Spiel 335 in der Bundesliga und eine Premiere für Hecking

Von: Christoph Pauli
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Der Brustlöser? Borussia Mönchengladbachs Cheftrainer Dieter Hecking begeht den 3:2-Sieg am vergangenen Spieltag in Leverkusen. Foto: imago/Moritz Müller

Mönchengladbach. Wenn Dieter Hecking Einfluss auf die Drehbücher der Deutschen Fußball Liga nehmen könnte, hätte er wohl die Variante gewählt, die am Samstag in Leverkusen aufgeführt wurde. Der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach hätte beherzt zugegriffen beim Ordner mit der Überschrift: „Wie drehe ich ein Spiel innerhalb einer Halbzeit?“

Der Inhalt im Klappentext: auswärtsschwaches Team taumelt mal wieder, ein Debakel droht, ehe der Trainer regulierend in der Pause auf die Mannschaft einwirkt und den Zaubertrank des Miraculix verabreicht. Und so kehrten die Männer unerschrocken zurück aufs Spielfeld und machten aus einem 0:2 noch einen 3:2-Sieg.

Der 52-Jährige ist kein Anhänger von solchen Legenden, der Erfolg basiert nicht auf einem vorgegebenen Drehbuch, denn aus dem Skript hätte er die vielen Stellungsfehler bei den Standards herausstreichen lassen, weil sie eben auch auf den Trainerstab zurückfallen können. Dieses Spiel war dennoch erkennbar der nächste Entwicklungsschritt, „aber kein Grund durchzudrehen“, sagt der enorm geerdete Cheftrainer.

Hecking hätte das kleine Drama, das da gegeben wurde, nicht in dieser Form gebraucht. Aber diese Partie beim rheinischen Nachbarn hilft auch einer Gruppe, die sich gerade kennenlernt. Das Ergebnis schafft Vertrauen, dass der sportlich Verantwortliche bereits nach kurzer Zeit die richtigen Stellschrauben kennt.

Am Samstag steht das erste Heimspiel des Jahres gegen den SC Freiburg an. Zudem ist es eine Premiere. Der Spieler Hecking ist ein paar Minuten für Borussia im alten Bökelberg-Stadion aufgelaufen, der Trainer Hecking coacht sein neues Team zum ersten Mal im Borussia-Park. Es ist sein 335. Spiel als Trainer in der Bundesliga, die er 2006 mit Alemannia Aachen betrat. Kein anderer Zunftkollege hat so viele Spiele in der Eliteliga absolviert wie der 52-Jährige.

Sein heimstarkes Team erwartet wieder etwa 50.000 Zuschauer beim Stapellauf 2017. Der Trend stimmt gerade, in seinen ersten beiden (Auswärts-)Spielen hat der neue sportlich Verantwortliche vier Punkte eingesammelt, aber vor der Partie gegen den Aufsteiger meldet sich Hecking warnend zu Wort. „Alle reden von Hoffenheim oder Leipzig, aber Freiburg mit seinen 26 Punkten ist für mich ebenfalls die große Überraschung.“

Die Gäste liegen fünf Plätze und sechs Punkte vor den Borussen. Hecking lobt in den höchsten Tönen seinen Kollegen Christian Streich, der auch am Samstag wieder donnernd und Blitze schickend am Spielfeldrand erwartet wird. „Mit ihrem Teamgeist und ihrer Mentalität machen die Freiburger viele Dinge wett“, sagt Hecking über das laufstärkste Team der Liga.

Die Gäste sollen dennoch ohne Punkte im Gepäck die lange Heimreise antreten. „Das ist ein Spiel, um die ersten vier Punkte in diesem Jahr zu vergolden und das Mittelfeld zu erreichen“, hofft Max Eberl. Mit Hecking hat der Manager einen sehr bodenständigen Verbündeten verpflichtet. In der Rolle des Messias fühlt sich der Neue auch nach so vielen Branchenjahren nicht wohl. „Nach dem Spiel gegen Darmstadt herrschte Skepsis, nach der ersten Halbzeit in Leverkusen waren wir schon abgeschrieben. Und jetzt herrscht wieder eitel Sonnenschein? Das geht mir zu schnell.“

Vermutlich greift Hecking wieder zum Aufstellungszettel der Vorwoche. Tobias Strobl (Sehnenriss im Beckenbereich), Ibrahima Traoré und Marvin Schulz (Aufbautraining) sowie Nico Elvedi (Knochenhautreizung) bleiben in der Warteschleife. Timothée Kolodziejczak machte nach abgehakter Grippe noch einen etwas wackligen Eindruck beim Testspiel in der Woche gegen den VfL Bochum (1:4). Dafür zeichnet es sich ab, dass Patrick Herrmann nach zweimonatiger verletzungsbedingter Besetzungspause im aktuellen Drehbuch wieder eine Nebenrolle im Kader zugewiesen bekommt.

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