Wie schlägt sich Borussia im Fußball-Freudenhaus?

Von: Bernd Schneiders
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Steht vor seiner Pflichtspiel-Premiere: Andreas Christensen. Foto: dpa

Mönchengladbach. Es ist schade, dass niemand Max Eberl gefragt hat, ob Lucien Favre den FC St. Pauli trainieren könnte. Max Eberl hätte mit vollem Herzen zugestimmt, wortgleich wie bei der Nachfrage, die zuletzt auf die Bayern gemünzt für hohe Wöglein gesorgt hatte. „Natürlich kann er die Bayern trainieren.“

Der „Nachsatz“ aus einem Gespräch mit der Rheinischen Post war recht selten zu lesen. Und für St. Pauli und das Pokalspiel der Gladbacher am Montag am Millerntor nicht verwendbar: „... er kann jeden Verein auf einem Top-Niveau trainieren.“

Sicherlich wollte Borussias Sportdirektor durch diese Einschränkung keinesfalls den Kultklub indirekt diskriminieren. Eberl weiß natürlich zu genau, dass eine der Qualitäten des Schweizer Präzisieurs ist, gerade auch mit schlechtem bis mittelprächtigem „Material“ erfolgreich zu arbeiten und Fußball zu spielen. Schließlich zählte der aktuelle Champions-League-Teilnehmer bei der Ankunft des Retters nicht gerade zu den Top-Adressen, weder im deutschen, erst recht nicht im europäischen Fußball.

Und ohne den Rausschmiss von Ewald Lienen, dem ehemaligen Gladbacher Profi und Trainer, das Wort zu reden: Auch die Mannschaft des Kiez-Klubs würde Favre peu à peu entwickeln und verbessern. Selbst wenn das Credo auf der St. Pauli-Homepage nicht unbedingt seiner Art von Fußball entspricht: „Rausgehen, Warmmachen, Weghauen“.

Ein halbes Zitat kann eben auch nur die halbe Wahrheit sein. Die ganze Wahrheit aber ist auch, dass selbst ein Trainer, der schlechte Mannschaften besser machen und sogar Teams auf Top-Niveau trainieren kann, in der ersten DFB-Pokalrunde gegen einen unterklassigen Klub ausscheiden kann. Favre und Borussia Mönchengladbach ist es vor zwei Jahren beim damaligen Drittligisten Darmstadt passiert. Und auch eine Niederlage am Montag im fußballerischen Freudenhaus der Zweiten Liga würde kaum am Renommé des Schweizer Tüftlers kratzen.

Realitätsvorsprung ?

Die gefährlichste Konstellation ist der Realitätsvorsprung der Hamburger, die kurzfristig auf Lasse Sobiech und Marcel Halstenberg verzichten müssen. Ein Vorteil, den Borussia durch personelle Überlegenheit, arroganzfreie Einstellung und natürlich die Arbeit eines Top-Trainers wettmachen kann. Das Gros des Gladbacher Teams ist durch Letzteres geprägt. Doch Spieler wie Andreas Christiansen, der wohl in der Defensivzentrale sein Pflichtspiel-Debüt geben wird, genießen diese Entwicklungskraft Favres erst seit wenigen Wochen.

So früh in der Saison ist auch das Fundament eines vermeintlich hochrangigen Gegners relativ fragil. Der frühe Vogel kann den Wurm auch früh verlieren. Oder wie der Fußballweise Lucien Favre sagt: „Am Ende zählt nur der Pokalsieg, ob man im Achtelfinale oder im Viertelfinale war, danach fragt keiner mehr.“ Das gilt auch für das Aus in Runde 1.

Mögliche Aufstellung: Sommer – Jantschke, Schulz, Christensen, Wendt – Xhaka, Dahoud – Herrmann, Traoré – Raffael, Stindl

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