Das Borussia-Duell verspricht ein Lustspiel

Von: Bernd Schneiders
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Obenauf? Marco Reus trifft heute auf seinen alten Verein und auf einen neuen Favre-Schüler: Christoph Kramer, noch unten. Foto: sport/Uwe Kraft

Mönchengladbach. Und plötzlich kommt ein scheinbar läppischer Satz daher... „Ich freue mich auf das Spiel“, bekennt Max Eberl. Und dieser emotionale Ansatz sollte der Schlüssel zu einer Bundesliga-Partie Samstagnachmittag im Borussia-Park sein, die Zuschauern wie Profis vor allem Spaß machen sollte: Mönchengladbach gegen Dortmund.

Das Herz des Sportdirektors schlägt wohl auch deshalb höher, weil seine Mannschaft bisher zwar nicht alle Spiele gewonnen, aber noch von keiner Spitzenmannschaft vorgeführt oder chancenlos beherrscht worden ist. Sowohl zum Saisonauftakt in München als auch gegen Leverkusen in der BayArena wäre ein Unentschieden oder gar ein Sieg kein Hirngespinst gewesen.

Spielfreude und Systemfußball

Nun der letzte Kandidat aus der vorauseilenden Dreierbande, Borussia Dortmund, diese geniale Mischung aus Spielfreude und Systemfußball. Und das zu Hause im Borussia-Park – dort, wo die Gladbacher anders als auswärts mit drei Siegen und spektakulären Auftritten ihr komplettes Potenzial abgerufen haben. „Wir müssen nicht nur top konzentriert sein, sondern auch 95 Minuten das Spiel lesen und antizipieren müssen“, fordert Lucien Favre. Und um einigen auf die Verständnis-Sprünge zu helfen, füllt Gladbachs Lehrmeister diese Aufgaben für seine Zöglinge mit Leben. „Wenn ein Kollege den Ball hat, muss der andere überlegen, was passiert, wenn dieser den Ball verliert.“

Die Sorge hinter dieser Beschreibung spitzt sich zu in einer meisterhaften Qualität der Dortmunder, in einem Wort: Tempo! Die ist auch bei Borussia 2013/14 höher als in der vergangenen Spielzeit. Doch das der anderen Borussia ist noch stets höher und obendrein vielseitiger verinnerlicht. „Sie laufen nach vorne, sie laufen nach hinten – sie sind immer bereit“, schwärmt der Schweizer über die Klopp-Elf, die auch das beherrscht, was auch er seiner Mannschaft vermitteln möchte: „Tief erobern, hoch erobern.“ Und sich selbst vor langen Schlägen nicht scheuen, die Robert Lewandowski verarbeiten und den Sprintern fußgerecht servieren kann.

Doch Favre ist seit der Verpflichtung von Marx Kruse und Raffael nicht mehr der „Reaktionär“ der letzten Saison. „Wir müssen auch spielen.“ Die Chance, für einen, der zuletzt beim 2:2 in Augsburg gelbgesperrt war: Granit Xhaka. Der Schweizer Mittelfeldspieler beherrscht die Spielverlagerung und den öffnenden bis schockierenden Diagonalpass wie kein anderer der Favre-Lerngruppe. Und deshalb kann die Alternative für den zweiten Mann auf der Doppel-Sechs auch gegen einen spielerisch wahrscheinlich überlegenen Gegner nicht Havard Nordtveit oder Xhaka, sondern nur Christoph Kramer oder Nordtveit lauten. In dem zu erwartenden laufintensiven Spiel wird Favre auf Gladbachs Marathon-Mann setzen, Christoph Kramer, auch wenn die Leverkusener Leihgabe manchmal „über-läuft“.

Will man den ehemaligen Gladbacher Marco Reus mit einem aktuellen vergleichen, bietet sich Kramer an – was die Entwicklungsphase angeht. Wie Reus (Ahlen) kam der Sechser von einem Zweitligisten (Bochum). Doch am attraktivsten ist natürlich das Papier-Duell zwischen Reus und Kruse. Zwei Top-Stürmer, die Mannschaften besser machen und Spiele entscheiden können. Das steht fest. Doch ein ernsthafter Vergleich hinkt – zu diesem Zeitpunkt: Reus kam nicht als sondern wurde zum Überflieger – entwickelt. Der jetzt „andere“ Borusse brauchte Anlauf, musste erst seine Position (zentral statt auf rechts) finden und von Favre geformt werden. Der Entwicklungsweltmeister hat Reus aber auch nicht fertig an seinen Kollegen Jürgen Klopp übergeben. Nach intensivem DVD-Studium stellt der Schweizer fest: „Er hat weitere Fortschritte gemacht: sogar im Zweikampf in der Luft.“

Diese ist auch nicht gerade das Element von Patrick Herrmann. Aber auch parterre hat Gladbachs Rechtsaußen derzeit Probleme: „Er spielt unglücklich“, urteilt sogar Lucien Favre, dessen Langmut sieben Spieltage vom 22-Jährigen arg strapaziert wurde. Fast schon überfällig könnte heute die Stunde von Branimir Hrgota schlagen. Der kam übrigens von Jönköpings Södra IF – einem Zweitligisten.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Kramer (Nordtveit), Xhaka - Hrgota (Herrmann), Arango - Raffael, Kruse

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