Aachen - Als Junge hat Carl die Pferde „versaut”

Als Junge hat Carl die Pferde „versaut”

Von: Thorsten Karbachund Stephan Mohne
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„Es macht mir riesigen Spaß
„Es macht mir riesigen Spaß”: Carl Meulenbergh hat seinen ersten CHIO als ALRV-Präsident hinter sich. Die neue Position brachte auch ganz neue Erfahrungen und Sichtweisen, wie der frühere Landrat in seinem Fazit erzählt. Nur eines hat er während der Turniertage nun gar nicht mehr: Foto: Michael Jaspers

Aachen. So ganz ohne Ärger ist diese CHIO-Woche für ihn dann doch nicht abgelaufen. Zumindest familienintern. „Opa, hast Du Zeit für mich?”, fragte der neunjährige Enkel hoffnungsfroh beim Besuch in der Soers. Nein, Opa Carl hatte keine Zeit.

Denn wenn Carl Meulenbergh während dieses Turnieres eines nicht hatte, dann war es Zeit. So ist das nun einmal, wenn man Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins ist. Termin folgt auf Termin, Interview auf Interview, Nachfrage auf Nachfrage - und schon rast die Zeit davon. Es war der erste CHIO mit dem ehemaligen Landrat des ehemaligen Kreises Aachen an der Spitze. „Es macht riesigen Spaß”, lautet schließlich Meulenberghs Fazit.

Man merkt das, wenn man mit dem Mann aus Merkstein eine Runde durchs Stadion gedreht hat. Der Diplom-Agraringenieur, der am 14. September 68 Jahre alt wird, liebt die Pferde, liebt den Reitsport. Und er liebt den Umgang mit Menschen. Das war schon als Politiker so, und als Präsident ist es nicht anders.

Carl Meulenbergh schüttelt einem Ordner die Hand, bevor eine sichtlich schlechtgelaunte Meredith Michaels-Beerbaum vorbei reitet. Auch ihr reckt er die Hand entgegen: „Hallo, wie geht´s?”, fragt Meulenbergh. Merediths Miene hellt sich ein wenig auf. Sie trabt weiter, und ihr Mann Markus mit Baby Brianne auf dem Arm hinterher.

Innovation und Tradition

Meulenbergh bewegt sich spielerisch zwischen Innovation und Tradition, wenn er von der Reitertribüne durch das Ladendorf zum Dressurstadion schlendert. Er ist mehr als ein Grußonkel, er erzählt von den Ideen, die Anlage zu vergrößern. „Natürlich nicht auf Kosten anderer”, schickt er hinterher. „Vertreiben wollen wir niemanden.”

Aber er spricht auch von der Geschichte, dem Charakter des Turniers, den er erhalten will. Dann schaut er zum Himmel, sieht die Fahnen im frischen Wind flattern, erinnert sich an Sonne wie auch Regen in den vergangenen Turniertagen. „Zur Tradition gehört einfach auch der Regen”, sagt er lachend.

Traditionell ist beim ALRV der Präsident für das Wetter verantwortlich. Meulenbergh ließ seinen Verein und die 363.000 Zuschauer in dieser Woche durchaus mal im Regen stehen. Er nimmt es mit Humor, gewiss könne es besser werden. Aber er berichtet auch, dass vor zwei Jahren, da war er noch Landrat, das Championat des Kreises Aachen unterbrochen wurde.

Im letzten Jahr, er war Vize-Präsident des ALRV, der Kreis hieß nun Städteregion und Meulenberghs Nachfolger Helmut Etschenberg Städteregionsrat, wurde genau dieses Championat (nun Preis der Städteregion) abgebrochen, und die Sieger mussten in Sturm und Regen zu Fuß beglückwünscht werden. „In diesem Jahr war es ein ganz normales Springen um diesen Preis”, sagt Meulenbergh nun. Das Wetter ist eben immer eine Frage der Sichtweise.

Die Beziehung zwischen Carl Meulenbergh und dem CHIO währt seit einer Ewigkeit. Sein Vater war vor und nach dem Krieg Reiter und Richter. Wenn Meulenbergh gefragt wird, seit wann er beim CHIO unterwegs ist, dann bleibt er stehen, legt dem Gesprächspartner die Hand auf die Schulter, lächelt und sagt: „Ich bin schon immer hier gewesen. Also seit 1946. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, jemals nicht hier gewesen zu sein.” Es wurde ihm in die Wiege gelegt, dort zu sein.

Der Blick ist als Präsident natürlich ein anderer geworden. Die wachen, immer freundlich strahlenden Augen blicken über die Anlage. „Ich sage zu Helen Rombach (Meulenbergh nennt sie die Innenministerin des ALRV, Anm. d. Red.) immer wieder: Es hat sich so viel erneuert. Dann schaut sie mich an, lacht und sagt: Das haben wir schon seit Jahren. Ich nehme viele Dinge nun eben anders wahr, erlebe dies quasi täglich und muss dann über mich selber lachen.”

