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Vor dem Spitzenspiel: Favre gibt sich gewohnt defensiv

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Zwei, die Freitagabend beim Spiel gegen Bayern München im Scheinwerferlicht stehen: Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre (links) und Franck Ribérys direkter Gegenspieler Julian Korb.

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbachs hat’s gut: Sie haben gleich zwei Lucien Favres. Andere Klubs wären froh, wenn sie nur einen davon hätten (Vertrag bis 2015). Vor dem Rückrunden-Auftakt Freitag gegen Bayern München (20.30/live in der ARD) wird der doppelte Lucien wieder sichtbar.

Der Schweizer Trainer tritt öffentlich sehr defensiv, vorsichtig und abwägend auf – verbal. Natürlich sagt er die Sätze, die vor der Begegnung gegen einen schier übermächtigen Gegner Standard sind: „Wir haben Respekt, aber keine Angst.“ Nicht so ausgelatscht sind Prophezeiungen wie: „Es wird schwer, mehr Ballbesitz zu bekommen als Bayern. Meistens haben sie 70 Prozent.“ Was ihre Qualität angeht, schafft der Schweizer es, sie noch zu erhöhen auf 100 Prozent: „Sie können alles.“ So redet Favre vor den Mikros, recht kleinlaut und aufgehend in seiner Lieblingsrolle als Bedenkenträger.

Münchner Stärken entschlüsselt?

Doch es gibt auch den anderen Lucien Favre. Den, der weiß, was er als Trainer kann und was er seiner Mannschaft vermittelt hat. Und zu ihr spricht er ganz anders. Oft genug hat er die Stärken der Münchner erfolgreich entschlüsselt, auch wenn das im Hinspiel nicht zu einem positiven Ergebnis führte. Dazu lieferten auch bizarr-unterhaltsame Handspielentscheidungen des Schiedsrichters einen Beitrag. Freitag haben Favre und sein Team erneut die Chance, die Ersten zu sein, die die Übermannschaft von der Isar in dieser Bundesliga-Saison bezwingen. Das wird aber keinesfalls mit Schlotterknien und eingezogenem Kopf gelingen. Immerhin eine Andeutung dessen, was er Kruse & Co. als Werkzeug an die Hand (besser Füße) gibt, wagt auch der „defensive“ Favre: „Wir müssen wagen, Fußball zu spielen.“

Daraus sollte man nicht unbedingt ein Spektakel für den heutigen Abend im Borussia-Park ableiten. Auch die Offensive findet unter dem Schweizer Tüftler immer kontrolliert statt. Aber natürlich können seine Schüler genügend Selbstvertrauen aus der fast makellosen Heimbilanz zapfen. Nur die Wolfsburger blieben im letzten Spiel anno 2013 unbesiegt im Borussia-Park (1:1).

Basis eines angedachten und geplanten Erfolgs wird aber nicht per se der Sieg im Ballbesitz-Wettbewerb sein. Als Unterbau einer gewinnbringenden Konstruktion ist zum Glück für alle Außenseiter das Zweikampfverhalten geblieben – allen technischen und taktischen Finessen und Qualitäten zum Trotz. Favre weist bei den entscheidenden Momenten auf die 1:1-Situationen hin – und weiß natürlich, dass seine Davids kaum eine Chance haben, wenn sie die buchstäblich oder besser „zifferlich“ nehmen: Dem Kollegen mehr noch als in anderen Spielen zu assistieren, ihn von der Sorge zu befreien, sein Fehler könnte ein finaler sein, ist der Schlüssel zum Sturz des Goliaths aus München. Doppeln heißt das im Fußball-Jargon. Und bei der Qualität eines Franck Ribéry schwant dem Analysten, dass gegen den Franzosen – wenn er denn spielt – auch schon mal ein „tripplen“ notwendig sein wird.

Die Gladbacher Besetzung bei dieser Auffangarbeit ist eine interessante. Julian Korb hat sich auf der ehemaligen Jantschke-Position rechts in der Vierer-Kette festgespielt. Damit steht Ribéry mehr Schnelligkeit (als Jantschke), aber weniger Erfahrung und Übersicht gegenüber. Doch die kann und muss, nachdem Jantschke für seine neue Arbeitsstätte in der Innenverteidigung ausfällt, Gladbachs erfahrenster und abgebrühtester Profi einbringen: Martin Stranzl. Diese Ergänzung bzw. Symbiose steht exemplarisch für den kollektiven Auftrag der Favre-Schützlinge, speziell auch für die linke Seite, wenn Arjen Robben auf- und anlaufen sollte. So viel zum Unterbau.

Globaleres Lernziel

Für das offensive Konstrukt reicht natürlich nicht nur der Mut, den Favre mit „wagen, Fußball zu spielen“ umreißt. Hier sind technische, spielerische und läuferisch-intelligente Qualitäten gefragt. Mit denen hatte Borussia in der Hinrunde zu Hause schon mal Schwierigkeiten, wenn der Gegner etwa extremes Pressing zeigte. Doch anders als im laufenden Bundesligabetrieb hatte Fußballlehrer Favre in der Winterpause reichlich Unterrichtsstunden zur Verfügung, diese Defizite abzubauen. Doch natürlich widerspricht der Schweizer einer überwiegenden Orientierung auf die Aufgabe gegen die Bayern. Er gibt ein globaleres Lernziel vor: „Wir haben noch 16 weitere Spiele.“ Doch ein Auftakt-Erfolg gegen Ribéry & Co. kann sogar über eine komplette Saison tragen. Wie die Gladbacher wissen, seit der Spielzeit 2011/ 2012.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Korb, Stranzl, Dominguez, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Arango - Kruse, Raffael

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