Torjäger Raffael und sein verbaler Ausrutscher

Von: fö
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Eigentlich kein Lautsprecher... Raffael (links) feiert mit Patrick Herrmann und Oscar Wendt dessen Tor zum 2:0. Foto: sport/MIS

Aachen. Da wird sich Raffael schön was anhören müssen nach dem freien Wochenende. Zitiert wird der Brasilianer in Diensten von Borussia bei einer Presseagentur mit den Worten: „Das können neun Punkte sein.“ Da hat der bereits sechsfache Torschütze tatsächlich gegen einen der Grundsätze verstoßen, die die Mönchengladbacher Kicker verinnerlicht haben.

Und der lautet: „Wir schauen nur von Spiel zu Spiel.“ Doch anders als Borussias Trainer Lucien Favre darf man ruhig einmal wie Raffael den Blick voraus wagen auf die vier letzten Spiele des Jahres. Gegen Freiburg und Schalke, in Mainz und gegen Wolfsburg, da könnte die Favresche Diktion vom „wir sind momentan sehr zufrieden“ durchaus eine Steigerung erfahren. Nicht allein wegen der Siegesserie (vier Erfolge am Stück gab es zuletzt in der Supersaison 2011/12), vielmehr wegen des Auftretens.

Der 2:0-Erfolg in Stuttgart wird in der noch ziemlich verwaisten Schublade mit der Aufschrift „Siege dank Cleverness“ abgelegt. Es war kein Spektakel wie oft bei Heimspielen, es war der Lohn für eine überlegene, abgezockte Leistung, die VfB-Trainer Thomas Schneider so analysierte: „Gladbach war einfach die reifere Mannschaft, hat das clever gemacht.“

25 Punkte nach 13 Spielen, „das ist schon was“. Lucien Favre wird beim Blick auf die Tabelle zudem feststellen, dass der Tabellensiebte Mainz schon sechs Zähler Rückstand aufweist. Dennoch bleiben sie demütig rund um den Borussia-Park, anders als zum Beispiel der Hamburger SV, der trotz Platz elf und nur vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz am Saisonziel Europa festhält.

Offiziell bleiben die Borussen in der Defensive, und auch vor der Partie am Sonntag gegen den SC Freiburg wird niemand die Selbstverständlichkeit des siebten Heimsieges im siebten Heimspiel herbeireden. Es wird von den restlichen vier Partien 2013 vielleicht die unangenehmste Aufgabe – weil die Erwartungen so hoch sind.

„Noch im Aufbau“

Dabei darf die Brust der Borussen-Spieler schon schön breit sein, auch wenn Favre immer wieder einen seiner Lieblingssätze anbringt: „Wir sind noch im Aufbau.“ Der aber ist schon fortgeschritten, die Mannschaft hat in den letzten Wochen eine gute Balance gefunden zwischen Tempo und Spektakel, Ruhe und Solidität. Eine wichtige Rolle spielen dabei die „Sechser“ Christoph Kramer und Granit Xhaka, die zuletzt richtig gut ihre Jobs erledigt haben. Sie legen mit den immer besser verteidigenden Offensivkräften den Grundstein, dass Tony Jantschke und Kollegen nur selten in die Bredouille geraten.

„Großes Kompliment, die beiden haben einfach super gespielt“, sagt der Innenverteidiger. Sein Partner Martin Stranzl, bekannt als kritischer Geist, bilanzierte nach dem Sieg zufrieden: „Wir hatten eine gute Kontrolle und waren sehr clever. Das hat mir gefallen.“ So bleibt als einziger Schönheitsfehler die Offensivleistung Raffaels. Seine verbale Offensivleistung.

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