Die Männer an der Fahne kennen den Weg

Von: Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
Peter Mehring und Norbert Gül
Peter Mehring und Norbert Güldenberg zeigen Flagge. Und zwar immer die desjenigen Reiters der im Springstadion gerade an der Spitze liegt - wie hier die irische Flagge für Dermott Lennon. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wenn am Donnerstagabend mit dem Nationenpreis das Länderspiel der Springreiter über die CHIO-Bühne geht, dann haben Peter Mehring und Norbert Güldenberg Spätdienst. Das gilt beim Flutlichspringen zwar für viele CHIO-Mitarbeiter, aber die beiden Herren verlassen tatsächlich als zwei der Allerletzten den Parcours im Springstadion.

Denn: „Der Letzte holt die Fahne ein.”

Peter Mehring sagt das. Zusammen mit seinem Kollegen Norbert Güldenberg sind die beiden die „Männer an der Fahne”, die im Springstadion immer die Landesflagge des jeweiligen Führenden hissen. Außerdem tun sie das bei der Siegerehrung. Und die ist am Donnerstag nunmal erst ganz am Ende.

Mehring und Güldenberg sind zwei von 27 „Pferdeschwänzen”, wie sich die ehrenamtlichen Start-, Ziel- und Hindernisrichter beim CHIO selbst nennen. Sie gibt es seit exakt 50 Jahren, Peter Mehring ist seit sieben Jahren, sein Kollege Güldenberg seit elf Jahren dabei. In dieser Zeit haben sie schon einiges erlebt an der Fahne.

Vor allem bei den Weltreiterspielen vor fünf Jahren. Da bekamen die beiden auch Unterstützung, weil gleich drei Fahnenmasten in der Soers vorgeschrieben waren. „Und es gab ein ganz genaues Ritual”, erzählt Dieter Herff, der Chef der Pferdeschwänze.

„Die Flaggen durften nicht den Boden berühren und mussten auf eine ganz bestimmte Weise zusammengefaltet werden.” Beim CHIO sei das alles etwas lockerer.

Trotzdem können sich die Pferdeschwänze und mit ihnen auch die Zuschauer in der Soers auf die Männer an der Fahne verlassen. Sie haben den Springverlauf stets im Blick. Als etwa Dermott Lennon beim Springen am Dienstag lange Zeit ohne Fehler bleibt, ruft Mehring seinem Kollegen zu: „Jetzt wirds gefährlich.”

Und zwar für den Spitzenreiter Thomas Weinberg, der vom Iren prompt von Platz 1 verdrängt wird. Also holt Güldenberg die deutsche Fahne ein, während Mehring zielsicher die irische aus dem Regal zieht. Sekunden später weht der grün-weiß-orange Stoff bereits im Wind.

„Klar, passieren auch mal Fehler”, räumt Güldenberg ein. Einst haben sie mal die niederländische Flagge verkehrt herum aufgezogen oder auch schon mal die Slowakei mit Slowenien verwechselt.

Aber das sind die Ausnahmen, denn erstens gibt es Markierungen auf den Fahnen und zweitens: „Wenn wir was falsch machen sollten, dann machen uns auch mal die Zuschauer darauf aufmerksam”, so Mehring, denn die sitzen auf der Südtribüne gar nicht so weit weg vom Wassergraben, wo der Fahnenmast steht.

Peter Mehring und Norbert Güldenberg haben Spaß an ihrem Job, denn sie werden auch im Zeitlalter von Anzeigetafeln und Videowänden noch gebraucht. „Uns haben sogar schon Reiter gefragt, wo sie lang müssen”, erzählt Güldenberg.

Und auch am Abend beim Nationenpreis werden sie gebraucht, schließlich heißt es auch irgendwann in der Nacht: „Der Letzte holt die Fahne ein”.
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