Aachen - Die Prophezeiung des Pierre Durand

Die Prophezeiung des Pierre Durand

Von: Roman Sobierajski
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Munddusche, erlaubt. Was ist verboten, was ist gestattet im Pferdesport - es scheinen schwer zu beantwortende Fragen zu sein. Foto: imago/Frank Sorge

Aachen. Exakt 20 Jahre ist es her, da warf der französische Olympiasieger Pierre Durand am Rande des CHIO in Aachen einen Blick in die Zukunft. „Man wird nach neuen weniger oder gar nicht erforschten Substanzen suchen, die in den gängigen Doping-Untersuchungen schwer nachweisbar sind. Und dann werden Pferde zu Versuchskaninchen.”

Spätestens seit den freimütigen Einlassungen von Ludger Beerbaum, er habe sich „im Laufe der Jahre darin eingerichtet auszuschöpfen, was geht”, und in der Vergangenheit habe er die Haltung gehabt: „Erlaubt ist, was nicht gefunden wird”, dürfte klar sein, dass Durand mit seinen Prophezeiungen nicht sonderlich weit entfernt von der Wirklichkeit gelegen hat.

20 Jahre später arbeiten die Deustche Reiterliche Vereinigung (FN), die Turnier-Veranstalter und die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) daran, den Reitsport wieder auf die Hufe zu stellen und das seit den Doping- und Medikations-Skandalen bei den Olympischen Spielen in Hongkong ramponierte Renomée wieder zu richten. „Wir brauchen Klarheit und Transparenz, etwas muss passieren, und zwar schnell”, fordert Frank Kemperman, Vorstandsvorsitzender des Aachen-Laurensberger Rennvereins.

„Wir haben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zur Jahreswende ein Konzept vorgestellt, das sehr gut gefallen hat”, sieht Ulrike Spitz, stellvertretende Geschäftsführerin der Nada in Bonn, ein Großteil der Arbeit erledigt. „Wir betreten ein komplett neues Gebiet und müssen sämtliche Details aufarbeiten, damit man nichts vergisst”, bremst dagegen Soenke Lauterbach, Generalsekretär der FN, (vor-)schnelle Erwartungen und Hoffnungen auf die Einführung eines neuen, klareren und härteren Regelwerks.

Wie immer steckt der Teufel im Detail und nicht im guten Willen. Gibt es Trainingskontrollen, wenn ja, wieviele und durch wen? Wird ein nationaler Testpool für Pferde eingerichtet, analog zu den Pools der menschlichen Spitzensportler? Müssen für die Pferde zukünftig sogar sogenannte „Whereabouts” abgegeben werden, damit der Aufenthaltsort der Pferde über Wochen im voraus bekannt ist? Und wer ist der Schuldige bei einem gedopten Pferd? Wie bisher der Reiter, oder doch der Tierarzt oder der Besitzer?

Nur ein kleiner Ausschnitt der Fragen, die geklärt werden müssen und dann in Leitlinien, Anhänge, Regelwerke, Rechtsordnungen und Strafrahmen umgesetzt zu werden, die auch den Haken findiger Anwälte standhalten. „Für unsere Juristen ist das eine sehr spannende Aufgabe”, beschreibt Nada-Vertreterin Ulrike Spitz die sportliche Ausnahme, dass auch Tiere in ein festes Netz aus Vorschriften und Strafen eingebunden werden sollen. „Das richtige Finetuning geht ohnehin erst los, wenn alles umgesetzt worden ist.”

„Nationale Regeln sind schön, aber internationale Regeln sind wichtiger”, sieht dagegen Frank Kemperman zumindest längerfristig einen anderen Schwerpunkt. Doch die Generalversammlung der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) tagt erst im November und kann das Regelwerk frühestens beschließen, wenn alle nationalen Verbände bis dahin Grünes Licht gegeben haben.

Kurzfristig hatte Kemperman gehofft, dass bis zum Turnierstart am 26. Juni die neu ins Leben gerufene Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes, die Reiter und Funktionäre befragen soll, verwertbare Ergebnisse liefert. Doch die Kommission, die die aktuelle Situation analysieren, Empfehlungen geben und Sanktionen vorschlagen soll, wie mit der Dopingproblematik im Reitsport umzugehen ist, fängt erst am 13. Juli mit den ersten Befragungen an. Dadurch werden auch die Planungen der Bundestrainer für die EM erschwert. Denn normalerweise werden nach dem wichtigsten deutschen Reitturnier die Teams der Spring- und Dressurreiter benannt. Die Titelkämpfe sind vom 25. bis 30. August in Windsor.

Manchmal kann man halt unversehens in Zeitnot kommen, wenn die Dinge 20 Jahre lang liegen bleiben.
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