Thorgan Hazard: „Favre ist der perfekte Trainer für mich“

Von: Bernd Schneiders
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Der Sprint zum krönenden 4:1 gegen St. Pauli: Gladbachs Sturm-Talent Thorgan Hazard vereinigt Schnelligkeit mit Torgefährlichkeit. Foto: sport/Claus Bergmann

Mönchengladbach. Sein Vater Thierry hat in der zweiten und dritten belgischen Liga gespielt, seine Mutter Carine in der ersten belgischen Frauenliga, Bruder Ethan (11) trainiert beim Zweitligisten AFC Tubize, Kylian (19) beim SV Zulte Waregem in der Ersten Liga und der Älteste Eden (24) ist Stürmerstar beim FC Chelsea: Viel mehr Fußball geht nicht.

Kein Wunder, dass auch Thorgan Hazard (22) ein exzellenter Stürmer ist, der Borussia Mönchengladbach acht Millionen Euro wert war und von dem sein Klub nicht nur am Samstag in Dortmund noch einiges erwartet.

Es ist nach 13 Uhr: Haben Sie mehr als zwei Stunden trainiert?

Hazard: Nein, ich musste noch behandelt werden – muskuläre Probleme.

Haben Sie bei Ihrem 4:1 auf St. Pauli zu kräftig abgezogen?

Hazard: Nein, es ist auch nichts Schlimmes, der Schmerz aus dem rechten Oberschenkel ist auch schon raus.

Aber das Tor war sehr spektakulär. Viele hätten versucht, den Ball flach links am Torwart vorbeizuschieben. Sie haben ihn in den Winkel des kurzen Ecks gejagt. Ist das typisch für Thorgan Hazard?

Hazard: Ich habe mir angewöhnt, wenn der Torwart vor mir steht, immer sehr hart zu schießen. Manchmal ist das gut, manchmal nicht.

Hat Ihr Bruder Ihnen schon gratuliert?

Hazard: Ja, Eden hat gleich die Nachricht „Super-Tor“ geschickt.

Vor Ihrer Behandlung waren Sie auch noch im Kino...

Hazard: Im Kino? Wieso das?

Es gab einen Favre-Film: die Videoanalyse der Dortmunder.

Hazard: Ja, stimmt, die taktische Analyse.

Mit französischen Untertiteln?

Hazard: Nein, das ist nicht nötig. Alle Begriffe, die was mit Fußball zu tun haben, verstehe ich schon sehr gut.

Und wie sieht‘s ansonsten mit ihren Deutschkenntnissen aus? Haben Sie Privatunterricht?

Hazard: Nein, meine Familie hat mir ein Buch zum Deutsch lernen geschenkt. Dadurch wird es stets besser.

Wann geben Sie Ihr erstes Interview auf Deutsch statt Französisch?

Hazard: Am Ende der Saison.

Französisch ist auch die Muttersprache Ihres Trainer Lucien Favre. Ist das ein Vorteil?

Hazard: Ja, auf jeden Fall. Speziell wenn man zu einem neuen Klub kommt und noch nichts kennt, ist es unglaublich hilfreich.

Mönchengladbach hat Sie inzwischen vom FC Chelsea gekauft. Hat sich dadurch irgendetwas bei Ihnen verändert? Spielt es sich anders als echter Borusse?

Hazard: Ja, vor allem im Kopf. Jetzt kann ich mich zu 100 Prozent auf Borussia konzentrieren, das sorgt für größere mentale Stabilität.

Viele Neuzugänge sind 19 oder jünger. Da zählen Sie mit Ihren 22 Jahren bereits zu den Großvätern im Team.

Hazard: Nicht Großvater, eher großer Bruder.

Hat sich durch diese erneute Verjüngung die Atmosphäre im Kader geändert? Ist es lauter geworden?

Hazard: Nein, keinesfalls. Speziell Andreas Christensen und Marvin Schulz sind zwei ganz ruhige Vertreter, sowohl auf dem Platz als auch in der Kabine. So jung sie auch sind, die machen einen Super-Job.

Sie wurden eingewechselt im Pokal und haben spektakulär den Sack zugemacht. Wie gefährlich ist das, wenn man so gut als Einwechselspieler funktioniert?

Hazard: Jeder Spieler möchte am liebsten 90 Minuten spielen. Aber auch Ibrahima Traoré hat ein Super-Spiel gezeigt. Und dann ist da noch Patrick Herrmann. Wir leben von dieser Konkurrenz. Ich hatte zudem in der Vorbereitung zwei Wochen aussetzen müssen. Deshalb hat sich der Trainer so entschieden, weil ich zwar wieder fit bin, mir aber womöglich der Rhythmus noch etwas fehlt.

Wenn Sie wählen könnten: 90 Minuten durchspielen oder reinkommen und ein Tor schießen? Wozu würden Sie sich entscheiden?

Hazard: Ich bin froh, dass das der Trainer für mich erledigt.

Sie stammen aus einer echten Fußballer-Familie. Gibt es noch ein anderes Thema, wenn Sie zu Hause sind?

Hazard: Ja, zum Glück reden wir dann viel mehr über ganz andere Dinge.

Ihr Vater hat Edin als den mit mehr Talent und Sie als den Sohn mit mehr Fleiß beschrieben. Stimmt das?

Hazard: Auf jeden Fall. Ich bin sehr ehrgeizig und will jeden Tag etwas lernen.

Ist Lucien Favre wirklich ein so guter „Spielerverbesserer“?

Hazard: Absolut. Deshalb ist er auch für mich der perfekte Trainer.

Haben Sie Ihren Traum, einmal in der Premier League zu spielen, abgelegt?

Hazard: Nein, aber viel wichtiger ist, dass ich einmal mit Eden in einer Mannschaft spielen möchte.

Da bleibt ja nur die Premier League oder die Primera División übrig?

Hazard: Warum sollte Eden nicht irgendwann nach Deutschland, am besten zu Borussia Mönchengladbach wechseln? Das wäre ein Traum.

Wohnen Sie in Mönchengladbach?

Hazard: Nein, in der Nähe von Venlo. Marie, meine Freundin, mit der ich seit sieben Jahren zusammen bin, kommt dort besser zurecht, weil Sie Flämisch spricht.

Hat sie dort einen Job bekommen?

Hazard: Wir haben eine 18-monatige Tochter, damit ist sie vollauf beschäftigt.

Wird sie mal eine gute Fußballerin wie Ihre Mutter?

Hazard: Elayna kickt schon gegen den Ball. Aber noch lieber hört sie Musik und tanzt. Deshalb wäre es mir lieber, wenn sie einmal Tänzerin wird.

Wie schwierig ist es, diese Saison so erfolgreich zu bestreiten wie die vergangene?

Hazard: Extrem schwierig. Da lief es wirklich super für uns, das kann man nicht einfach mal so wiederholen.

Womit wären Sie zufrieden?

Hazard: Mit einem Platz unter den ersten sechs – damit wir wieder europäisch spielen.

Und die Champions League?

Hazard: Das wäre ein erneuter Traum. Wer einmal die Hymne gehört hat, will das nicht mehr missen. Das setzt unglaubliche Kräfte frei.

Wie auch die Aussicht, dieses Jahr sich bald mit dem FC Barcelona oder Real Madrid zu messen?

Hazard: Na klar, aber für mich wäre es der größte Traum, gegen Chelsea und meinen Bruder Eden zu spielen.

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