Was in Gladbachs Frühlingssuppe fehlt

Von: Bernd Schneiders
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Verloren im Borussia-Park: Tobias Strobl (l.) und Nico Schulz nach dem bitteren Elfmeter-Aus. Foto: imago/Moritz Müller

Mönchengladbach. Was macht man mit so einem Spiel? Nun, für Dieter Hecking ist das relativ klar: Borussia Mönchengladbachs Trainer muss versuchen, seine Spieler nach dem unglücklichen Elfmeter-Aus im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt bis zur Bundesliga-Partie am Samstag in Mainz wieder aufzurichten. Das dürfte schwierig genug sein.

Fürs große Ganze ist Max Eberl zuständig, seines Zeichens Sportdirektor der Borussia. Der war am Dienstagabend erst einmal arg angeschlagen. Der 43-Jährige ist bei allen konzeptionellen und strategischen Fähigkeiten hoch emotional veranlagt. So hoch, dass er sich vor dem nervenaufreibenden Elfmeterschießen schützen musste. Der Manager zog sich in die Katakomben des Borussia-Parks zurück, als das Shootout begann. „Ich habe schon so viele Elfmeterschießen gesehen, die wir verloren haben.“

Gesehen hatte er dagegen sehr wohl, was in den mehr als 120 Minuten zuvor geschehen war. Und womöglich fließen diese Erfahrungen mit in die Saisonanalyse ein, die bald anstehen dürfte. Halbzeit 1: Die Leistung gegen Frankfurt vor der Pause wirft ein noch größeres Fragezeichen auf als die gegen Dortmund im letzten Bundesligaheimspiel.

Erschreckend, wie hilflos und fehlerübersät das Auftreten gegen eine Mannschaft war, die zwar wie der BVB früh attackierte und mit einer Dreier- bzw. Fünferkette in der Abwehr operierte, aber natürlich längst nicht die Geschwindigkeit und spielerische Substanz der Schwarz-Gelben besitzt. Die Fähigkeit und das Selbstbewusstsein, sich aus dieser systematisierten Bedrängnis zu befreien, ist nach dem 3:5 bei Hoffenheim verlorengegangen.

Halbzeit 2: Der Grund ist derselbe, der nach der Pause verhinderte, dass die nun stark verbesserten Gladbacher ihre erkämpfte Dominanz in einen Sieg ummünzen konnten. Wenn Stützen wie Raffael, Christoph Kramer, Thorgan Hazard und Fabian Johnson langfristig wegbrechen, ist es schwierig genug, das aufzufangen. Schier unmöglich ist dies, wenn zeitgleich der normalerweise so konstant auf hohem Niveau spielende Andreas Christensen und Mittelfeldspieler Mo Dahoud von einer Formkrise befallen sind.

Ein Tobias Strobl ist als Rückenfreihalter nur effektiv, wenn Dahoud seine strategisch-spielerische Leistung abrufen kann. Ein Lars Stindl entfaltet seine Tor- und Torvorbereitungsfähigkeiten im Zusammenspiel mit Ballstreichler Raffael oder dem gradlinigen, steilpassfordernden und abschlussorientierten Hazard.

Ein Jonas Hofmann hat sich unter Hecking wunderbar entwickelt, aber seine finale Unentschlossenheit trotz seines Tores gegen die Eintracht (noch) nicht abgelegt und würde im Normalfall nicht den Weg in die Stammelf finden. Ibrahima Traoré ist noch nicht der „alte“ nach seiner Verletzung, und Nico Elvedi hat derzeit mehr mit sich selbst zu tun, als der Mannschaft lieb sein kann.

Doch sie alle bestanden den Charaktertest, angeführt von Jannik Vestergaard und André Hahn, die ihre körperlichen Qualitäten eindrucksvoll einbrachten und den Frankfurtern auch bei einigen Scharmützeln die Stirn boten. Unerwartet positiv entwickelte sich die Einwechslung von Nico Schulz. Der Linksverteidiger, der für den Gelb-Rot-gefährdeten Oscar Wendt kam, entpuppte sich als Verstärkung.

Der Schwede hatte sich obendrein den Ellbogen gebrochen, wird womöglich operiert und kann in dieser Saison ebenso wie Josip Drmic (Knieprobleme) nicht mehr eingreifen. Um aber nach der Pause mit der antrainierten Spielweise der Kovac-Elf fertig zu werden bzw. diese sogar zu bestrafen, fehlt in dieser Zusammensetzung halt die Qualität.

Nach der Pause arbeiteten die Hessen nur noch daran, ins Elfmeterschießen zu kommen. Das Blockieren, Wegschießen, Halten des Balles haben Fabián & Co. perfektioniert. Verinnerlicht haben sie ebenso einen „moralischen“ Widerspruch: selbst kräftig austeilen, gleichzeitig aber jede noch so kleine „Feindberührung“ nutzen, um sich am Boden zu wälzen, als hätte man ihnen mindestens beide Beine gebrochen.

„Achterbahnfahrt“

„Ich werde das Wort Pech nicht in den Mund nehmen“, sagte Eberl nach dem 7:8. Er bekannte, dass das doppelte Aus (Europa League/DFB-Pokal) „ohne ein Spiel zu verlieren“, extrem bitter sei. Den Trauergesang über die zahlreichen Verletzten wollte der Manager nicht anstimmen.

Als „Macher“ muss er sich damit auseinandersetzen, wie er eine „Achterbahnfahrt“ wie in dieser Saison für die Zukunft weitestgehend ausschließen kann. Ein Manager muss selbst scheinbar bereits Optimiertes weiter zu optimieren versuchen. Etwa im Bereich der medizinischen Abteilung, besonders in der Prävention, auch wenn dort keine echten Fehler nachzuweisen sind.

Und auch der Kader darf kein Tabu sein. Qualität ist vorhanden, aber die Arbeit eines Managers ist mit der eines Kochs zu vergleichen. Oft ist es eine kleine Prise, die die Suppe zu einer Delikatesse werden lässt. Eine Kleinigkeit kann genügen, um weitere Zutaten miteinander positiv reagieren zu lassen. Die grundsätzliche Geschmacksrichtung, auf junge Spieler zu setzen, muss nicht geändert werden.

Aber individuelle Abschlussqualität, unabhängiger von der Formkurve der restlichen Mannschaft, und eine „Spitze“ mehr an strategischer Qualität könnten das Salz in der Gladbacher Frühlingssuppe werden.

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