Wie viel Sturm wird Hecking in Florenz säen?

Von: Bernd Schneiders
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Los, mach et, Raffa! Gladbachs Trainer Dieter Hecking erhält bei der Aufholjagd in Florenz Unterstützung durch Rückkehrer Raffael. Foto: imago/siwe

Mönchengladbach. Dieter Hecking ist kein Hasardeur. Das macht das Sechzehntelfinal-Rückspiel in der Europa League in Florenz für seine Mönchengladbacher noch pikanter (21.05/Sport1). Borussia verlor vor einer Woche das Hinspiel zu Hause mit 0:1. Um weiterzukommen, muss der Bundesligist also mindestens zwei Tore schießen.

Und das ausgerechnet in einer Phase, wo Gladbachs neuer Trainer die mangelnde Zielstrebigkeit seiner Mannschaft in Tornähe beklagt. Für Trainer-Typen wie sein Vorgänger André Schubert oder Leverkusens Roger Schmidt wäre die Konstellation weniger wesensfremd: Beide legen den Schwerpunkt teils dramatisch auf die Offensive. Hecking aber bevorzugt eine disziplinierte Balance zwischen Angriffslust und Abwehrarbeit. Das macht ihn unter anderem zum geeigneten Nachfolger für Schubert, dessen Dysbalancen muss der 51-Jährige immer noch abbauen. Nun aber verlangt das 0:1, die Handbremse mehr zu lösen als in allen sieben Pflichtspielen zuvor.

Der Westfale muss also den Anti-Hecking mimen, doch dabei ein Harakiri-Anrennen gegen die abgezockten Florentiner vermeiden. „Florenz hat mich nicht so beeindruckt, dass ich glaube, wir hätten jetzt keine Chance mehr. Das Spiel ist noch nicht durch”, sagt der Coach. Auch sein Sportdirektor sieht keinen unlösbaren Widerspruch.

„Wieso sollten wir nicht auswärts ein Tor schießen? Oder zwei? In Glasgow haben wir auch bewiesen, dass wir es können”, meint Max Eberl. Mut macht die Rückkehr von Raffael, der seine Oberschenkelprobleme überwunden hat und der Abteilung Attacke neuen Esprit verleihen könnte. Der Edeltechniker ist sowohl Einfädler als auch Chancenverwerter.

Dennoch zerrt die Gemengelage ein grundsätzliches Problem nach vorn. Heckings Offensivgut, mit dem er Sturm säen könnte, ist beschränkt. Einen Strafraumspieler zum Beispiel besitzt Borussia überhaupt nicht (mehr). Trotz gegenteiliger Einschätzungen ist auch Josip Drmic kein Sechzehner-Spezialist. Symbol dieser verwaisten Planstelle im Kader wurde beim 1:2 gegen Leipzig am vergangenen Sonntag Abwehrhüne Yannik Vestergaard, der in der Schlussphase mangels Alternativen in die Sturmspitze abgeordnet wurde.

Stoßstürmer auf dem Zettel

Unter Hecking könnte ein Stoßstürmer wieder auf den Einkaufszettel von Max Eberl gelangen. In Wolfsburg nutzte er die Stärken eines Bas Dost, ohne in die Gefahr zu kommen, stereotyp nur noch die Devise lang und hoch auszugeben. Hätte Eberl Luuk de Jong im Jahr 2014 eingefroren statt erst zu Newcastle United auszuleihen und anschließend zur PSV Eindhoven abzugeben, könnte er den langen Mittelstürmer nun wieder auftauen.

Anders als Lucien Favre würde Hecking eine Verwendung für ihn finden, auch ohne das Spielsystem komplett umzukrempeln. Bis zum Sommer aber muss der ehemalige Wolfsburger Trainer ohne diese Option auskommen. Und seine „Halb-Stürmer“ besitzen durchaus die Qualität, die beklagte Ineffizienz zurückzuschrauben. Ein 2:1 hört sich nicht wirklich unrealistisch an.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer – Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt – Herrmann, Kramer, Dahoud, Hazard – Stindl, Raffael

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