Flotter Schlitten kostet 25 Erfolge in der Kutsche

Von: Amien Idries und Thorsten Karbach
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Bei ihm können Springpferde baden gehen - rein sportlich: Ingo Städter verkauft Wassergräben im Ladendorf des CHIO. 160 Aussteller sind hier eingezogen, 200 Zelte wurden aufgebaut. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die Kutschenfahrer ist es bis zu diesem Schlitten ein weiter Weg. Mit 26.000 Euro ist die prestigeträchtige Marathon-Geländeprüfung der Vierspänner dotiert, für den Sieger gibt es letztlich 8600 Euro. Der flotte Schlitten, ein 571-PS-Sportwagen, ist jedoch mehr als 25 Marathonerfolge wert.

217.865,20 Euro kostet das Automobil und ist im CHIO-Village, dem großen Ladendorf, käuflich zu erwerben. Für Reiter aber gänzlich unpraktisch, eine Anhängerkupplung ist nicht vorgesehen.

Seit vielen Jahren ist es auch das Ladendorf, das das Bild des Reitturniergeländes in der Soers prägt. Gewachsen ist es, bis kein Platz mehr da war. 160 Aussteller aus aller Welt sind es in diesem Jahr. In 200 Zelte sind sie eingezogen. Es gibt Kunst und Kitsch, Kleidung, Schmuck und alles rund ums Pferd. Wenn nicht sogar mehr als das.

Ingo Städter hat ein Herz für Pferde. Aber eines, das Pferde nicht sonderlich lieben. Das Herz ist nämlich ein Wassergraben - für Trainingszwecke auf der heimischen Wiese. Mit seiner Firma Gobutec ist er weltweit unterwegs und verkauft Gummiwassergräben. Ein Mal zwei Meter blauer Wassergraben (damit das Wasser auch schön blau aussieht) kostet 129 Euro.

Der Gewinner des großen Preises von Aachen - dem bestdotierten Springen des CHIO - kann sich 891 und einen halben Wassergraben leisten, denn 115000 Euro bekommt der Gewinner, 350 000 Euro beträgt das gesamte Preisgeld. Städters Käufer müssen in der Regel ohne das ganz großes Preisgeld auskommen. Sie sind aber zahlreich auf dem Turnier vertreten.

„Ich verkaufe rund 50 Wassergräben”, sagt er. Der Besuch in Aachen lohne sich. 12 Quadratmeter Verkaufsfläche kosten übrigens 3900 Euro, 16m2 5200 Euro und 25m2 7700 Euro.

Inklusive Gastronomie sind es 19 500 Quadratmeter Ausstellerzone. Das ist mehr Platz, als die Pferde auf dem Rasen des Springstadions haben. 18 125 Quadratmeter misst dieser. Jedes Jahr gibt es Stammgäste und Neulinge im Ladendorf - und eine Warteliste.

Aachen ist beliebt. Und bei gutem Wetter ist das Geschäft auch ganz gut. Es gibt Hängematten (194 Euro), Lederstiefel (80 Euro) aber auch einen Luxus-Whirlpool mit schwimmendem Champagnerkübel für Mann und Frau und ein Laufband fürs Pferd.

Norbert Huvers ist auch ohne Laufband immer auf Trab, bei Turnieren in aller Welt vertreten. Er bietet in seinem Zelt unter anderem Echthaartoupets für Pferde an. Sowohl für die Mähne als auch den Schweif. Was wie an den Haaren herbeigezogen klingt, ist ein Mittel, um bei der Dressurprüfung die Punktrichter zu beeinflussen.

„Bei der Dressur zählt der Gesamteindruck, also auch ein besonders üppiger Schweif”, erklärt Huvers, der auch Profireiter zu seinen Kunden zählt. Individuell angepasst und handgefertigt werden die Haarteile von der ehemaligen Pferdepflegerin Elly Trahe aus dem Haar gestorbener Pferde.

300 bis 500 Euro muss der Dressurreiter für dieses legale Hilfsmittel in die Hand nehmen. Ein Taschengeld verglichen mit dem wohl teuersten Artikel im Ladendorf.

Für den müssten alle Teilnehmer der wichtigsten Dressurprüfung (100.000 Euro Preisgeld) und des Nationenpreises der Springreiter (230.000 Euro) zusammenlegen und noch ein paar Geldgeber finden. Für 386.750 Euro gibt es einen Flachbildfernseher, Blue-Ray-DVD-Spieler, Satelittenanlage, Dusche, Toilette, fünf Schlafplätze für Menschen, sechs für Tiere, Parkettimitat für Zwei- und Softgummiboden für Vierbeiner - in einem Pferdetransporter.

Kostenlos geht es auf dem Turnier aber auch. Ohne Entgelt ist die Behandlung des Wespenstiches beim DRK - und natürlich die tagesaktuelle Ausgabe der Aachener Zeitung.
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