Stürmen für eine „unvergessliche Nacht“

Von: Bernd Schneiders
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Beflügelt durch seinen Vertrag mit Borussia? Thorgan Hazard ist nicht nur am Donnerstagabend ein Hoffnungsträger. Foto: sport/Sven Simon

Mönchengladbach. Solche Sätze sind gemacht für Musik-Titel. „A night to remember“ aber soll ein Erfolgsschlager für Borussia Mönchengladbach werden, wie „Songwriter“ Max Eberl vorgibt. „Es soll eine Nacht werden, die wir nie mehr vergessen“, fordert der Sportdirektor für das Rendezvous mit dem FC Sevilla.

Rückspiel im Borussia-Park nach dem unglücklichen 0:1 eine Woche zuvor in Andalusien – diesmal will das Team von Lucien Favre nicht nur innerlich überzeugen, sondern auch vom Ergebnis her.

Einen ähnlich enttäuschenden Vortrag wie am Sonntag in Hamburg steht nicht zu befürchten, nimmt man Martin Stranzl ernst. „Die Mannschaft ist heiß auf das Spiel“, erklärt Borussias Spielführer. „Wenn nicht jetzt, wann dann?!“ Also mit der Schärfe, die in einem K.o.-Spiel, wie es das 16tel-Finale der Europa League nun mal ist, zwingend ist. Die ist für ein Team, das den Erfolgsweg über Kombinationsspiel und intelligentem Verteidigen – Vermeidung von unnötigen Fouls inklusive – sucht, besonders wichtig, aber auch schwierig. Eine entfesselte Borussia wird es auch am Donnerstag nicht geben, allenfalls nach einem Weiterkommen. Deshalb ist auch der Traditionsbegriff „Fohlen“ so falsch für die Favre-Herde. Sie wird niemals ungestüm, verspielt, unkontrolliert galoppieren. Die Dressur durch den Schweizer Fachmanns zielt immer auf bewusste Bewegung ab. Das gilt grundsätzlich für Partien ohne K.o.-Modus.

Aber auch im Bewusstsein, gewinnen zu müssen, obendrein auch noch mit zwei Toren Unterschied, werden seine Spieler nicht wild anrennen. Und so sagt Lucien Favre Sätze, wie er sie zu sagen pflegt, auch diesmal vor einem so geschichtsträchtigen Abend – und mit noch mehr Inbrunst: „Wir müssen intelligent nach vorne spielen, mit Tempo, aber Geduld. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir 90 Minuten Zeit haben, um erst einmal ein Tor zu erzielen.“

Und weil es ein so besonderes Spiel ist, macht er aus seiner Aufstellung noch mehr ein Geheimnis als sonst üblich. Favre will „dem Gegner keine Informationen liefern“. Und so weiß Sevillas Trainer Unai Emery nicht, ob sein Kollege den Schwung nutzen wird, den Thorgan Hazard sein Vertrag bis 2020 verliehen haben wird. Der 21-Jährige ist mehr als ein Versprechen, was auch die Rückkauf-Option für 25 Millionen Euro ab 2018, die Chelsea angeblich ausgehandelt hat, belegt. Hazard könnte einer dieser intelligenten Angreifer sein, die Favre für unabdingbar für seinen „gefesselten“ Sturm benötigt. Sicherlich auch ein Raffael – in Normalform. Doch der Brasilianer hechelt dieser seit der Aufrüstung der Gladbacher mit Speed-Spielern und der sich daraus ergebenden Verlagerung auf die Flügel hinterher. Erst im finalen Sektor der Angriffe involviert zu sein, behagt dem Edeltechniker nicht.

Intelligente Spieler ohne intellligentes Publikum aber ist zu wenig. Wenn Eberl von einem „Geduldsspiel“ spricht, setzt er darauf, dass das vorschnell zum lauten Nörgeln neigende Tribünenpublikum vom pädagogischen Unterstützen der Nordkurve gelernt hat. Anfeuern, wenn es klemmt, Mut machen, wenn die Knie zu schlottern beginnen, aufrichten, wenn es einen Rückschlag gibt: Nur so kann es eine unvergessliche Nacht werden – im positiven Sinne.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Korb, Jantschke, Stranzl, Dominguez - Kramer, Xhaka - Herrmann, Hazard - Raffael, Hrgota

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