Sportdirektor Max Eberl über die Zukunft der Borussia

Von: Bernd Schneiders
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Trägt die Rückennummer 34 bald ein anderer Gladbach-Profi? 2012 präsentierte Manager Max Eberl das Talent Granit Xhaka, das sich in vier Jahren zu einem begehrten Top-Spieler entwickelt hat. Foto: imago/Wiechmann

Mönchengladbach. Morgen tritt seine Mannschaft bei den Lilien in Darmstadt an. Max Eberls Aufgabe ist es derzeit, sich nach Orchideen für seine Sammlung umzuschauen, falls nötig noch im Knospenalter. Doch der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach muss wahrscheinlich auch ein attraktives Gewächs finden, das in voller Blüte steht: Um Mittelfeldregisseur Granit Xhaka sollen Top-Klubs wie der FC Arsenal buhlen. Der Manager gibt Auskunft über seine Gedankengänge und Ideen.

Zum vierten Mal europäisch dabei, da können Sie sich ja nicht wie letztes Jahr hinstellen und einen einstelligen Platz in der Bundesliga als Ziel ausgeben. Hat sich Borussia nicht europäisch und im oberen Drittel der 1. Liga etabliert?

Eberl (lacht): In der oberen Hälfte! Aber mal im Ernst. Jetzt kann man noch nicht ernsthaft von einer Zielsetzung reden. Wenn etwa ein wichtiger Spieler geht, muss man auch mal damit rechnen, dass es ein Jahr nicht so läuft.

Und wenn Granit Xhaka bleibt . . .

Eberl: . . . und wir noch zwei, drei gute Transfers hinbekommen, dann kann man vielleicht das obere Drittel als Ziel nehmen. Und mit Xhaka ist vielleicht auch die Chance höher, das Play-off zu überstehen und in die Champions-League-Gruppenphase einzuziehen.

Wie hoch stehen die Chancen, dass er bleibt?

Eberl: Eigentlich sehr hoch, schließlich hat er keine Ausstiegsklausel. Aber ich bin keiner, der sich hinstellt und sagt: Der ist unverkäuflich. Zudem hat auch ein Topspieler eine Vorstellung davon, wie sein weiterer Weg aussehen sollte. Fakt aber ist: Der sportliche Erfolg Borussias steht über allem.

Würde es Ihre schwierigste Aufgabe sein, Xhaka zu ersetzen?

Eberl: Reus zu ersetzen war auch schon schwer, ter Stegen ebenso. Aber wir haben gezeigt, dass wir das können. 1:1 aber geht das nicht, weil wir Spieler wie Gündogan oder Kroos nicht verpflichten können. Wir müssen deshalb innovative, kreativere Wege gehen. Und da kann es, anders als es uns im Fall von Kruse und Kramer gelungen ist, schon mal zwei Jahre dauern.

Sie meinen Integration?

Eberl: Auch, aber auch fußballerisch benötigen bestimmte Konstellationen Zeit. Man kann auch neue Schritte gehen. Wie etwa Wolfsburg, das für De Bruine einen Julian Draxler geholt hat.

Müssen Sie dieses Jahr verstärkt darauf achten, Spieler zu holen, die zu einem Pressingspiel fähig sind, oder kann man das voraussetzen?

Eberl: Gute Spieler sollten das kennen und können. Da wird sich nicht viel ändern.

André Hahn hat mit seiner Körperlichkeit in den letzten Spielen den Erfolg gesichert. Benötigen Sie mehr solcher Typen?

Eberl: Strobl hat auch so eine Mentalität. Und die ist auch nötig, wenn man daran denkt, dass wir Spieler wie Stranzl und Nordtveit verlieren. Das werden wir im Auge haben.

Die Diskussionen über Ihren Trainer wollten einfach nicht abreißen. Auf dem letzten Tabellenplatz übernommen und mit einer attraktiven Spielweise Rang 4 erreicht – wie kann ein Mann da umstritten sein?

Eberl: Dafür habe ich keine Erklärung. Die Art und Weise, wie sich das vollzogen hat, ist absolut grenzwertig. Man muss einen Trainer nicht mögen, er sollte an seiner Arbeit gemessen werden. Wir reden über Fußball. Schubert hat in 28 Spielen 52 Punkte geholt – unter schwierigen Bedingungen mit fünf, sechs verletzten Spielern. Objektivität ist wichtig. Und die besagt, dass wir erfolgreichen und attraktiven Fußball spielen.

Dennoch werden Sie für die kommende Spielzeit eine Weiterentwicklung sehen wollen.

Eberl: Klar, ich will Attraktivität und Stabilität. Wir müssen lernen, noch ökonomischer zu spielen, zu rotieren, um gerade mit der neuen, aufwändigeren Spielweise des Pressings die Dreifachbelastung stemmen zu können. Dazu gehört auch der Ballbesitz-Fußball. Wir dürfen das Niveau, das wir mittlerweile erreicht haben, auf keinen Fall verlieren.

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