Ein Fohlen hat es ihm angetan. Es heißt Jünter.

Von: Bernd Büttgens
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Äußerlich gelassen, innerlic
Äußerlich gelassen, innerlich - das gibt der Pressechef des Aachen-Laurensberger Rennvereins, Niels Knippertz, gerne zu - fühlt er sich zum Turnierauftakt leicht lampenfiebrig. Über 800 Vertreter aller Mediengattungen wollen in diesen Tagen bestens versorgt sein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Lieber Frank Kemperman, lieber Michael Mronz, überspringen Sie bitte diesen Absatz! Er wird Ihnen nicht gefallen. Denn das Herz Ihres Pressechefs sollte von Berufs wegen für das Pferd an sich schlagen. Im Falle Ihres Herrn Knippertz schlägt es jedoch allein für ein Fohlen. Und was Sie als CHIO-Allgewaltige noch mehr erstaunen dürfte: Es heißt „Jünter” und sieht auch so aus.

Ein Maskottchen eben, von Borussia Mönchengladbach! Mannshoch mit strahlend weißem Gebiss, der Raute auf dem Herzen und mit bizarrer Frisur. Sieht aus wie Günter Netzer, daher ja auch der Name.

Niels Knippertz ist tatsächlich Fußballfan. Durch und durch, und er macht keinen Hehl daraus. Den Bildschirm seines Computers schont ein Foto aus dem Borussia-Park. Es ist eine gewaltige Komposition aus Licht und Schatten mit einer wüst wehenden Fahne, mehr ein Schlachtengemälde. Die große Inszenierung, das tiefe Gefühl. Knippertz mag solche Bilder.

Und er mag - Herr Kemperman und Herr Mronz, ab hier können Sie weiterlesen - er mag dann doch die Pferde und ihre Reiter. Vor allem dann, wenn sie auf dem CHIO in Aachen auftreten. Denn dann gehören sie zur absoluten Weltklasse und schaffen die Grundlage für eine fulminante Woche. Eine Woche voller Emotionen, voller Geschichten, mit Freud und Leid, dramatisch und erbauend zugleich. Knippertz zitiert einen Großen der Branche: „Hans-Günter Winkler sagt immer, dass der CHIO in Aachen wie eine große italienische Oper ist.”

Die Besetzung stimmt auch in dieser Woche, weil die Besten wieder am Start sind. Die Bühnen sind bereitet, der Publikumszuspruch ist mit über 350 000 Gästen in den zurückliegenden Jahren bombastisch. Ideale äußere Bedingungen, hat der legendäre ARD-Sportreporter Wilfried Luchtenberg in solchen Momenten gesagt. Tatsächlich, ideale Bedingungen, um ein solches Sportfest zu bewerben.

„Er beherrscht sein Handwerk”

Kemperman und Mronz, der Vorstandsvorsitzende des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) und der Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH, der Sportler und der Vermarkter also, setzen dabei auf den Journalisten Knippertz. „Er beherrscht sein Handwerk aus dem Effeff”, sagt Frank Kemperman. „Einer, der 200 Prozent geht - und der perfekt in unser Team passt.”

Der gelernte Redakteur Knippertz, ausgebildet bei den Kollegen der Aachener Nachrichten, ist seit 2003 Pressechef des ALRV. Zuvor hatte er ein paar Jahre über das Turnier berichtet, war für die Zeitung in Jerez bei den Weltmeisterschaften und hatte sich danach mit Michael Mronz auf einen Kaffee verabredet, um über die WM-Bewerbung Aachens für 2006 zu sprechen. „Ich hatte verschlafen, sah entsprechend aus, eilte also ins Stadion und holte den Notizblock raus”, erinnert sich Knippertz. Zu schreiben gab es aber nichts, dafür aber kam diese Frage: Ob sich der Journalist Knippertz nicht den Seitenwechsel vorstellen könnte?

Noch heute strahlen die Augen des sympathischen Mannes: „Was für eine Frage! Es war eine Mischung aus Stolz, Euphorie und Vorfreude, die mich fortan trug.” Aber: Seitenwechsel ja, Haltungswechsel nein! Das hat sich Knippertz bis zum heutigen Tage ausbedungen, so arbeitet er mit seinem siebenköpfigen Team im Pressestab und mit den Kolleginnen und Kollegen, die sich rund um die Leiterin des Pressezentrums, unsere Kollegin Helga Raue, scharen.

„Hier sitzt ein Journalist”

„Hier sitzt ein Journalist, der Geschichten erkennt und sie erzählt. Und dessen Beruf es ist, andere Journalisten für dieses wunderbare Ereignis, für diese Woche in Aachen zu begeistern”, lautet die Stellenbeschreibung, die der Pressechef des ALRV sich selbst gibt.

