Aus Springpferd Gembit wird „der Boss” im Gespann

Von: Wilhelm Peters
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Der zehnjährige Gembit ist der Chef im Gespann von Georg von Stein (rechts), auf dessen Aachen-Premiere auch Bundestrainer Ewald Meier (links) „gespannt” Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Zum Lebensziel des Pferdes gehört es nicht, einen mit Menschen beladenen Vierspänner hinter sich her zu ziehen und dann im Viereck oder Gelände eine möglichst fehlerfreie Leistung in der Dressur, im Hindernisfahren oder beim Marathon zu zeigen. „Das Pferd ist von Natur aus ja ein Fluchttier”, untermauert Georg von Stein diese Tatsache.

„Bei drei- oder vierjährigen zumeist Springpferden probieren wir, sie an die Gegenstände zu gewöhnen die dann an ihnen hängen”, drückt von Stein salopp aus, was er dann präzisiert: „Die Ausbildung zum Gespannpferd, das dann auch zwischen dem sechsten und siebten Lebensjahr im Spitzensport eingesetzt werden kann, geht nur über 100-prozentiges Vertrauen.”

Das ist die Grundvoraussetzung, um als fertig geschulter Vierbeiner an Turnieren mit Weltklasse-Niveau wie in Aachen teilzunehmen. Georg von Stein aus Modautal im Odenwald ist erstmals für Aachen nominiert, weil die Leistungen Bundestrainer Ewald Meier überzeugten. Wie Spring- und Dressurpferde sind auch Kutschenpferde hochspezialisiert. Nur: Letztere müssen in drei Disziplinen ausgebildet werden.

Was zum Beispiel ein zehnjähriger Gembit, von Steins Führpferd im Gespann, mitbringen muss, um auf höchsten Niveau mithalten zu können, erklärt der Bundestrainer wie am Schnürchen anhand einer schier endlosen Liste von Voraussetzungen. Einige Beispiele: „Es muss mit dem Umfeld, dem Trubel fertig werden, der bei uns immer herrscht. Es muss Temperament haben, spritzig sein und einen hohen Vorwärtsdrang besitzen - vor allem im Gelände.”

Absoluter Gehorsam, Durchlässigkeit, die Vorderpferde müssen überall hingehen, die Hinterpferde die Arbeit machen, die Kutsche mitnehmen, sie müssen beim Hindernisfahren ohne Hektik hohes Tempo und sehr gut in der Hand des Fahrers gehen, sind weitere Kriterien, die Meier nennt.

„Dabei wird der Grundstein in der Dressur gelegt”, sagt von Stein. „Die Dressur-Aufgaben haben sich in den letzten 20 Jahren enorm erschwert”, weiß Meier. Und sieht einen (finanziellen) Vorteil darin, „wenn man mit Sponsoren arbeitet, die einem Fahrer in den USA zum Beispiel fünf Pferde zur Verfügung stellen, von denen es dann zwei in die Weltspitze schaffen.” In der Dressur liege das ganze „Bewegungskapital” des Gespannpferde.

Von Stein, der auf dem heimischen Hof gut 100 Pferde besitzt, beobachtet die jungen Vierbeiner zunächst auf Eignung. „Meine Pferde sind holsteinisch durchgezogene Springpferde, die über die Gespann-Dressur dann an den Fahrsport herangeführt werden.” So auch „der Boss” in seinem Quartett: „Gembit war ein Springpferd, hatte aber nicht genug Sprungvermögen, um ganz vorne mitzuhalten.” Aus der Not wurde also ein Tugend. Und in Aachen gelingt vielleicht der ganz große Durchbruch...
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