Anti-Doping-Kampf: Jedes dritte Pferd wird beim CHIO kontrolliert

Von: fö
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Des Vierbeiners Schadenfreude: „Ätsch, von Euch krieg ich nix Verbotenes Foto: imago/Zuma Press

Aachen. Der CHIO als Beschleuniger: „Der Kommission ist bewusst, dass Zeitdruck herrscht und wir schnellstmöglich zu ersten Ergebnissen kommen müssen”, sagt Soenke Lauterbach. Dabei denkt der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) natürlich an das Aachener Reitturnier.

Dort werden die ersten Springen am 29. Juni ausgetragen. Ob bis dahin die Kommission schon erste Ergebnisse verkündet hat? „Das hoffen wir”, sagt Soenke Lauterbach im Gespräch mit unserer Zeitung, „die Kommission soll so schnell wie möglich anfangen.”

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Steiner, der Jurist Heinz Faßbender (Bonn) und Erich Klug, ein vor kurzem emeritierter Professor der tierärztlichen Klinik Hannover, sollen „hoffentlich schon nächste Woche beginnen”, die Einzelgespräche mit den Reitern aus den Sparten Springen, Dressur und Vielseitigkeit zu führen. Ob Ergebnisse nach jedem „Verhör” oder am Ende gesammelt verkündet werden, „das entscheidet allein die Kommission”, sagt Lauterbach.

Wer also wird in Aachen beim CHIO (26. Juni bis 5. Juli) in den Parcours reiten? ,„Es liegt am Bundestrainer, die Mannschaft zu benennen”, sagt Lauterbach, wobei die Ergebnisse bei den nationalen Titelkämpfen vom 12. bis 14. Juni in Balve ein wichtiges Kriterium sein werden. Der neue Bundestrainer Otto Becker hat somit (noch) freie Hand, es sei denn, die Kommission senkt vor dem CHIO schon den Daumen. Ob dies geschehen wird, ist heute nicht zu sagen. Und damit sind bis auf Ludger Beerbaum, der am Donnerstag wegen seiner Äußerungen von der FN bis auf weiteres für Nationenpreise suspendiert wurde, alle Namen in Beckers Nominierungstopf.

Einen zukunftsweisenden Bericht wird es definitiv erst nach dem CHIO 2009 geben, und in diesem werden die Veranstalter großer Turniere sicherlich noch stärker ihre Argumente wiederfinden als bisher schon. Denn allgemein wird der spektakuläre Befreiungsschlag der FN vom Donnerstag als richtig eingestuft. Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH, sagt: „Die Auflösung der Kader und das Einsetzen einer unabhängigen Kommission sind ein klarer Neustart für einen sauberen und transparenten Sport.” In Aachen wollen sie alles tun, damit kein Schlupfloch groß genug ist, um zu entwischen. „Was wir als Veranstalter unternehmen können, das unternehmen wir”, sagt Frank Kemperman, Vorstandsvorsitzender des ausrichtenden Aachen Laurensberger Rennvereins (ALRV).

In Aachen werden in diesem Jahr 42 sogenannte Stewards eingesetzt, im Durchschnitt etwa einer für elf Pferde. Diesen Stewards kommt eine Aufsichts- und Kontrollfunktion zu. Sie sind dafür verantwortlich, dass der „Code of Conduct” des Weltverbandes FEI, in dem allgemeine Verhaltensregeln zum Schutz der Pferde definiert sind, eingehalten wird. Außer den üblichen Dopingproben werden in Aachen von sofort an in allen Prüfungen, die für die Weltranglisten relevant sind, von den drei erstplatzierten Pferden sowie einem zufällig ausgewählten Tier Proben genommen.

Bezogen auf alle fünf CHIO-Disziplinen wird statistisch damit jedes achte Pferd in Aachen kontrolliert. Zudem werden Thermografie-Kameras eingesetzt, mit deren Hilfe die Oberflächentemperatur der Haut der Pferde bis auf 1/100 Grad genau ermittelt wird. Damit können Hinweise auf die mögliche Verwendung unerlaubter Mittel gewonnen werden.

Das hört sich alles gut an, und geht es nach dem Willen Kempermans, wird Aachen Vorreiter bei der notwendigen Internationalisierung des Anti-Doping-Kampfes. Am Freitag hat Kemperman der FEI angeboten, „den CHIO 2009 als Pilotprojekt für alle Maßnahmen zu nutzen”.
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