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Starke Neuzugänge: Die neuen Qualitäten der Gladbacher Borussia

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Zwei neue Borussen, die auch heute in der Startelf stehen dürften: Ibrahima Traoré (links) und André Hahn. Foto: sport/Horstmüller

Aachen/Mönchengladbach. Wenn Vergleiche gemeinhin hinken, dieser galoppiert: Bereits vor zwei Jahren stand Borussia Mönchengladbach auf der europäischen Bühne. Zwar misslang gegen Dynamo Kiew die Qualifikation für die Champions League, aber die Favre-Elf überstand die Gruppenphase der Europa League.

Anno 2014 muss sich Borussia gegen FK Sarajevo erst einmal für diese Runde qualifizieren (Hinspiel am Donnerstag um 20.45 Uhr auf Kabel1). Aber es hat sich viel getan in der Zwischenzeit. Damals hatte man mit Marco Reus und Dante – der Verlust von Roman Neustädter wog weniger schwer - zwei Pfeiler einer intakten Mannschaft verloren.

Die angestrebte offensive „Wiedergutmachung“ in Person von Luuk de Jong missriet aus unterschiedlichsten Gründen, zu denen auch die Einstellung des Trainers gehörte, auch wenn Max Eberl weiterhin betont: „Ich bereue den Transfer nicht. Ich würde es noch einmal so machen. Luuk besitzt eine große Qualität.“ Unterschwellig und sehr früh auch öffentlich mäkelte Lucien Favre seinerzeit an der Zusammenstellung der Offensive herum: „Unsere Stürmer sind sich zu ähnlich.“

Was er besonders vermisste, war die Schnelligkeit, die er durch Reus verloren hatte. Nun aber dürfte es selbst dem hyperkritischen Schweizer schwer fallen, den Kader tiefstapelnd, vorsorgend und grundlegend in Frage zu stellen. Sein Sportdirektor pflanzte dem Borussen-Boliden mit André Hahn, Ibrahima Traoré, Fabian Johnson und Thorgan Hazard einen Super-Chip ein. Und der bringt gerade für die Aufgabe am Donnerstag in Sarajevo nicht nur ein Plus an Tempo. „Es gibt für mich nichts Schöneres, als vor einer hitzigen Kulisse zu spielen“, erklärt André Hahn. „Fast das ganze Stadion wird gegen uns sein, aber wir haben eine gute Mannschaft, die sich zu wehren weiß.“

Das hört sich an, wie aus dem Wörterbuch des Bilderbuch-Profis. Doch der ehemalige Augsburger redet nicht nur über Körperlichkeit im Fußballspiel, er praktiziert sie. Der gelernte Autolackierer bereitete genau durch diese Bissigkeit im Zweikampf bereits ein Tor durch Branimir Hrgota im Pokal beim FC Homburg vor.

Und auch sein Mit-Neuling Traoré hat den Grell trotz dünner Beinchen und nur gut 60 Kilogramm Gewicht gewinn- und ballbringend verinnerlicht. Eberls Forderung, seine Spieler müssten sich am Donnerstag „darauf einstellen, dass der Gegner kratzen und beißen wird“, fällt bei den Neu-Borussen auf fruchtbaren Boden. Mit Hahn für Patrick Herrmann und Traoré für Juan Arango könnte Lucien Favre zudem wesentlich aktiver spielen, viel forscher und früher attackieren lassen – wenn er das will und sich traut.

Kader ist besser und breiter

Das bietet sich nicht unbedingt als Premiere am Donnerstag in Bosnien und Herzegownia an. Eher schon in den Heimspielen, die die Gladbacher in der vergangenen Saison zu häufig zu zögerlich und zu wenig den Gegner beeindruckend begannen.

Der Kader ist also besser und breiter als noch vor zwei Jahren. Das bewies der 3:1-Sieg in der ersten Pokalrunde in Homburg: Herrmann, Hazard, Alvaro Dominguez, Johnson, Mahmoud Dahoud und Marvin Schulz auf der Bank. und daheim: Max Kruse, der nach einer OP noch nicht fit ist, Christoph Kramer mit Trainingsrückstand, und Filip Daems und Roel Brouwers, für die diesmal kein Platz im Kader war.

Für den größten Unterschied aber steht Mister X., ein schneller, durchschlagskräftiger Stoßstürmer, den Max Eberl noch nicht geholt hat. Nicht nur dank Branimir Hrgota kann es sich der Sportdirektor leisten, sich nicht mit weniger zufriedenzugeben und lieber bis zum Winter zu warten, um Favre mit einem Mann zu beglücken, den er so noch nicht im Kader hat.

Qualität ist gefragt. Und anders als etwa Wolfsburg mit Skandalnudel Nicklas Bendtner nicht einen Panikkauf zu tätigen, weil die Stürmersuche auf dieser Stufe eben extrem schwierig ist, und stattdessen zu warten, obwohl man das Geld dafür hat – auch das zeigt eine neue Qualität der Borussia, nicht nur auf finanzieller Ebene.

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Korb (Johnson), Stranzl, Jantschke, Dominguez (Wendt) - Nordtveit, Xhaka - Hahn, Raffael, Traoré - Hrgota

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