Stuttgart - Verrutschter Schuss ins Mönchengladbacher Glück

Verrutschter Schuss ins Mönchengladbacher Glück

Von: bsc
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Da hüpft nicht nur das Herz: Patrick Herrmann bejubelt sein 1:0, Vorbereiter Branimir Hrgota will mitfeiern. Foto: sport/Michael Weber
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Versteckspiel nach dem Lattenknaller: Georg Niedermeier ärgert sich über seinen Fehlschuss. Foto: sport/MIS

Stuttgart. Lucien Favre gilt als detailversessen. Aber es gibt Momente, wo er auf Kleinigkeiten gut verzichten könnte, speziell wenn sie so nervenaufreibend wie beim 1:0-Sieg in Stuttgart sind. „Im Fußball entscheiden oftmals Details über Sieg und Niederlage. In dieser Situation hatten wir das Glück auf unserer Seite“, räsonierte Borussia Mönchengladbachs Trainer.

Der Schweizer sprach über die Szene in der Nachspielzeit, als VfB-Abwehrspieler Georg Niedermeier den Ball freistehend aus drei Metern unter die Latte donnerte.

„Da ist mir das Herz ganz tief in die Hose gerutscht“, bekannte Patrick Herrmann. Nur wenige Zentimeter tiefer – und Borussias Edelsprinter wäre nicht der Matchwinner gewesen. Bei seinem goldenen Treffer war ihm auch etwas verrutscht, allerdings nicht das Herz, das allenfalls nachher kräftig gehüpft sein wird. Der bald 24-Jährige hatte einen Bilderbuch-Konter über Granit Xhaka und Branimir Hrgota wunderbar abgeschlossen. Allerdings anders als geplant, wie er treuherzig zugab. „Ich hatte etwas Glück, dass er reingegangen ist, denn eigentlich hatte ich die lange Ecke anvisiert.“ Stattdessen aber landete der für Herrmann ungewöhnlich wuchtige Schuss recht zentral über Stuttgarts Keeper Sven Ulreich im Netz (71.).

Diese zwei Glücksmomente hätten die Mönchengladbacher eigentlich gar nicht nötig gehabt, denn ins Spiel gingen sie im Stile einer Mannschaft, die zu Recht um die Champions-League-Plätze mitspielt. Spielkontrolle, flüssige Kombinationen, Torchancen (Martin Stranzl, Fabian Johnson, Branimir Hrgota) – allein der absolute Wille, den Ball mit jeder Faser des Körpers und der Seele über die gegnerische Torlinie zu bringen, fehlte. Nicht zum ersten Mal. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn Max Eberl weiterhin nach einem torgefährlichen Stürmer mit Tiefgang sucht.

Die Teilnahme an der Königsklasse würde diese Aufgabe erleichtern. Die Chancen stehen nach diesem Rückrundenstart, der seine Mannschaft auf Rang 3 der Bundesliga-Tabelle hievte, nicht schlecht, was auch der Manager zugibt. „Bayern und Wolfsburg sind eine Klasse für sich. Dahinter sind drei, vier Teams, die es in die Champions League schaffen können. Wir sind dabei.“

Befohlener Druckabfall

Die Chancen würden sich extrem erhöhen, wenn die Favre-Schüler ihren eindrucksvollen Beitrag der ersten halben Stunde auf die restliche Zeit ausdehnen könnten. Den Druck- und Konzentrationsabfall erklärte der Fußballlehrer mit einer geänderten Spielanweisung. „Nach der Pause wollten wir defensiv disziplinierter agieren und in keinen Konter mehr laufen“, erklärte Favre. Unverständlich eigentlich gegen eine Mannschaft wie den VfB, dem man die Tabellensituation überdeutlich anmerken konnte. „Der Platz war extrem tief. Da konnte man nicht 90 Minuten Vollgas-Fußball spielen“, entschuldigte Abwehrchef Martin Stranzl die Kehrtwende in Sachen Spielkontrolle. „Wir haben deswegen das Tempo ein wenig gedrosselt und geduldig auf unsere Chance gewartet.“ Den tödlichen Konter also, den Herrmann zum 1:0 abschloss.

Eine nette Beschreibung, die vor allem dem Wissen um den Endstand entspringt. Denn hätten die eher harmlosen Stuttgarter ihre späten Torchancen genutzt, wäre die unterstellte Geduld als punktereduzierende Passivität definiert worden. „Der Sieg war verdient, aber wir hätten verlieren können“, unterstrich Lucien Favre gewohnt eindringlich die Stärke des Gegners, die sich allerdings überwiegend aus den Nachlässigkeiten der Gladbacher speiste.

Seine mahnenden Worte waren aber bereits in der Halbzeit auf fruchtbaren Boden gefallen. Hitzkopf Xhaka hatte nach einem bösen Foul an Christoph Kramer ein Gerangel initiiert und dafür Gelb gesehen. Nur knapp überstand der Sechser kurz danach ein Foul. „Der Trainer hat mir gesagt, entweder ich nehme Dich raus oder Du beherrscht Dich“, erzählte Xhaka. „Ich habe mich entschieden, dass ich mich beherrschen muss.“ Ein erfolgreicher Entschluss, der seine Position bei den derzeit laufenden Verhandlungen um eine vorzeitige Vertragsverlängerung und -aufbesserung stärken wird.

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