Vor dem Spiel: Schubert in Geberlaune

Von: Bernd Schneiders
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Streicheleinheit: Gladbachs Trainer André Schubert setzt darauf, dass Rückkehrer Granit Xhaka zwar aggressiv bleibt, aber dabei kontrollierter vorgeht. Foto: sport/Sven Simon

Mönchengladbach. Ist das der Traum eines Bundesligatrainers? Garantierte Verletzungsfreiheit und damit kommt man mit 13 Spielern aus? Keine Qual der Wahl, keine pädagogische Aufgabe mehr, den Bank- oder Tribünenhockern zu erklären, warum sie nicht in der Startelf oder im Kader sind?

Paradiesische Zustände also auch für die Profis? Millionen verdienen mit Spielgarantie! Doch das hieße auch massive Arbeitsplatzvernichtung, mehr als die Hälfte des Personals könnten die Vereine einsparen. Theoretisch auch Borussia Mönchengladbach.

Die personelle Vielfalt ist ihr allerdings im Laufe der Spielzeit verloren gegangen. Just vor dem Spiel am Sonntag beim Hamburger SV (15.30) aber stellt sich die Mannschaft von Trainer André Schubert nicht mehr fast von selbst auf. Mittelfeldregisseur Granit Xhaka, das Herz des Gladbacher Spiels, ist nach seiner Rotsperre wieder dabei, gesetzt natürlich, und könnte ein Positionsgeschiebe mit Opfern auslösen: Schließlich hat beispielsweise Havard Nordtveit als Xhaka-Vertreter ebenso überzeugen können wie Mit-Dirigent Mo Dahoud.

Doch das Fußballschicksal erleichtert dem Borussen-Coach das Ver- bzw. Abschieben: Innenverteidiger Martin Stranzl hat im Training einen Tritt in die Wade bekommen, Nico Elvedi laboriert an einem grippalen Effekt: „Für beide sieht es nicht gut aus“, verkündet Schubert. Für Nordtveit dagegen wohl: Theoretisch könnte er in der Innenverteidigung spielen, realistischer aber wäre angesichts des überragenden Andreas Christensen und des linksfüßigen Martin Hinteregger (Alleinstellungsmerkmal!) in der zentralen Defensive die Position rechts in der Viererkette, in der Grippe-Opfer Elvedi zuletzt zu überzeugen wusste.

Nimmt man André Schubert beim Wort, könnte der Norweger allerdings sogar im Tor spielen. „Für Havard in der Verfassung, die er zuletzt gezeigt hat, wird in unserer Mannschaft immer ein Platz sein.“ Die Lizenz zum Auflaufen untermauert er mit der Beschreibung „absolut verlässlich, torgefährlich und eine Persönlichkeit auf dem Platz“. Wenn das nicht Lockmittel genug für den 25-Jährigen ist, dem Werben englischer Klubs oder von Borussia Dortmund nicht nachzugeben … Wer braucht bei auslaufendem Vertrag da noch millionenschwere Gehaltserhöhungen?!

André Schubert ist in Geberlaune. Auch bei einem „Problemkind“. Den leicht zu provozierenden Xhaka etwa hat er vor dessen Comeback vorsorglich „übers Köpfchen gestreichelt“. Doch zu sanft soll diese Liebkosung den Schweizer auch nicht machen. „Granit ist ein aggressiver Spieler, und die brauchen wir für unser Spiel. Aber deshalb darf er nicht unkontrolliert sein.“ Die Vergehen des Gladbach-Regisseurs aber sind selten übertrieben harte Fouls. Und gleich das erste Spiel des Temperamentsbündels nach seiner dreiwöchigen Sperre wird wieder zu einem Tanz auf der Rasierklinge: „Ich hoffe, dass er nicht wieder nächste Woche weg ist.“ Xhaka droht an der Waterkant die fünfte Gelbe Karte.

Dafür aber entdeckt Schubert den 12. Mann für seine Mannschaft wieder. „Die Frische kommt zurück.“ Aktuell macht er das an Ibrahima Traoré fest, der wieder gewohnt rasant über den Trainingsplatz geflitzt ist. Zuvor war das aber auch schon bei anderen zu erkennen. „Es war schon in Mainz besser. Aber gegen Bremen waren die letzten fünf Prozent wieder da, die Frische, die Leidenschaft, die nicht nur wir, sondern alle Mannschaften benötigen, um in der Bundesliga bestehen zu können.“ Xhaka zurück, die fünf Prozent zurück, Josip Drmic weg, zum HSV. Doch die üblichen Szenarien, ausgerechnet der Leih-Stürmer, der es in Gladbach sechs Monate lang nicht geschafft hat, sich einen Stammplatz zu erstürmen, könnte ein Tor gegen seinen Immer-Noch-Arbeitgeber schießen, kontert Schubert lapidar und furchtlos: „Wir müssen gut genug sein.“

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Nordtveit, Christensen, Hinteregger, Wendt - Johnson, Dahoud, Xhaka, Traoré - Stindl, Raffael

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