Die Sportchefs haben keine Lust auf Reitturniere

Von: Christoph Velten und Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
reiten28-bu
Ja, wo reiten sie denn? Ob der CHIO und andere Reitturniere auch nächstes Jahr im TV zu sehen sein werden, ist offen. Foto: Michael Jaspers

München/Aachen. Ob Reiten auch 2010 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt wird, ist vollkommen offen. Nach Informationen des „Spiegel” will die Mehrzahl der ARD-Sportchefs den am Jahresende auslaufenden Vertrag mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nicht verlängern.

Überdies hätten einige ARD-Sender intern angekündigt, Reitsport-Beiträge im kommenden Jahr stark einzuschränken.

Der Grund für diese Verstimmung ist der Zwischenbericht einer Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes, die nach vielen Dopingfällen die generelle Situation im Reitsport untersuchen sollte. Nach Befragung von 53 Reitern und 13 Funktionären kam die sogenannte Steiner-Kommission zur Erkenntnis, dass die Dopingfälle Einzelfälle seien, und der Pferdesport „nicht strukturell unredlich” sei. Experten bezweifeln diese Sicht.

ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz hatte gegenüber dieser Zeitung erklärt, die Entscheidung über eine Vertragsverlängerung mit der FN hänge auch von den Ergebnissen ab, zu der die Steiner-Kommission kommt. Dass nach der Kommissionsbefragung nun alle Kaderreiter, unter anderem auch der suspendierte Ludger Beerbaum, rehabilitiert wurden, nährt zumindest Zweifel an der grundsätzlichen Bereitschaft zum Kampf gegen Doping innerhalb der FN. Die „Süddeutsche Zeitung” bezeichnete die Steiner-Kommission gar als „PR-Aktion”.

Von den Ergebnissen der Kommission zeigten sich die ARD-Sportchefs „entrüstet bis bestürzt”, wie der „Spiegel” unter Berufung auf einen Insider schrieb: „Die Lust, Reitsport zu zeigen, ist extrem gesunken.”

Für Michael Mronz, Vermarkter des Aachener CHIO, ist der neue TV-Vertrag im Moment kein Thema. CHIO ohne Fernsehen? „Dafür gibt es keine Anzeichen, deshalb mache ich mir da auch keine Sorgen”, sagte er am Montag gegenüber dieser Zeitung. Gleichwohl ist die Präsenz auch im öffentlich-rechtlichen TV für die Vermarktung des CHIO von zentraler Bedeutung, auch wenn wegfallende Einnahmen aus dem FN-Vertrag unmittelbar nur einen kleinen Teil des CHIO-Budgets (2009: 10,3 Millionen Euro) beträfen.

Die Fernsehrechte werden von der FN im Paket mit anderen Turnieren in Deutschland für rund eine Million Euro an ARD und ZDF verkauft. Davon erhält der CHIO-Veranstalter ALRV einen Anteil. Aus der Dauer der TV-Übertragung generiert sich jedoch die Höhe der Sponsorengelder, so dass man in Aachen darauf bedacht sein wird, soviel Sendezeit wie möglich zu erhalten. Andererseits läge in der Nicht-Verlängerung des Vertrages für den CHIO vielleicht sogar eine Chance. Man könnte selbständig in Verhandlungen mit Fernsehanstalten treten. Die Hoffnung, so mehr Geld und Sendezeit aushandeln zu könnte, will beim ALRV offiziell natürlich niemand bestätigen.

Bis es soweit ist, kann es durchaus noch bis zum Jahresende dauern, eine Frist für den Abschluss eines neuen Vertrages gibt es nicht. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte am Montag, konfrontiert mit dem Bericht des „Spiegel”: „Es handelte sich bei dem Gespräch der ARD-Sportchefs um eine interne Sitzung. Dabei wurde unter anderem das Thema Reitsport besprochen. Es gab und gibt jedoch noch keinen Beschluss.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert