Auch hinter den Kulissen fließt reichlich Schweiß

Von: Holger Richter
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Die Ponyquadrille „Satellite” begeistert die Zuschauer beim Soerser Sonntag. Und mittendrin statt nur dabei ist auch die 17-Jährige Aachenerin Lee Beck. Foto: Harald Krömer

Aachen. Als um 10 Uhr vor der Hauptpforte des Turniergeländes in der Aachener Soers bereits etwa 350 Menschen stehen und geduldig darauf warten, dass sich die Tore zum Soerser Sonntag öffnen, da ist Lee Beck schon seit eineinhalb Stunden fleißig. Denn sie muss einiges vorbereiten für den Publikumstag beim CHIO.

Die 17-jährige Schülerin aus Aachen ist nämlich Teil des Programms, mit dem der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) traditionell alle Reitsportfreunde von Nah und Fern einlädt, sich das CHIO-Turniergelände bei freiem Eintritt einmal anzuschauen. So auch gestern, als immerhin 23.500 Zuschauer die Einladung des ALRV annahmen.

Im vergangenen Jahr waren noch 37.500 in die Soers geströmt. „Angesichts der Hitze sind wir dennoch sehr zufrieden”, bilanziert ALRV-Pressesprecher Niels Knippertz am Abend.

Um 12 Uhr ist Treffpunkt

Morgens um zehn hingegen sind die Temperaturen noch halbwegs erträglich. Und während die ersten Zuschauer zum Dressurstadion ziehen, wo um 11.30 Uhr der Soerser Sonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst unter dem Motto „Bogen des Lebens” eröffnet wird, ist Lee bereits auf dem Weg in die Soers.

Denn um 12 Uhr ist Treffpunkt mit ihren sieben Kolleginnen, die mit ihr die Ponyquadrille „Satellite” reiten werden, und mit Renate Dahmen. Die 57-jährige Dressurreiterin ist nämlich die Trainerin dieser Truppe und beim CHIO als Choreografin auch bei der samstäglichen Show Pferd und Sinfonie sowie bei der Eröffnungsfeier am Dienstag beteiligt.

„Die Choreografie für die Quadrille steht schon lange”, erzählt die Aachenerin, die gemeinsam mit ihrem Mann einen Reitstall in Aachen-Vetschau führt. „Der ALRV wollte etwas Buntes haben.” Also hat sie für ihre Reiterinnen, die größtenteils aus ihrem Reitstall stammen, schwarz-rot-goldene Schärpen anfertigen lassen, ebenso für die Ponys gibt es Deutschland-Accessoires.

Dazu kommt der deutsche Siegertitel vom Eurovision Song Contest „Satellite” von Lena Meyer-Landruth. „Damit kündigen wir quasi die Deutschen Jugendmeisterschaften an, die im August in der Soers stattfinden”, erklärt Dahmen die Idee zu Ihrer Choreografie, die sie in einem wesentlich größeren Rahmen mit mehr Pferden und Ponys am Dienstag bei der Eröffnungsfeier wiederholen wird.

Dann wird auch Lee Beck wieder dabei sein. Doch sonderlich nervös ist sie vor solchen Auftritten nicht. „Sicher bin ich vorher etwas nervös, schließlich reitet man nicht jeden Tag vor einem so großen Publikum. Aber am Veranstaltungstag selbst wird die Nervosität durch den Stress kompensiert”, sagt sie aus Erfahrung. Denn schon bei der Eröffnungsfeier des CHIO 2006 war sie als reitender Elvis Presley mit dabei.

Und Stress, den hat sie auch beim Soerser Sonntag. Denn vor dem Auftritt geht Renate Dahmen die Choreografie mit ihren Schützlingen noch mal zu Fuß durch und kontrolliert die Reitkleidung vom Stiefel bis zum Haarreif, bevor sich zeigen wird, was das wochenlange Training gebracht hat.

„Für viele wird das eine ganz neue Erfahrung sein, vor so vielen Zuschauern zu reiten”, erzählt Renate Dahmen. „Das ist schon eine Herausforderung, das Tier bei Musik, Publikum und Unruhe im Griff zu halten.”

Eine Herausforderung, der sich Lee Beck gerne stellt. „Die Beziehung zum Tier, das gefällt mir am Besten beim Reiten”, erzählt die 17-Jährige, die seit ihrem sechsten Lebensjahr reitet. „Zum Reiten braucht man Disziplin und Selbstbeherrschung, denn man hat eine große Verantwortung gegenüber seinem Pferd.”

Einen Tennisschläger könne man nach dem Training einfach in die Ecke legen, „ein Pferd aber, das will sauber sein, also muss man es nach dem Reiten noch pflegen”. Und wenn es mal krank sei, „dann muss man auch nachts raus”.

Ein paar Minuten Verspätung

Raus auf die große Bühne beim Soerser Sonntag geht es mit ein paar Minuten Verspätung. Die offizielle Eröffnung mit Fassanstich ist zuvor etwas lang geraten. Aber dann klappt alles wie am Schnürchen - auch wenn Stadionsprecher Volker Raulf bei der Ankündigung aus Lee Beck eine Lea Beck macht und sich ein „kleiner Knoten”, wie Renate Dahmen es später ausdrückt, in die Choreografie einschleicht.

Doch diesen Knoten hat erstens außer der Trainerin niemand bemerkt und zweitens „fand ich es toll, wie die Mädchen das untereinander wieder reguliert haben”, sagt sie zufrieden.

Lee Beck ist auch zufrieden und außerdem fix und fertig. „Es war so heiß”, stöhnt sie, „mit steht das Wasser in den Stiefeln.” Und während die Zuschauer das weitere Programm beim Soerser Sonntag genießen, durch die Ladenstadt bummeln, sich die Präsentation verschiedener Handwerksbetriebe anschauen oder dem Programm auf der „Nachrichten”-Bühne im Soerser Winkel lauschen, ist Lee Beck immer noch fleißig.

Denn auch für ihr Pony Amelie war die Quadrille eine schweißtreibende Angelegenheit. Also muss es jetzt abgesattelt und geduscht werden. Doch für Lee ist klar: „Es hat Spaß gemacht.”
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