Alle Spiele und alle Tore der Bundesliga: Das wird für Fans teuer

Von: Tilmann P. Gangloff
Letzte Aktualisierung:
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Wer sich die Möglichkeit offenhalten will, jedes Spiel seiner Wahl live sehen zu können, wird neben Sky auch für 29,99 Euro pro Jahr den Eurosport Player abonnieren müssen. Foto: Bernd Thissen/dpa

München. Früher war beiliebe nicht alles besser. Ältere Fußballfans werden sich noch daran erinnern, dass die „Sportschau“ in den 70er Jahren nur Ausschnitte von wenigen Spielen gezeigt hat; bei den anderen waren gar keine Kameras zugegen.

Da konnte es schon mal passieren, dass sich Bayern gegen Gladbach wider Erwarten als Langweiler entpuppte, während anderswo zehn Tore gefallen waren. Auch die Europacupspiele wurden nur selten live übertragen. Zur begehrten Ware, für die das Fernsehen viel Geld bezahlen musste, wurde der Sport erst, als die 1984 gegründeten Privatsender anfingen, ARD und ZDF zu überbieten.

Ab 1988 musste sich die „Sportschau“ die Bundesliga mit RTL teilen, ab 1992 war die ARD ganz raus aus dem Spiel, weil sich Sat.1 die Erstverwertungsrechte gesichert hatte. Das war der Beginn eines Preispokers, in dessen Verlauf sich die Sender mit immer astronomischeren Summen überbieten wollen. Seit 1991 mischt mit Premiere (heute Sky) auch das Bezahlfernsehen mit.

Im Unterschied zu Großbritannien, wo die Spiele der Premier League tatsächlich nur im Bezahlfernsehen laufen, gab es hierzulande durch „Sportschau“, „Anpfiff“ und „ran“ stets zeitnahe Zusammenfassungen, die vielen Fans genügen. Dank Zweiter Liga, DFB-Pokal, Länderspielen und vor allem der Champions League, die von RTL zu Sat.1 und schließlich zum ZDF wanderte, immer auch im frei empfangbaren Fernsehen.

Diese rosigen Zeiten enden nun, und das gilt nicht allein für den Fußball. Die Entwicklung trifft vor allem ARD und ZDF, denen der Spitzensport seit Jahrzehnten zuverlässige Einschaltrekorde beschert. Bei den Olympischen Spielen sind sie gerade noch mal davon gekommen: Nachdem es lange so aussah, als würden die Zuschauer zum ersten Mal in der gut sechzig Jahre alten Geschichte des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens nicht mehr in der ersten Reihe sitzen, konnten sich die Sender nun doch mit dem US-Konzern Discovery auf eine Sublizenz einigen; erstes und zweites Programm werden die Sommer- und Winterspiele 2018 bis 2024 weitgehend in gewohntem Umfang übertragen.

Danach sah es lange nicht aus. Die Verhandlungen schienen schon gescheitert, weil Discovery anfangs weit mehr Geld forderte, als ARD und ZDF zu zahlen bereit waren; dem Vernehmen nach hat Discovery bei den ersten Gesprächen 150 Millionen Euro für die Übertragungsrechte der Winterspiele 2018 in Pyeongchang und der Sommerspiele 2020 in Tokio verlangt, die Schmerzgrenze von ARD und ZDF lag jedoch bei 100 Millionen.

Und doch war der Schock bloß ein Vorgeschmack auf das, was die beiden schon seit vielen Jahren unter großem Spardruck stehenden öffentlich-rechtlichen Systeme noch erwartet, denn die Preisspirale dreht sich immer weiter. Die Übertragungsrechte für die nächsten beiden Fußballweltmeisterschaften werden ARD und ZDF Schätzungen zufolge jeweils mehr als 200 Millionen Euro kosten. Der Tag wird kommen, da sich solche Summen gegenüber den Gebührenzahlern nicht mehr vertreten lassen.

Das ZDF musste diese Erfahrung vor einigen Wochen bereits mit der Champions League machen: Ab der Saison 2018/2019 liegen die Rechte für drei Jahre ausschließlich bei Sky; der Bezahlsender wird Sublizenzen an das ebenfalls kostenpflichtige Internet-Sportportal DAZN vergeben. Für das „Zweite“ ist der Verlust ein schwerer Schlag; da ist auch das von der ARD übernommene morgige Eröffnungsspiel der Fußballbundesliga nur ein kleiner Trost. Fußball ist neben dem „Tatort“ der einzige Quotengarant im deutschen Fernsehen.

Während die ARD immerhin noch Live-Spiele im DFB-Pokal anbieten kann, wird der Mainzer Sender ab Sommer 2018 weitgehend mit leeren Händen dastehen. Was bleibt, sind allein die gelegentlichen Freundschaftsspiele der Nationalmannschaft, die aber von den prominenten Kickern und daher auch von den Fans schon seit vielen Jahren bloß als lästige Pflichtübungen betrachtet werden.

