Andreas Kreuzer zwischen Sturz und Sensation

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
12524305.jpg
Zurück in Aachen: Der Deutsche Meister Andreas Kreuzer reitet wieder in dem Stadion, in dem er vor drei Jahren so spektakulär stürzte. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Nach dem Sturz, der noch mehr als seine Karriere hätte beenden können, hatte Andreas Kreuzer eine Menge Zeit zum Nachdenken, und wenn Kreuzer heute darüber spricht, dann sagt er, er habe über sehr vieles nachgedacht, vor allem über Grundsätzliches.

Er hatte jetzt die Gelegenheit, sein Leben neu zu sortieren, aber für Kreuzer war es nie eine Option, dass der Reitsport darin fortan keine Rolle mehr spielen würde. Drei Wochen durfte Kreuzer auf keinem Pferd sitzen, und das sei für ihn eigentlich das Schlimmste gewesen. Kreuzer sagt: „Sonst sitze ich nie so eine lange Zeit nicht im Sattel.“

Der Große Preis als großes Ziel

Kreuzer, 25, Springreiter, ist als Deutscher Meister zum CHIO gekommen, im Juni gewann er in Balve den Titel. Er startete im Eröffnungsspringen, und im Preis von Europa. Vorne dabei war er am Ende nicht. Aber der Große Preis kommt ja noch und für Kreuzer ist der das große Ziel, die Qualifikation nennt er eine Herausforderung. Kreuzer sagt, es wäre schön wenn er am Sonntag dabei sein könnte, aber er korrigiert sich dann: „Allein schon noch mal im Hauptstadion reiten zu können, wäre toll, weil ich jedes Mal diese Atmosphäre genieße.“

Solche Sätze sagt während des CHIO beinahe jeder Reiter. Es ist wohl sogar so, dass es beinahe jeder Reiter tatsächlich so empfindet, aber für Kreuzer wäre es ein noch etwas größeres Gefühl, am Sonntag beim Großen Preis starten könnte.

Kreuzer ist nicht nur mit dem Titel als Deutscher Meister nach Aachen gereist, sondern auch mit einer besonderen Geschichte. Das letzte mal, dass er bei einem CHIO in der Stadt an den Start gegangen war, ist jetzt schon ein bisschen her, es war 2013, beim Preis von Nordrhein-Westfalen. Kreuzer beendete dieses Springen nicht, er verließ das Hauptstadion im Rettungswagen, nachdem sein Wallach Balaounito am zweiten Wassergraben am Ende einer Doppelkombination eine Stange so erwischte, dass sie ihm zwischen die Beine geriet.

Kreuzer stürzte so, dass die, die es damals sahen, das Schlimmste befürchteten. Das Pferd war nach der Landung eingeknickt, Kreuzer fiel kopfüber auf den Boden. Während Balaounito schnell wieder auf den Beinen war, blieb sein Reiter regungslos liegen. Ein Rettungswagen fuhr ins Stadion, um Kreuzer herum wurden Planen hochgezogen, als Sichtschutz. Im Stadion verging die Zeit plötzlich schleppend langsam, und als der Stadionsprecher endlich etwas sagte, da informierte er darüber, dass Kreuzer nicht lebensbedrohlich verletzt sei.

Das Risiko zu stürzen begleitet die Springreiter, genau wie es etwa die Skispringer begleitet, aber ein Unterschied zwischen beiden Sportarten liegt darin, wie ihre Protagonisten mit diesen Unfällen umgehen. Die meisten Skispringer schauen nicht hin, wenn sie die Aufzeichnung von dem Sturz eines Kollegen sehen. Im Reitsport dagegen schauen die meisten bei solchen Aufzeichnungen sehr genau hin, weil sie analysieren wollen, ob ein Fehler zum Sturz geführt hat , und falls ja, ob dieses vermeidbar gewesen wäre.

Den eigenen Sturz ansehen

Kreuzer jedenfalls kann sehr offen über den Sturz sprechen. Er hat ihn sich angesehen, er hat ihn analysiert, und er ist zu dem Schluss gekommen, dass es auch viel Pech war, dass es so gelaufen ist. Gut, sein Pferd habe sich bereits ein bisschen erschrocken, als es über den ersten Wassergraben des Parcours gegangen war. Kreuzer sagt aber auch: „Wenn ich gar keine Chance gesehen hätte, über das Hindernis zu kommen, hätte ich es nicht versucht.“ Ist aber auch egal. Er hat das abgehakt.

Kreuzer ist jetzt wieder in Aachen, beim CHIO. Und wenn er ins Hauptstadion reitet, dann denkt er nicht daran, dass es dieser Ort war, an dem er schwer gestürzt ist. Er denkt noch nicht mal an 2011, sein erstes CHIO in Aachen. Da war so gerade noch so als Letzter in die Qualifikation für den Großen Preis gerutscht. Um dann das Springen auf dem dritten Platz zu beenden. Das war eine kleine Sensation. Kreuzer sagt: „Mich hatte niemand auf der Rechnung, auch ich hatte mich nicht auf der Rechnung.“

Wenn Kreuzer wieder ins Hauptstadion reitet, dann will er eigentlich an gar nichts denken. Er sagt: „Ich genieße hier jeden Tag und jeden Ritt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert