Das Turnier und seine lange Leitung

Von: Thorsten Karbach
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Herr der Technik beim Aachen-L
Herr der Technik beim Aachen-Laurensberger Rennverein: Tobias Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der CHIO Aachen hat eine lange Leitung - oder genauer: viele lange Leitungen. Denn um das Turnier ins rechte Licht, ins TV oder wohin auch immer zu setzen, sind zig Kilometer Kabel und enormer technischer Aufwand notwendig. Allein für die TV-Übertragungen sind 30 Kilometer Kabel ausgerollt worden.

50 Kameras übertragen, 250 Mitarbeiter sind für ARD, WDR, ZDF und diverse TV-Produktionsfirmen vor Ort. Bei der Vielseitigkeitsprüfung am Samstag wird eine neuartige Towercam, ein Kamerahubsystem, erprobt.

Doch es ist so viel mehr Technik, die hinter diesem Reitturnier steckt. Tobias Deurer weiß das. Denn er ist der Techniker des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV). Bei ihm laufen nicht alle Kabel, aber doch viele Fäden zusammen. 2000 hatte Deurer als Techniker auf Abruf begonnen. Wenn es Probleme beim Turnier gab, rückte er aus. Ab 2003 - in Vorbereitung der WM 2006 - war er dann vor Ort.

Mittlerweile hat er ein Team aus acht Mitarbeitern an seiner Seite. Die Liste ihrer Aufgaben ist länger als jede CHIO-Starterliste. Sie reicht von der Akkreditierung, die Deurer selbst entwickelt hat („komplexer als bei der Fußball-WM”) über 250 Funkgeräte nur für den ALRV bis zu den Kopiergeräten.

Ticketing, Essensausgabe, Koordination von TV- und Radiofrequenzen (die immer wieder dafür sorgen, dass die Funkschlüssel der Luxuskarrossen im Parkhaus nicht mehr funktionieren) - Deurer spricht von einer „Technikoffensive”, die das Turnier erlebe. Deswegen sei er morgens meist der erste auf dem Gelände - und der letzte, der es nachts wieder verlässt.

Dieses Jahr gibt es neue Aufgaben, denen sich die Organisatoren stellen müssen. Ein Muss sind die sechs Kameras, die auf dem Gelände installiert wurden. Nach der schrecklichen Tragödie bei der Love-Parade sind die Vorschriften für Großveranstaltungen umfangreicher geworden.

„Früher hätten wir uns neben die Tribüne gestellt und geschaut, wie viel los ist. Jetzt müssen wir nachweisen, dass wir dies über die Kameras kontrollieren”, berichtet Deurer. Um die Menschen auf dem weitläufigen Gelände - immerhin 225000 Quadratmeter groß - besser steuern zu können, wurden 90 Lautsprechersets angeschafft.

„Wir müssen immer und überall am Puls der Zeit sein”, erklärt Deurer, zeigt auf 90 I-Pads, kleine Taschen-Computer, die angeschafft wurden. Für das nächste Jahr wird ein neues Ticketsystem angestrebt. Für Deurer ist irgendwie das ganze Jahr CHIO. Dabei hatte alles so klein begonnen. Mit 30 Funkgeräten und einem Miniserver im alten Richterhaus.

Nun liegt überall Technik verborgen, nicht nur in dem neuen Serverraum in der neuen Reitertribüne. Sichtbar, nein, sogar unübersehbar sind die Flutlichtmasten, sozusagen die Speerspitzen der Turniertechnik. 58 Flutlampen mit je 2000 Watt stehen hier unter Strom. Auf dem Gelände wird nach AZ-Informationen pro Tag soviel Strom verbraucht, wie 8,5 Haushalte im ganzen Jahr benötigen.

42,8 Kilometer Kabel wurden zwischen den 200 Zelten im 22 000 Quadratmeter großen Ladendorf zwischen 3500 Steckdosen gezogen. Net Aachen, der Telekommunikationspartner des gastgebenden ALRV hat 2000 Meter Telefonkabel mit 150 Telefon- und DSL-Anschlüssen, 300 Telefondosen und rund 100 Endgeräte (also Telefone) eingerichtet.

Im Pressezentrum arbeiten 600 Journalisten (also fast doppelt so viele wie Reiter) aus aller Welt mit einem ultraschnellen 100-Mbit-Netzwerk. Privatanschlüsse zählen meist nicht mehr als 18 Mbit. Thomas Schwabe, Sprecher von NetAachen, könnte stundenlang über den technischen Aufwand in der Soers reden.

„Das ist alles schon sehr beeindruckend”, sagt er selbst beim Blick auf die Zahlen. Sieben Kilometer Kupferkabel wurden in den letzten Jahren fest im Boden versenkt. Zwei weitere Kilometer wurden extra für das Turnier oberirdisch verlegt.

Weitere drei Kilometer Koaxkabel (etwa für Rundfunksignale) und mehr als sechs Kilometer Glasfaserkabel werden noch gezählt. Noch so eine lange Leitung des CHIO.
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