Zwei doofe Tore und ein wacher Kruse

Von: Bernd Schneiders
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Zwei doofe Tore und ein wacher Kruse verschaffen Mönchengladbach einen 4:1-Sieg über Schlusslicht Werder Bremen. Foto: Marius Becker

Mönchengladbach. „Abschlussfahrt nach Mönchengladbach“, hatte die Homepage von Werder Bremen vor der Bundesligapartie bei Borussia getitelt fürs letzte Auswärtsspiel des Jahres 2014. Eine Wortwahl mit Risiko, wenn man die schlechteste Abwehr der Liga besitzt.

Die Elf von Lucien Favre übernahm nur zu gerne die leichte Korrektur und radierte das L aus: Mit 4:1 besiegten recht matte Mönchengladbacher den Tabellenletzten und robbten sich an Leverkusen vorbei auf Platz 3 vor.

Die Wunsch-Rotation von Lucien Favre wurde mal wieder von der Wirklichkeit modifiziert. Raffael zog sich im Training einen Muskelfaserriss zu, den brasilianischen Edeltechniker ersetzte der völlig anders geartete Branimir Hrgota neben Max Kruse in der Spitze. Julian Korb erhielt eine Pause, dafür übernahm Tony Jantschke seine Rechtsverteidiger-Position, Alvaro Dominguez rückte nach innen und gab auf Rechts den Platz frei für den offensivstärkeren Oscar Wendt.

Traoré wieder fit

Der bereits in Leverkusen leicht kränkelnde Ibrahima Traoré meldete sich nach seinem Infekt wieder fit und bildete mit Patrick Herrmann die Sprinter-Flügelzange. Bremens Trainer Viktor Skrip-nik brachte für den gegen Hannover so groß auftrumpfenden Melvyn Lorenzen U 19-Europameister Davie Selke in der Spitze. Und mit Cedrick Makiadi stellte der ehemalige Profi seinem grün-weißen Kindergarten überraschend einen Kindergärtner zur Seite. Skripnik hatte eine Wende eingefordert.

Nach nur fünf Punkten in den Auswärtsspielen wollte der Coach mehr Präsenz sehen: „Wenn wir auf dem Platz nur reagieren, dann wird‘s schwer.“ Werder stellte sich nicht hinten rein, aber Gladbach liebt das Konterspiel. Zu erkennen bereits nach wenigen Minuten. Der zurückgekehrte Raphael Wolf konnte nicht durchgängig seiner Rolle als Ruhepol genügen: Eine scharfe Reingabe von Traoré boxte er gefährlich in die Mitte, doch kein Gladbacher profitierte (9.).

Den Favre-Schülern stieg die Überlegenheit zu Kopf. Höhepunkt: Makiadi stand mutterseelenallein am Strafraumeck und besaß mehrere tödliche Abspieloptionen – und entschied sich für einen Sozialpass zu einem Gladbacher (21.). Zehn Minuten später kassierte stattdessen Bremen ein Tor, das auf Skripniks Doof-Hitliste ganz oben stehen wird: Traoré, leicht und schnell, sprintete in den Strafraum. Philipp Bargfrede vergaß die Charakteristika des Westafrikaners und riskierte den Bein-Kontakt – Max Kruse verwandelte den Strafstoß (32.)

Kaum zu toppen an Doofheit, sollte man glauben. Denkste! Luca Cardiola belehrte seinen Trainer eines Besseren. Einen Schuss des durchgestarteten Wendt bugsierte der Bremer Abwehrspieler per Brust zum 2:0 der Platzherren ins eigene Netz (38.). Ungeklärt blieb, wie willentlich der Lupfer des Schweden war, der zuvor erneut und stimmgewaltig von vielen Zuschauern zum Murr-Kandidaten Nr. 1 auserkoren worden war.

Man kann auch überzeugender 2:0 führen. Aber Sportdirektor Max Eberl nahm zur Halbzeit seine strapazierten Spieler in Schutz: „Man merkt, dass es das 26. Pflichtspiel ist, nicht alles ist flüssig, und auch die Aggressivität ist nicht so wie erwünscht.“ Mitleid schien mit den unglücklichen Bremern auch Schiedsrichter Robert Hartmann zu verspüren. Ein Foul an Granit Xhaka verwandelte er in einen Freistoß für Werder an Gladbachs Strafraumgrenze. Spezialist Zlatko Junuzovic zirkelte den Ball unhaltbar zum 1:2 in den Winkel (51.). Bremen witterte Morgenluft am Abend, Gladbach taumelte.

Doch Kruse weckte seine Mannschaft aus der Lethargie mit einem Distanzknaller. Den konnte Wolf parieren, aber die Zuckerflanke des Nationalspielers auf den Kopf von Christoph Kramer fand den Weg zum 3:1 ins Netz (64.). Den nach draußen fand Caldirola, der gegen Thorgan Hazard zu spät kam und Gelb-Rot sah (66.). Und so bereicherte er die Sammlung an doofen Bremer Gegentoren um eine doofe Aktion. Hazard sorgte noch für das 4:1. Bremer Abschussfahrt!

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