen, dass sie - gäbe es denn etwas Negatives - darüber auch nicht sprechen würde, aber bei Katharina Witt vermutet man eh nur Sonne und ein strahlendes Goldmedaillenlächeln. Die Eiskunstläuferin, Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Olympiafunktionärin wird am DIenstag im Champions Circle die Sieger des „Silbernen Pferdes” auszeichnen. Sie wird das Stadion erkunden, wird bei der Eröffnungsfeier eine Runde mit der Kutsche fahren und vom Aachener Publikum gefeiert werden. „Mehrfach haben wir Frau Witt schon eingeladen, es war terminlich immer eng, aber in diesem Jahr kam dann die Zusage. Wir freuen uns”, sagt die Protokollchefin.

Sie könnte weitere Details erklären, hält unter dem Strich fest: „Da kommt ein äußerst angenehmer Gast, mit dem wir alle Details problemlos geklärt haben.” Anreise, Transfer vom Flughafen zum Hotel, später in die Soers, der Ablauf im Stadion, später bei der Media Night. Die Arbeit von Gina Klaassen und ihrem Team hat viele Schnittstellen. Sicherheitsfragen, Logistikthemen, Pressekontakte - es gibt wirklich wilde Anfragen, denen sich prominente Gäste ausgesetzt sehen. „Da arbeiten wir mit den Pressekollegen um Niels Knippertz Hand in Hand.” Auch hierbei ist die Media Night das Topthema: Ein Spezialist für die Speerspitzen der Yellow Press und Boulevardblätter wurde für diesen Tag verpflichtet, um sauber abzuwägen, was geht - und was nicht.

Gina Klaassen weiß, wie wichtig Teamarbeit ist, sie sagt, wie sehr sie das Miteinander etwa mit dem Fahrdienst und dessen Leitern Walter Schoel und Thomas Mucke oder mit dem Ordnungsdienst, dem Team um Fadi Fattouh schätzt: „Das läuft hier alles sehr professionell.”

Immer wieder klingelt das Telefon. „Trägt man in Aachen Hut?” Auch solche Fragen landen bei der Protokollchefin. Für manch einen mögen Fragen der Etikette, des guten Geschmacks und perfekten Benimms unüberwindbare Hindernisse darstellen, nicht für Gina Klaassen. Nein, der Hut sei kein Muss, erfährt die Fragestellerin. Aber ein Kann, denkt der Zuhörer und freut sich auf die bezaubernde Kollektion, die sich wohl auch dieses Jahr wieder in Trab setzt.

Beim ALRV kennt man sich aus. Über Begegnung und Umgang mit hochrangigen Politikern gibt ein Merkblatt - inzwischen als pdf im Computernetzwerk hinterlegt - Auskunft. Und wenn es so richtig tief in die Society geht, wenn gar Prinzen und Exzellenzen anrücken, dann weiß Gina Klaassen mit Rosalie Gräfin von Landsberg-Velen, Tochter des langjährigen Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Dieter Graf Landsberg-Velen, eine sattelfeste Mitstreiterin an ihrer Seite.

Turniere kommen und gehen, das zeigt die Geschichte, und so blickt Gina Klaassen gelassen nach vorne. Ihrem Partner, als Aachener durch und durch mit dem „Schio”-Virus infiziert, braucht sie das Turnier und seine Gesetze nicht zu erklären. Ob sie schon an den Urlaub denkt? Bewahre! „Nein, jetzt kommt erst mal die Turnierwoche.” Ein Jahr lang wurde gesät, gedüngt und gejätet. Jetzt wird geerntet in der Soers. Ob man das so sagen darf? Frage ans Protokoll.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert