Aachen - Regenschirme werden beim Soerser Samstag einfach umfunktioniert

Regenschirme werden beim Soerser Samstag einfach umfunktioniert

Von: Verena Richter
Letzte Aktualisierung:
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Regenschirme gehören zur Standardausrüstung für den CHIO. Beim Geländetag am Samstag werden sie allerdings einfach umfunktioniert und dienen nicht nur den Helfern des Technischen Hilsfwerks, sondern auch vielen Zuschauern als Sonnenschutz.

Aachen. Auf den ersten Blick wirkt das Bild, das sich Besuchern des Geländetages beim CHIO mit Vielseitigkeits- und Kutschenrennen bietet, irgendwie vertraut. Überall wo man hinschaut, sieht man bunte Regenschirme, das passt ja zu Aachen, die Stadt, in der es immer regnet.

Doch an diesem Samstag trügt der Schein, oder besser: er blendet, denn die Sonne strahlt so sehr vom Himmel, dass der Eindruck entsteht, man sei in Aix-en-Provence und nicht in Aix-la-Chapelle.

Denn die Regenschirme dienen in diesem Jahr als Sonnenschutz, und der ist bitter nötig. Schon morgens um 10 Uhr, als die Vielseitigkeitsprüfung beginnt und die ersten Pferde durch die Soerser Wiesen jagen, kratzt das Thermometer an der 30-Grad-Marke. Im Vorfeld hatte der Aachener Laurensberger Rennverein (ALRV) die Besucher gebeten, auf Sonnencreme, Kopfbedeckung und genügend Trinkpausen zu achten. Und viele haben offenbar diese Ratschläge berücksichtigt. So wie Gaby Tenius und Molly Gallhöfer. Die Freundinnen haben sich in den Schatten eines Baumes zurückgezogen und gönnen sich ein Eis.

Ja, es sei schon sehr warm, sagt Gaby Tenius, die extra aus Flensburg zum CHIO angereist ist. „Aber es geht auch ein leichter Wind, das macht es doch recht erträglich“, bemerkt die 60-Jährige. Und auch sonst haben die beiden Frauen vorgesorgt. Auch sie haben einen Schirm und viel Wasser dabei und sind entsprechend angezogen. „Man wusste ja, dass es heute sehr heiß wird“, sagt Molly Gallhöfer.

Die Kölnerin war schon oft beim CHIO, für Gaby Tenius ist es hingegen das erste Mal. „Mir gefällt es sehr gut, aber ich bin wirklich überrascht, wie groß das Turnier ist und was man alles ‚Komplex‘ nennen kann“, erklärt sie schmunzelnd. Groß und international, sagt Molly Gallhöfer, sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Besuchern: „Das ist schon toll, überall hört man andere Sprachen, Schwedisch, Englisch, Spanisch. Das gefällt mir.“ Und – da sind sich die Freundinnen einig – Sonne ist besser als Regen beim Geländetag.

Das sieht aber offenbar nicht jeder so. In den Soerser Wiesen tummeln sich mit 28 300 Zuschauern unter der sengenden Sonne sichtbar weniger Menschen als in den Vorjahren. 2012 waren es noch 42.000 gewesen, im vergangenen Jahr kamen 37.000.

Klimatisierter Rettungswagen

Regen schreckt die Aachener offenbar nicht so sehr ab. Das meint auch Ralf Marquardt. Der Pressesprecher bei den Johannitern erinnert sich, dass im vergangenen Jahr, als das Wasser in den Wiesen stand, wesentlich mehr los war.

Auf das Turnier haben sich Johanniter jedenfalls gut vorbereitet, besonders auf den Geländetag. „Das fängt schon mit der Auswahl des Materials an“, erklärt Marquardt und verweist auf den Rettungswagen, der am Rande des Turniergeländes steht. Eigentlich stehen da zwei Rettungswagen, zum Einsatz käme im Falle des Falles aber zunächst nur der, der mit der Klimaanlage ausgestattet ist. Glücklicherweise wird aber weder der eine noch der andere an diesem Tag oft gebraucht. Am Ende kommen die Johanniter auf rund 20 Einsätze, und die unterscheiden sich kaum von denen in den Vorjahren.

Vom Pflaster für die wunden Füße bis zur Versorgung nach einem Wespenstich bleibt alles relativ harmlos. Ein paar Einsätze wegen der hohen Temperaturen gibt es auch, darauf hatte man sich besonders mit Infusionen, Kühlmitteln und Getränken vorbereitet. „Davon haben wir mehr dabei als sonst“, sagt Ralf Marquardt. Auch für die 96 Frauen und Männer, die für die Johanniter auf dem Außengelände im Einsatz sind, hat man mit Sonnencreme und Kopfbedeckungen besondere Vorkehrungen getroffen. Außerdem seien die Kollegen angehalten, viel Wasser zu trinken.

T-Shirts zum Wechseln

Das ist auch die Devise von Guido Gottert und von seinem Kollegen Frank Hupperich, um gut durch den Tag zu kommen. Wenig beneidenswert stehen die beiden hinter einem glühend heißen Grill, um die hungrigen Besucher mit Würstchen zu versorgen. „Ja, es ist schon sehr warm“, sagt Guido Gottert, aber zum Glück sei es etwas windig, da sei es nicht so schlimm. Außerdem hat er T-Shirts zum Wechseln eingepackt. Aber dem 42-Jährigen macht Hitze ohnehin nicht so viel aus. „Das kenne ich“, sagt er lächelnd und erklärt, dass er Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Eschweiler ist.

So einen Vorteil haben aber natürlich nur die wenigsten der Besucher, die im Gelände unterwegs sind. Sie haben dafür ganz eigene Strategien, um einen vergnüglichen Tag in der Soers zu erleben. Manche stellen sich in der Pause zwischen dem Geländeritt der Vielseitigkeitsreiter und dem Kutschenmarathon einfach mit den Füßen ins Wasser am Rolex-Komplex, andere verbringen die Pause dösend im Schatten der Bäume.

In den Schatten einer Hecke haben sich auch Helga und Klaus Steffens zurückgezogen. Dort ließe es sich ganz gut aushalten, sagt die 45-Jährige, die noch einen ganz besonderen Trick hat, um frisch zu bleiben. In einer Sprühflasche hat sie Wasser mitgebracht, das sie sich fein vernebelt im Bedarfsfall einfach ins Gesicht sprüht – oder auf die Beine.

Damit hat sie ganz unwissentlich eine ähnliche Strategie gewählt, die auch genutzt wird, um die Pferde zu erfrischen. Nur, dass die laut Chef-Veterinär Friedrich Wilhelm Hanbücken vor großen Ventilatoren stehen, die einen feinen, kühlen Nebel aus Eis und Wasser versprühen.

Helga Steffens reicht die Sprühflasche. Sie genieße den Tag trotz der heißen Temperaturen und freut sich auf den Kutschenmarathon am Nachmittag, für den die Besucher traditionell keine Eintrittskarte brauchen und der auch in diesem Jahr wieder mehr Menschen anlockt als die Vielseitigkeit am Morgen. „Wir kommen, wenn es geht, immer – egal ob Regen oder Sonnenschein“, sagt Ehemann Klaus, der nichts dagegen hat, sich wie im südfranzösischen Aix-en-Provence zu fühlen, auch wenn er nur in Aix-la-Chapelle den Pferden beim Geländetag zuschaut.

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