Traoré befeuert Mönchengladbachs Traum

Von: Stefan Herrmanns
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Ibrahima Traoré holt den Zirkel raus: Der Einwechselspieler erzielt sein erstes Ligator für Borussia Mönchengladbach. Foto: dpa

Berlin. Uwe Kamps bleckte seine Zähne und ballte kurz die Faust. Mehr Jubel gönnte sich der Torwarttrainer von Borussia Mönchengladbach nicht, als er im Berliner Olympiastadion das Feld verließ. Zu triumphalen Gesten bestand kein Anlass, obwohl die Gladbacher bei Hertha BSC einen Sieg mit großer Wirkung erkämpft hatten.

Wie schon vor einer Woche gegen den VfL Wolfsburg entschieden sie das Spiel durch ein spätes Tor. Diesmal war es der eingewechselte Ibrahima Traoré, der mit dem Ball von der rechten Seite nach innen zog und in Arjen-Robben-Manier mit links ins lange Eck traf. „Wir wollten unbedingt gewinnen“, sagte Borussias Trainer Lucien Favre, der ausgerechnet an seinem alten Arbeitsplatz seinen 100. Sieg in der Bundesliga feierte. „Ein Unentschieden wäre nicht schlecht gewesen, aber es ist zu wenig.“

Von hinten drängelt Bayer Leverkusen, durch den Erfolg in Berlin aber hielten sich die Gladbacher ihren ärgsten Konkurrenten um Platz drei vom Hals. Dass die Leverkusener tags zuvor die Bayern bezwungen und damit vorgelegt hatten, „das hat uns nicht beeinträchtigt“, sagte Max Kruse. Es lag eher an den Berlinern und ihrer sehr speziellen Art des Fußballs, dass Borussia schwer ins Spiel fand. „Hertha hat sehr gut verteidigt, war sehr kompakt“, sagte Favre. „Es war schwer für uns, die Lücke zu finden.“

Plötzlicher Energieschub

Nach trägem Beginn erlebten die 56.881 Zuschauer, darunter rund 8000 Anhänger der Gladbacher, nach zehn Minuten einen plötzlichen Energieschub. Zunächst vereitelte das Schiedsrichtergespann eine gute Gelegenheit der Gladbacher, als es Kruse fälschlicherweise im Abseits wähnte. Doch den Gladbachern blieb gar keine Zeit, mit dieser Entscheidung zu hadern. Noch in derselben Minute vertändelte Per Skjelbred im Mittelfeld den Ball, Borussia schaltete schnell um, der frühere Berliner Raffael bediente Kruse, und diesmal zählte der Treffer.

Für den Nationalspieler war es das zweite Tor aus dem Spiel heraus innerhalb einer Woche, nachdem er zuvor ein halbes Jahr gar nicht getroffen hatte. „Ich bin bereit dafür, dass wir die Champions-League-Qualifikation schaffen und direkt in die Gruppenphase einziehen“, sagte er. Ob er dann noch dabei ist, ist eine andere Frage – eine, die Kruse auch am Sonntagabend bewusst offen hielt. Unterschrieben habe er noch nirgends, und wenn es etwas zu verkünden gebe, werde er das tun. „Es war zuletzt ein bisschen viel, was über meine Person zu lesen war“, sagte Kruse. Auch deshalb werde er sich in Kürze mit seinen Vertrauenspersonen zusammensetzen und entscheiden, was für ihn das Beste sei.

Den offensichtlichen Vorteil, den Kruse seiner Mannschaft mit dem Tor zum 1:0 verschafft hatte, gaben die Gladbacher nur zwei Minuten später schon wieder aus der Hand. Rechtsverteidiger Julian Korb störte Genki Haraguchi nur halbherzig. Der Japaner flankte von der linken Seite, Salomon Kalou köpfte den Ball an die Unterkante der Latte, doch noch ehe Roel Brouwers reagierte, war Valentin Stocker zur Stelle und beförderte den Ball per Kopf zum Ausgleich über die Linie.

Nach dem Ausgleich war es mit der Aufregung erst einmal wieder vorüber. Borussia mühte sich, sammelte Ballbesitz ohne Ende (72 Prozent), kam aber nur punktuell zu Chancen. Erst Mitte der zweiten Hälfte wurden die Gäste dominanter. „Wir haben mal wieder bewiesen, dass wir geduldig sind und an uns glauben“, sagte Granit Xhaka, der vor der Pause, frei vor Herthas Torhüter Thomas Kraft, noch die beste Chance vergeben hatte. Borussia spielte zum Ende klarer nach vorne, fand mehr Raum, weil Hertha die Abstände zwischen den eigenen Reihen nicht mehr so klein halten konnte.

Offensichtlich hatte das stete Hinterherlaufen viel Kraft gekostet. „Am Ende sind wir immer weiter hintenreingerutscht“, sagte Thomas Kraft. „Dann wird es schwer, gegen eine Mannschaft wie Gladbach zu verteidigen.“ Gegen eine Mannschaft, die gerade mit aller Macht darum kämpft, ihren großen Traum zu verwirklichen.

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