Das Korsett wird dem ALRV zu eng

Von: Stephan Mohneund Thorsten Karbach
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Der Platz des Eisenbahner SV a
Der Platz des Eisenbahner SV als Erweiterungsfläche für den ALRV? Kommt gar nicht in Frage, sagt der 600 Mitglieder zählende ESV, der dort noch einen Mietvertrag bis weit nach 2030 hat. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der ALRV steckt in einem Korsett. Flächenmäßig gesehen. Und dieses Korsett ist ihm nach eigenem Empfinden längst viel zu eng geworden. Man will expandieren. Ja, man müsse es sogar, sagt Turnierdirektor Frank Kemperman. Vor allem im Hinblick auf die mögliche Ausrichtung der EM 2015.

Carl Meulenbergh hat das Thema als neuer ALRV-Präsident dieser Tage schon in mehreren Interviews „angerissen”. Und zum Beispiel seitens des Oberbürgermeisters Verständnis für das Anliegen geerntet. Zwei Fragen allerdings wären zu klären. Erstens: Warum soll alles noch größer werden? Zweitens: Wo?

„Wir müssen zaubern”

Die Antwort zu erstens wird Kemperman jeden Turniertag vor Augen geführt. Wenn er seine Runde durch die Stallungen macht, dann sieht er dort die Pferdetransporter, die laut Regelwerk des Weltverbandes im Stallbereich eigentlich gar nicht stehen dürfen. „Wir müssen aber jeden Zentimeter ausnutzen”, sagt er. Hier und überall.

24 Hektar (240.000 Quadratmeter) ist das Areal groß, dass Kemperman zur Verfügung hat. Zum Vergleich: Die letzten Weltreiterspiele in Lexington/Kentucky wurden auf 400 Hektar ausgetragen. Das war zu groß. „Ohne Golfwagen ging gar nichts”, erinnert Kemperman. Aber er wäre froh um jeden Quadratmeter mehr. Kemperman spricht von neuen Trainingsmöglichkeiten. „Wir müssen immer wieder zaubern, um beispielsweise für die Schaubilder Trainingszeiten zu finden”, erklärt er. Schließlich dürften die Wettbewerber nicht gestört werden.

Ein weiteres Stadion ist laut Turnierdirektor kein Thema, mehr Fläche würde man viel lieber für weitere Parkplätze nutzen. „Jeder will direkt am Eingang parken. Der Shuttle-Service läuft zwar super, aber wir hören immer wieder den Wunsch, direkt am Gelände parken zu wollen.”

Im Hinblick auf eine EM in allen Disziplinen stellt sich die Raumfrage an anderer Stelle konkret - bei den Gespannen. Die Fahrpferde sind bislang auf der anderen Seite des Eulersweg untergebracht. „Das geht bislang gut, auch wenn sie die Straße überqueren müssen. Aber in Aachen haben Pferde zum Glück immer Vorfahrt”, sagt Kemperman. Bei einer EM würden aber weit mehr Gespanne an den Start gehen, als beim CHIO. Da sind in diesem Jahr 124 Pferde gemeldet. „Das Problem, die Gespannpferde unterzubringen, müssen wir noch lösen”, blickt Kemperman voraus. Die Zeit drängt also.

Bleibt die Frage nach dem Wo. Meulenbergh hat dieser Tage Sportflächen in der Nachbarschaft angesprochen, falls diese nicht mehr gebraucht würden. Gemeint sein wird der Eisenbahner SV am Soerser Weg. Vorsitzender Adam Thelen erteilte derlei Gedankenspielen auf Anfrage aber eine klare Absage: „Wir sind ein Verein mit 600 Mitgliedern. Natürlich brauchen wir unsere Sportflächen. Mehr ist dazu auch schon fast nicht zu sagen.”

Die Flächen gehörten zum Eisenbahnvermögen, ein Rückkaufrecht habe nur die Stadt. Der Verein habe aber einen Mietvertrag bis weit nach 2030. Zudem sagt Thelen, dass doch auch die Eisenbahner ein Teil des Sportparks Soers seien.

Wiesen stehen unter Schutz

Die Wiesen jenseits des Soerser Wegs sind indes Landschaftsschutzgebiet und fallen für Expansionspläne flach. Bleibt der Blick Richtung Krefelder Straße. Immer mal wieder wurde über eine Aufgabe der Eissporthalle spekuliert. Aktuell ist dahingehend jedoch nichts. Ungewiss ist die Zukunft des Polizeipräsidiums. Wir es saniert oder doch noch abgerissen und anderswo neu gebaut? Auch das würde Flächen freimachen, aber wohl nicht so zeitnah.

Die Politik zeigt sich gesprächsbereit. Michael Rau (Grüne) ist allerdings verwundert, „das aus der Presse erfahren zu haben”. Für ihn ist die schützenswerte Soers tabu. Zumal so etwas wohl einen massiven Protest der streitbaren Soerser Anwohner zur Folge hätte. Wenn, dann ginge es nur zur Krefelder Straße. Harald Baal (CDU) geht davon aus, dass es bald konkretere Gespräche geben wird. Erst dann könne man sagen wo was realisierbar ist. Heiner Höfken (SPD) glaubt, „dass wir trotz aller Probleme eine Lösung finden”.

Und dann wäre da noch eine „Konkurrenz” für den ALRV. Die benachbarte Alemannia braucht auch noch Flächen für Trainingsplätze - vor allem für die Jugend. Alle diese Wünsche werden nicht erfüllbar sein. Das Korsett der Soers lässt sich eben nicht beliebig aufschnüren.
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