Mönchengladbach - Vielseitige Spieler bei Favre und Borussia gefragt

Vielseitige Spieler bei Favre und Borussia gefragt

Von: Bernd Schneiders
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Geradlinig, schnell und torgefährlich: Branimir Hrgota könnte Borussia mit seinen Offensiv-Qualitäten helfen. Foto: sport/Schwörer Pressefoto

Mönchengladbach. Nimmt man einige Krisen-Analysen ernst, dann war der Großteil der Bundesligatrainer über die Weihnachtstage damit beschäftigt, Borussia Mönchengladbachs Erfolgsgeheimnis zu dechiffrieren. Das wäre eher blamabel für die ausgebildeten Fußballlehrer.

Die Spielweise der Mannschaft von Lucien Favre war weder geheimnisvoll noch sind die in den drei Spielen der Rückrunde gezeigten Probleme aktiven Maßnahmen der Gegner geschuldet: Allein Borussia besitzt das Urheberrecht auf diese Schwierigkeiten, die in drei Niederlagen mündeten. Wenn bei einer Spielweise, die auf Ballbesitz basiert, die überraschenden Vorstöße in die Tiefe ausbleiben, stattdessen aber krasse Schnitzer in der Abwehr hinzukommen, ist die Elf vom Niederrhein ein gefundenes Fressen für jeden Gegner. Piranhas ohne Zähne sind nur noch kleine Fische. Doch Lucien Favre ist überzeugt, dass was nachwächst: „Wir müssen weiter an uns arbeiten, weiter an uns glauben: Es wird bald was kommen . . .“

Doch dass heute in Bremen extra Softfutter gereicht wird, mag Max Eberl nicht so recht glauben. Gegen verunsicherte Werderaner ein zwangsläufiger Sieg – „So vermessen kann keiner sein. Selbst wenn es Braunschweig wäre: Die Aussage wäre wahnsinnig.“ Nur die Bayern seien eine Ausnahme, ansonsten gelte für „alle die Berechtigung, jeden schlagen zu können“.

Die große Rotation ist von Lucien Favre nicht zu erwarten, auch wenn er nach dem ärgerlichen 0:1 gegen Bayer Leverkusen Konsequenzen ankündigte. Julian Korb ist nach abgesessener Gelbsperre wieder die erste Option für die Rechtsverteidiger-Position. Havard Nordtveit würde dafür wieder auf der Ersatzbank landen, wenn Favre dem häufig übereifrigen Christoph Kramer nicht mal eine schöpferische Pause verordnet. So könnte sich am ehesten in der Offensive der Wechsel vollziehen, den Gladbachs Trainer – auch verbal – seit längerem behutsam einleitet: Branimir Hrgota für, ja für wen? Außer Raffael boten sich Max Kruse, Patrick Herrmann und Juan Arango häufig genug als Rotationsopfer an. Hrgota kann alle drei Positionen spielen, am ehesten aber könnte es den Venezolaner auf der linken Seite treffen.

Eine zukunftsgerichtete Änderung? Max Eberl baut nach und nach den Kader für die neue Saison auf. Die Personalie Yann Sommer für Marc-André ter Stegen wird sicherlich erst dann offiziell, wenn Gladbachs Noch-Torwart seinen Wechsel zum FC Barcelona bekanntgibt. Die erwarteten Transfermillionen werden laut Borussias Sportdirektor „traditionell“ verwendet. „Wir investieren lieber in Ablösesummen als in hohe Gehälter.“

Das hat den Vorteil, dass sich der so sehr auf finanzielle Solidität achtende Klub etatmäßig nicht übernimmt. Etwa, wenn die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb nicht gelingt und die laufenden Gehaltskosten den Rahmen sprengten. „Notverkäufe“ will Eberl nicht. Der Nachteil dieser Politik: Beim Buhlen um Spieler wie Sidney Sam besitzt Gladbach keine realistische Chance. Schalke bot dem schnellen Stürmer ein so hohes Gehalt, das nicht mal Leverkusen, geschweige denn Borussia anbieten konnten und auch wohl nicht wollten.

Für den neuen Schweizer Torhüter muss Eberl schon in seine Schatulle greifen (gemunkelt wird von sechs bis sieben Millionen Euro). Für Peanuts wird aber auch in Gladbach nicht gespielt. Sonst würden Ibrahima Traoré (25, VfB Stuttgart) und Fabian Johnson (26, Hoffenheim) wohl kaum kommen. Beide sind ablösefrei. Zudem sorgen sie für eine gute Altersstruktur, sprechen deutsch und sind polyvalent: Traoré im linken Mittelfeld oder als Linksaußen, Johnson auf beiden Seiten sowohl offensiv wie defensiv.

Diese Vielseitigkeit sieht Lucien Favre gerne bei Spielern, aber auch im Kollektiv: „Balleroberung, Konter, intelligenter Ballbesitz, gute Verteidigung“, umschreibt er seine Philosophie. Die Torgefährlichkeit nannte er nicht explizit, die ließ er lieber vor dem Bremen-Spiel schwerpunktmäßig trainieren. Denn über allem thront: „Nur das Ergebnis zählt.“

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen – Korb, Jantschke, Stranzl, Wendt – Kramer, Xhaka – Herrmann, Hrgota (Arango) – Raffael, Kruse.

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