Die Qualifikationsspiele für die großen Fußballturniere hat sich RTL gesichert, das zudem höchstwahrscheinlich Sport1 als Sender der Europa-League-Spiele der Saison 2018/19 überboten hat. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem ARD und ZDF auch beim Wettbieten um die Übertragungsrechte an den Welt- und Europameisterschaften den Kürzeren ziehen; so wie jetzt das ZDF bei der Champions League.

Von Anfang an haben die Mainzer die Aussage verweigert, was ihnen der wichtigste Clubwettbewerb der Welt wert ist; die Rede war stets von gut 50 Millionen Euro pro Saison. Für dieses Geld durfte das „Zweite“ sowohl während der Gruppenphase wie auch in den K.o.-Runden 18 Mittwochsspiele übertragen, in der Regel eine Partie mit deutscher Beteiligung.

Aus ZDF-Sicht war das Geld gut investiert, selbst wenn beispielsweise das rein deutsche Finale 2013 mit Bayern gegen Dortmund ein seltener Glücksfall war; das Spiel hatte gut 21,5 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 61,7 Prozent). Gerade auf die Münchener war fast immer Verlass; der Club ist mit Ausnahme dieses Jahres regelmäßig mindestens ins Halbfinale gekommen. Das Finale zwischen Real Madrid und Juventus Turin hatte mit gut 7,8 Millionen Zuschauern dennoch eine ausgezeichnete Quote.

Richtig kompliziert wird’s bei der Bundesliga. Wer sich die Möglichkeit offenhalten will, jedes Spiel seiner Wahl live sehen zu können, wird neben Sky auch für 29,99 Euro pro Jahr den Eurosport Player abonnieren müssen. Eurosport gehört zum Discovery-Konzern und profitiert von einer Auflage des Kartellamts: Die Wettbewerbshüter haben zur Bedingung gemacht, dass kein Anbieter ein Monopol auf die Live-Spiele der Bundesliga haben darf. Eurosport konnte sich so die Rechte an vierzig Partien sichern, darunter alle Freitagsspiele.

Zerfaserung der Spieltage

Außerdem setzt sich zum Verdruss vieler Fans eine Entwicklung fort, die es in England schon seit Jahren gibt: Damit die Zuschauer theoretisch möglichst viel live sehen können, hat die Zerfaserung der Spieltage aufgrund der jeweils fünf neuen Termine sonntags um 13.30 Uhr und montags um 20.15 Uhr noch weiter zugenommen. „Es nutzt nichts, wenn man puristisch argumentiert. Mir wäre es auch am allerliebsten, alle Spiele wären am Samstagnachmittag. Aber dann bekommen wir so wenig Fernsehgeld, dass wir international gar keine Chance haben“, befand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Pay-TV-Paket für Amazon-Kunden

Der Kölner Sportchef Jörg Schmadtke sieht es ähnlich pragmatisch: „Einerseits schreien die Vereine danach, dass sie mehr Geld einnehmen wollen. Also versuchen Christian Seifert und die DFL einen Wettbewerb hinzubekommen. Und am Ende beschweren wir uns, dass wir unter der Dusche nass werden.“

Sky hat jahrelang mit der Formel „Alle Spiele, alle Tore“ geworben. Daran soll sich nach Möglichkeit auch nichts ändern. Die Plattform verbreitet unter anderem den verschlüsselten Kanal Eurosport 2; über diesen Weg könnten Sky-Kunden auch die Spiele von Discovery anschauen, ohne den Eurosport-Player abonnieren zu müssen.

Die beiden Konzerne verhandeln bereits seit einem Jahr miteinander, konnte sich bislang aber noch nicht einigen. Die Übertragungen der von Eurosport erworbenen Spiele laufen über das Internet mittels des Players und bei der Satelliten-Plattform HD+. Auch Amazon-Kunden können das Pay-TV-Paket sehen.

Das kostet Fans der Fußball-Spaß

Fans, die alles sehen wollen, was die verschiedenen Sender und Portale zu bieten haben, müssen pro Monat für ein „All inclusive“-Paket zusätzlich zum Rundfunkbeitrag und eventuellen Kabelgebühren mehr als 52 Euro zahlen. Sky bietet zwei Sportpakete an. Das eine enthält 572 Spiele der Ersten und der Zweiten Bundesliga, das andere die Champions League, den DFB-Pokal sowie weitere Sportarten wie Formel 1, Tennis oder Golf. Beide zusammen gibt es aktuell für 24,99 Euro (HD-Qualität kostet zehn Euro zusätzlich).

Das nur übers Internet zu empfangende Sportportal DAZN, dem Sky einige Champions-League-Rechte abtritt, kostet 9,99 pro Monat. Allerdings wird sich Sky mit Sicherheit die Rosinen rauspicken. Der Eurosport-Player von Discovery zeigt vierzig Spiele aus der ersten Liga; der Zugang kostet 29,99 Euro pro Jahr. Wie DAZN gibt es diesen Player nur im Netz. Bei Personal Computern und Latops ist der Empfang in der Regel reibungslos, bei Tablets und via Smart-TV (Fernseher mit Internetzugang) kann es vorkommen, dass die Bilder ruckeln oder hängen bleiben.

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