Aachen - Friedensbotschaft auf dem Pferderücken

Friedensbotschaft auf dem Pferderücken

Von: ust
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Nicolas Andreani begeisterte mit seiner Kür. Foto: Rubel

Aachen. Die Pflicht lief nicht so gut, aber in der Kür fand er das Gefühl wieder, das ihn auch bei der Europameisterschaft getragen hat. Im vergangenen Jahr siegte er in Malmö mit seiner Anti-Kriegs-Performance auf Idefix de Braize. Das gute Gefühl war wichtig, denn in der zweiten Kür in der Albert-Vahle-Halle wollte Nicolas Andreani nicht wieder das Gleiche turnen, sondern eine Welturaufführung präsentieren. „Ich war aufgeregt und angestrengt, denn ich wollte, dass die Richter meine Botschaft verstehen.” Seine Botschaft klingt einleuchtend. Der gleiche Mann, den er im Krieg dargestellt hat, kehrt nun nach Hause zurück.

Er erlebt, wie die Natur zu neuem Leben erwacht, und verarbeitet seine Kriegserlebnisse. Was plausibel klingt, war auch für die Richter nachvollziehbar. Sie bewerteten seine Kür mit Höchstnoten, pikanterweise mit haargenau der gleichen wie die seines größten Konkurrenten, des Kölners Kai Vorberg.

Die hitzigen Temperaturen ließen den 26-jährigen ehrgeizigen Franzosen kalt. „Wir hatten schon 2003 bei der Europameisterschaft in Saumur so ein Wetter”, erklärte er lapidar. Mit der Mannschaft am frühen Morgen übers Turniergelände joggen konnte er zwar nicht, da seine Prüfungen bereits früh begannen. Das war aber auch die einzige Entschuldigung, um sofort mit dem Muskelaufwärmtraining zu starten. „Ich bin nur noch nicht sicher, ob ich mich für die Kür im Nationencup wieder schminken werde”, zollte er der Hitze seinen kleinen Tribut.

Nicolas Andreani voltigiert seit 20 Jahren, von Beginn an mit Longenführerin Marina Joosten Dupont. Vor ihr zieht er den sprichwörtlichen Hut: „Bei Marina liegt die größte Arbeit, besonders unter solchen Bedingungen.” Sie sorgt für eine optimale Pferdenote, wenngleich Andreani das Steigerungspotential in diesem Bereich für begrenzt hält: „Die Richter bewerten die Pferde nur mit vier bis acht, nicht höher. Ich fände es gut, wenn insbesondere die Noten in den Küren wie beim Kunstturnen noch oben geöffnet werden würden und auch mal eine Elf oder Zwölf vergeben würde.”

Andreani ist der Meister der Kür. Bei der Europameisterschaft holte er den Titel insbesondere über seine beiden Kürdarbietungen. „Die Richter sind für mich das primäre Publikum. Sie sollen meine Botschaft spüren wie bei einer Vorführung im Theater und ihr Gefühl dann auf das Publikum übertragen.” Andreani ist ehrgeizig, er möchte nach ganz oben.

Generalprobe vor der WM

Der CHIO war für ihn eine Generalprobe, ein letztes großes Voltigier-Schaulaufen vor der WM in Kentucky. „Ich weiß jetzt genau, woran ich noch arbeiten muss, nämlich an der Pflicht”, resümiert er. Denn durch die suboptimale Prüfung ließ Kai Vorberg den sympathischen Franzosen in der Endabrechnung in Aachen noch hinter sich. Nun geht es eine Woche in die Ferien zusammen mit der Familie und der Freundin, bevor die Vorbereitung für Amerika beginnt. Diese organisieren die Franzosen gewohnt zentralistisch.

So haben sie auch für das Team nicht eine bestehende Mannschaft ausgewählt, sondern die Besten des Landes in einem Team vereint. Nicolas wird mit ihnen gemeinsam über den Teich fliegen. Zusammen mit Marina und Idefix heißt es dann für ihn: „Go for Gold”!
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