Staukarte

Viel Lob, viel Frust und keine Punkte: Gladbach unterliegt Wolfsburg 1:2

Von: Christian Otto
Letzte Aktualisierung:
11874789.jpg
Grüße an den ehemaligen Arbeitgeber: Wolfsburgs Max Kruse zirkelt den Ball an Nico Elvedi vorbei zum 2:0 ins Mönchengladbacher Netz. Foto: sport/foto2press

Wolfsburg. All die Lobeshymnen, die der Gast hinterher zu hören bekam, machten den Tag noch schlimmer. „Gladbach hat ein sehr gutes Positionsspiel. Die sind schwer zu verteidigen“, sagte Dante und sah ziemlich glücklich aus. Der Innenverteidiger des VfL Wolfsburg klang fast so, als habe er hinterher Mitleid mit seinem früheren Arbeitgeber verspürt.

Borussia Mönchengladbach verlor das wichtige Spiel in Wolfsburg mit 1:2 (1:2), weil der Gegner einfach mehr Effizienz zu bieten hatte. Julian Draxler (15. Minute) und Max Kruse (17.) nutzten bei ihren schönen Toren aus, dass Gladbachs Rechtsverteidiger Nico Elvedi schlichtweg überfordert war. Dass Raffael schon in der 23. Minute mit einem Kunstschuss ins kurze Ecke für Gladbach verkürzen konnte, blieb ein schwacher Trost. Denn die Wolfsburger kämpften ihren Vorsprung vor 29.224 Zuschauern über die Ziellinie.

Was auch immer er angestellt hatte: Es sah einfach wunderbar aus. Raffael verdiente sich in dem Duell zwischen zwei Mannschaften der Fußball-Bundesliga mit gehobenem Niveau eindeutig die Bestnote. Doch all die technischen und spieltaktischen Finessen des Brasilianers reichten nicht aus. Gladbach hatte sich dank Raffael über weite Strecken der Partie als jenes Team präsentiert, das besser harmonierte und agierte. Doch der frühe Rückstand ließ sich einfach nicht mehr aufholen.

„Wir haben Wolfsburg in der 2. Halbzeit beschäftigt und hatten genug Chancen“, meinte Gladbachs Trainer André Schubert. Raffael & Co. rieben sich aber immer wieder vergeblich an der hartnäckig verteidigenden Wolfsburger Hintermannschaft auf und verzettelten sich vor dem Strafraum. In der Endabrechnung war deshalb eine Menge Frust zu spüren. „Von der Champions League brauchen wir im Moment nicht zu sprechen“, befand Kapitän Granit Xhaka. Anstatt sich auf Platz 4 der Tabelle zu etablieren, ist Gladbach abgerutscht und hat mit Wolfsburg dummerweise einen hartnäckigen Verfolger wieder aufbegehren lassen.

Was Gladbach spieltaktisch zu bieten hatte, war eigentlich sehenswert. Vor allem in der Offensive blieb schwer zu durchschauen, wer an der Seite von Raffael eigentlich wann welche Rolle wahrnimmt. Und mit der Einwechslung von Patrick Herrmann, der ab der 68. Minute mitspielen durfte, war noch mehr Variabilität in das Angriffsspiel der Gäste gekommen. „Wir mussten uns richtig wehren und kämpfen. Am Ende war der Sieg etwas glücklich“, berichtete VfL-Cheftrainer Dieter Hecking. Drei Tage vor dem großen Showdown, wenn Wolfsburg im Heimspiel gegen KAA Gent in das Viertelfinale der Champions League einziehen will, war dem Vizemeister keine Chance zum Verschnaufen vergönnt. Dem Jubel der Wolfsburger Profis mit dem Schlusspfiff war eindeutig zu entnehmen: Hier freut sich ein Team voller Erleichterung, sich gegen einen starken Konkurrenten durchgesetzt zu haben.

Für die Szene des Tages, darüber waren sich hinterher alle Beteiligten einig, blieb der Verlierer zuständig. In der 70. Spielminute war ein Gladbacher Angriff rüde gestoppt worden, weil Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels erst Herrmann bei einer Parade zu Boden befördert hatte. Und in der Anschlussszene hatte dann auch noch Thorgan Hazard den am Boden liegenden Herrmann angeschossen, anstatt den Ausgleich zu erzielen. Aus der Szene ergaben sich hitzige Debatten und vielfältige Nachfragen. Elfmeter oder nicht? Oder zumindest Eckball für Gladbach, wie es Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) zunächst entscheiden wollte?

„Ich kann dazu nichts sagen“, meinte Herrmann mit Blick auf einen möglichen Elfmeter. Er habe einen Schlag an den Hinterkopf gespürt und war kurzzeitig außer Gefecht gesetzt. Dass er danach den Ball an den Rücken bekommen und damit auch ein Tor verhindert hatte, wusste er noch ganz genau. Herrmann war nach der konfusen Szene vom Unparteiischen befragt worden, ob er den Ball noch berührt habe – was der Gladbacher mit einem Ja beantwortete.

„Das Verhalten von Patrick Herrmann war Fairplay, wie man es sich wünscht“, sagte VfL-Trainer Hecking. Das Lob für die geschlagenen Gladbacher, das an diesem 24. Spieltag einfach kein Ende finden wollte, blieb ein schwacher Trost für eine ansonsten erfolglose Dienstreise.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.