Die leidenschaftliche Seite der Flamen: Eventerin Karin Donckers

Von: pms
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Freut sich auf Aachen: Vielseitigkeitsreiterin Karin Donckers, die aus der Partnerregion Flandern stammt. Foto: Karl-Heinz Frieler

Aachen. Wer sich als Festland-Europäer auf die britische Insel wagt, um dort im südenglischen Badminton als Eventer im Schlosspark des Duke of Beaufort den CCI, den seit 1949 schwersten Kurs der Welt zu reiten, genießt in Reiterkreisen schon höchstes Ansehen. Wer sogar noch zwei Pferde ins Ziel dieser knapp sieben Kilometer langen Cross-Strecke mit ihren 30 festen Hindernissen bringt und sich mit beiden unter den ersten 15 zu platziert, gehört zur Upper Class.

Das gelang im Mai dieses Jahres der 38-jährigen belgischen Amazone Karin Donckers aus dem flämischen Minderhout (etwa 30 Kilometer von Antwerpen entfernt). Nach der Dressur führte die studierte Sport- und Biologielehrerin das Starterfeld sogar an. Im Gelände blieb sie mit ihrer 15-jährigen Schweizer Stute Gazelle de la Brasserie an und in den Hindernissen fehlerfrei, lag im Ziel nur 16 Sekunden über der Bestzeit (6,4 Punkte) und rangierte danach auf Platz 5. Drei Abwürfe im Parcours warfen sie aber auf Gesamtrang 7 zurück.

Realistisch bleiben

Dennoch: So gut war dort zuvor noch kein belgischer Eventer. Mit ihrem Zweitpferd, dem in Neuseeland gezogenen Vollblüter SS Jet, war sie im Cross kaum schlechter, im Parcours sogar fehlerfrei, hatte aber eine schlechtere Ausgangsposition nach der Dressur (17.). Unterm Strich wurde es Platz 13.

Klar, gefreut hat sich die blonde Flämin darüber. Andererseits aber bleibt sie realistisch, weiß doch kaum jemand wie sie, wie eng gerade in dieser Reitsport-Disziplin up und down beieinander liegen. Wie 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney, als sie sich mit ihrem damals erst neunjährigen irischen Wallach Gormley auf der Rennbahn überschlug und sich dabei einen Nackenwirbel brach. Selbst der belgische Nationaltrainer Marc Rigouts hatte damals die schlimmsten Befürchtungen, eine Querschnittslähmung wurde angenommen.

Aber Karin Donckers, die seit 2001 gemeinsam mit ihrem Vater Victor auf dem elterlichen Bauernhof einen Pferdebetrieb unterhält und d anstatt in der Schule Sport und Biologie die Reitschüler dort in erster Linie in „Eventing” unterrichtet, erwies sich als eisenhart im Nehmen. Psychisch wie physisch. 2002 ritt sie auf demselben Pferd bei den Weltreiterspielen im spanischen Jerez de la Frontera wieder vorne mit und wurde dort 19., nachdem sie zuvor schon den CCI im niederländischen Breda gewonnen hatte. Ein Jahr später sicherte sie sich mit dem belgischen Team im irischen Punchestown bei der Europameisterschaft Bronze.

Vier Olympische Spiele hat sie bestritten, ihre ersten 1992 in Barcelona. Daran erinnert sich die Weltranglisten-Zwölfte besonders gern. Zum einen war sie damals mit ihren 21 Jahren die jüngste Teilnehmerin in dieser Disziplin, zum anderen wurde sie bei ihrem Olympia-Debüt gleich Achte in der Einzelwertung. In Hongkong 2008 war sie auf ihrem diesjährigen Badminton-Pferd Neunte.

Mit neun Jahren begann Karin Donckers zu reiten. „Mehr so aus Spaß”, sagt sie. Ihr Vater, ein bodenständiger Landwirt, war wie damals alle Bauernsöhne, „auch ein bisschen geritten”, während ihre Mutter Lea bis heute noch nicht auf einem Pferd gesessen hat.

Karins Reiterei entwickelte sich bald über einen Hobby-Status hinaus. So ritt sie schon mit 17 Jahren - damals noch Junior - im französischen Dijon ihre erste Europameisterschaft und wurde 16. 2005 hätte es im britischen Blenheim fast für eine Einzelmedaille gereicht. Nun peilt sie die EM im September in Fontainebleau an.

Dass seit 2006 in Aachen auch Vielseitigkeit geritten wird, sieht Donckers als Glücksfall für ihre Disziplin. „Ein Traum, der tatsächlich wahr geworden ist. Aachen ist sehr wichtig für uns”, freut sich die Flämin schon auf die Tage in der Soers - zumal Flandern das CHIO-Partnerland 2009 ist - und verrät: „Die Flamen zeigen sich gerade dann von ihrer leidenschaftlichen Seite, wenn es um Pferde geht.”
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