Knippertz ist ein Kommunikator. Geduldig, freundlich, charmant, aber klar. Botschaften, die ihm wichtig sind, werden mehrfach wiederholt. Achtung: „Wir arbeiten hier im Team!” Den modernen Großraum im Bauch der Reitertribüne zieht der Chef jeder anderen Büroform vor. „Wir brauchen die Kommunikation.” Pause. „Wir arbeiten hier ja im Team.”

Knippertz, so sagen die Kollegen, sei immer unter Dampf. Sieht viel, versteht schnell und hat stets die journalistische Umsetzung im Kopf. Als er kürzlich die Begeisterung für das Wunderpferd Totilas in Bilder übersetzen wollte, kam ihm die Idee von einer prächtigen Ritterszene. Er telefonierte mit Totilas Reiter Matthias Alexander Rath, der willigte sofort ein. Knippertz besorgte von der Burg Satzvey das üppige Kostümwerk und gab für sein stets aufwendig produziertes, hochglänzendes „CHIO-Magazin” eine opulente Fotoreportage in Auftrag. Inzwischen sind diese Bilder in vielen Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Als beste Werbung für Aachen.

Auch mit seinen Ideen gelingt es dem ALRV immer wieder, das Ereignis CHIO stets neu zu präsentieren. Weil jede Facette ihre redaktionelle Aufarbeitung erfährt. Wenn heute Abend zum Beispiel bei der „Media Night” Stars und Sternchen, Wirtschaftskapitäne und Spitzenpolitiker, die Klitschkos und Brands und Rieschs dieser Welt auftreten, steht wie selbstverständlich der Boulevard - von „Bild” bis „Gala” - auf dem Trottoir. Im vorigen Jahr hat die „Bunte” eine sechsseitige Fotostrecke von diesem Ereignis gebracht. Das Aachener Reitsportfest ist eben auch längst eine feste Größe im internationalen Society-Kalender.

Knippertz schläft schlecht und wenig in diesen Tagen und Wochen. Das liegt natürlich an der Herausforderung, die bei jedem CHIO wartet. Es liegt aber auch an seiner kleinen Tochter Anna, die seit 15 Monaten das Leben der Familie Knippertz prägt. Wenn er über die Kleine spricht, leuchten die Augen noch mehr. Mit dem Kind hat sich der Blick auf das Turnier, auf dieses Fest der vielen Möglichkeiten, noch einmal erweitert. „Wir haben ein so breites Angebot, und alles ist gleich wichtig: Wladimir Klitschko bei der Media-Night genau so wie der Ponytag am Freitag für all die jungen Familien mit ihren Kindern.”

Professionell ist auch, die akkreditierten Kollegen gleich ernst zu nehmen: die Wirtschaftsredakteurin vom nationalen Sonntagsblatt und ihre Bitte um ein Hintergrundgespräch über die wirtschaftliche Kraft des CHIO wie den Mitarbeiter vom Lokalradio, der mit einer Pferdepflegerin sprechen möchte.

Von Pflicht und Kür

„Unsere Aufgabe ist Pflicht und Kür zugleich”, sagt Knippertz. „Pflicht ist, 550 akkreditierten Kollegen aus Print, Hörfunk, Foto und Online sowie 250 TV-Kollegen ideale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Und Kür ist, uns so gut in Szene zu setzen, dass wir in all diesen Medien stattfinden.”

Die Vorarbeit für diese Präsenz leistet Knippertz das gesamte Jahr über. Den schalen Witz vom Traumjob, bei dem man eine Woche im Jahr arbeiten muss, braucht ihm niemand zu erzählen. „Die Vorbereitung muss stimmen, damit diese eine Woche perfekt funktioniert”, sagt der Pressechef. Redaktionsbesuche im ganzen Land stehen auf seinem Reiseprogramm, das nicht zuletzt durch die Presse-Auswertung des zurückliegenden CHIO bestimmt wird. „Wenn wir Nachbesserungsbedarf erkennen, handeln wir sofort.”

Knippertz weiß, dass das Aachener Turnier auch im Bereich der Pressearbeit Maßstäbe setzt. Alle Mediengattungen sind vertreten, international ist die Pressetribüne besetzt, technisch wie inhaltlich ist Aachen führend. Und doch gibt es kein „Ist-gut-so”.„Niels ist Teamplayer und Kämpfer zugleich”, sagt auch Thorsten Pracht, der Pressesprecher-Kollege der benachbarten Alemannia - „und ein guter Typ.” Dass man mit ihm Pferde stehlen kann, hat er nicht gesagt...

Frank Kemperman ist hochzufrieden. Allein, die Sache mit dem Reiter Knippertz will nicht fluppen: „Das wird nix mehr!” Fünf Reitstunden hat der Schlaks absolviert. Außer ein paar gut erzählten Anekdoten ist davon nichts übrig geblieben. Deshalb ruft aus dem Hintergrund die Kollegin Svenja Hein: „Lassen Sie sich nichts erzählen: Das Pferd, auf dem Niels seine Reitstunden hatte, war bei weitem nicht so groß, wie er es in Erinnerung hat...”
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