Hohes Lob auf das Team

Eines ist Carl Meulenbergh ganz besonders wichtig: das Team, das „hier eine großartige Arbeit macht. Alle lieben diesen Sport mit Herz und Seele”. An seiner Seite weiß er Felix Körfer, einen Arzt, der seine Praxis für den CHIO schließt. Er ist die rechte Hand des Präsidenten. Der Präsident nennt noch weitere Namen, und er würde alle loben. Wenn er die Zeit dazu hätte. Nicht einmal zum Schlafen kommt er so richtig. Was dazu führte, dass er während des Dressurnationenpreises einen kurzen Abstecher ins Reich der Träume machte.

Einiges zu tun hat Meulenbergh mit Kartenanfragen - nach dem Motto: Der müsste doch einen Berg Tickets haben. „Hatte ich aber nicht. Im nächsten Jahr muss ich mir wohl vorher einen Stapel kaufen”, lacht der frühere Landtagsabgeordnete, der auch Pferde züchtet. Nur mit dem Reiten ist es nie so richtig etwas geworden. Da waren sein Vater und die Schwester an der Spitze der Familienbewegung. „Sie haben immer gesagt: Carl, lass es, Du versaust die Pferde.”

Der Gescholtene wandte sich der Leichtathletik zu und sprang ohne Pferde über Stangen. Er brachte es zur Mittelrhein-Meisterschaft im Hochsprung. Später „durfte” er dann doch noch zehn Jahre lang in den Sattel. Im übertragenen Sinne hält er nun beim weltgrößten Reitturnier als einer der Hauptverantwortlichen die Zügel in der Hand. Und da geht es um hunderttausende Besucher, aber auch um etliche Millionen Euro (10,5 Millionen Euro war der Etat 2011).

Meulenbergh ist froh, einen Spitzenmann wie Michael Mronz als Chef der Aachener Reitturnier GmbH neben sich zu haben. Die Sponsoren sind schließlich keine Kleinkaräter. Und mit Blick auf die erhoffte EM 2015 wird noch viel Geld bewegt werden (müssen). Unter anderem soll das Dressurstadion „geschlossen werden”, also eine vierte Tribüne erhalten. Ob denn die Top-Dressurwettbewerbe dennoch wieder im Springstadion stattfinden?

Bei dieser Frage stockt Meulenbergh kurz und lächelt dann vielsagend: „Schauen wir mal.” Ein Traum, das lässt er durchblicken, wäre so etwas allemal nach dem Gänsehauterlebnis bei der WM 2006. Aber auch Verbesserungen für die Zuschauer lässt er nicht aus dem Blick. Immer kurz nach dem Turnier wird über die Kritik von Zuschauern gesprochen. Bereits morgen wird der Aufsichtsrat zusammensitzen. Dieses Jahr gab es auf den Tribünen Bügel zum Festhalten. Das war gewünscht worden. Aber nicht alles lässt sich abstellen. Die bisweilen langen Schlangen vor den Damentoiletten zum Beispiel.

Jetzt ist die Familie dran

Nun, nachgedacht hatte der langjährige Landrat und CDU-Politiker schon, ob er dem Wunsch seines Vorgängers Klaus Pavel denn nun folgen sollte und diesen „Job” annimmt. Wie die Entscheidung ausfiel, ist heute bekannt. Dass es auch Menschen gibt, die von „Pöstchenschieberei” sprechen, stört ihn nicht weiter. Ihnen sagt er: „Mit denen, die mich zum Präsidenten gewählt haben, hatte ich als Politiker und Landrat meist gar nichts zu tun.”

Rechtfertigen muss er sich aber eigentlich auch gar nicht. Denn er ist seit Ewigkeiten mit dem CHIO und dem ALRV verbandelt. „Rechtfertigen” muss er sich höchstens gegenüber seinem Enkel, für den er nun so gar keine Zeit hatte. Das wird sich jetzt schlagartig wieder ändern. Sonntag gratulierte er mit Janne-Friederike Meyer dem letzten Sieger des CHIO 2011, dem Gewinner des Großen Preises von Aachen. Schon nächsten Sonntag geht es gemeinsam mit dem Enkel auf eine mehrtägige Tour. Als „Entschädigung” quasi. Und auch darauf freuen sich der Herr Präsident Meulenbergh und Opa Carl schon riesig.

Zur Person: Viele Ämter und Funktionen

Carl Meulenbergh wurde am 14. September 1943 in Merkstein geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Landwirtschaftsgehilfen und später dieRheinische Höhere Landbauschule, die er als Diplom-Agraringenieur abschloss. Er war dann selbstständiger Landwirt.

1971 trat er der CDU bei und war in verschiedenen Funktionen tätig. Von 1990 bis 1997 war er Landtagsabgeordneter. Er schied aus dem Landtag aus, als er hauptamtlicher Landrat des damaligen Kreises Aachen wurde. Er blieb dies bis zur Kommunalwahl 2009, bei der er nicht mehr kandidierte.

Beim ALRV bekleidete Meulenbergh ebenfalls über die Jahrzehnte diverse Ämter. Unter anderem war er lange Beiratsmitglied, dann Vizepräsident. Jetzt ist er Präsident und Aufsichtsratvorsitzender.
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