Mönchengladbach - Spaß mit dem Interims-Trainer

Spaß mit dem Interims-Trainer

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Ist es wahre Liebe? Gladbachs Spielmacher Raffael bekommt ein Extralob von Trainer André Schubert nach starker Leistung. Foto: sport/Eibner

Mönchengladbach. Nach dem Spiel sprachen viele in Mönchengladbach von einem Sieg des Willens, klingt immer gut, aber beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg war es ja wirklich so: Borussia Mönchengladbach hatte gewonnen, weil sie den Sieg mehr wollten als der Gegner.

Der Wille ist ein Faktor, der über Zahlen schwer erfassbar ist, laut Statistik war es eine ausgeglichene Begegnung, beide Mannschaften hatten je zehn Torschüsse, die Quoten bei Ballbesitz und Zweikämpfen lagen gleichauf.

Auf dem Platz aber war der Gladbacher Wille, diese Begegnung für sich zu entscheiden, nicht zu übersehen, es gab eine ganze Reihe von Szenen, in denen er sich zeigte, aber am deutlichsten wurde er vielleicht in zwei Situationen, an denen Raffael beteiligt war. Raffael ist ein begnadeter Fußballer, er kann Spiele entscheiden, zumindest an guten Tagen. Aber auch an denen lässt er sich selten zu einer Grätsche hinreißen.

An diesem Samstag war das anders. Raffael holte sich den gerade verlorenen Ball zurück, per Grätsche. In Höhe der Mittellinie. In der 88. Minute. Beim Spielstand von 2:0. Raffael wollte. So war es auch in der 76. Minute. Da hatte der gefoulte Raffael an der Seitenlinie bereits auf dem Boden gelegen. Er gab den Ball trotzdem nicht verloren, er kämpfte sich hoch, flankte rein, und da stand Havard Nordtveit, der bei seinem Treffer ein bisschen aussah wie Robert Lewandowski. Ein sehenswerter Volleyschuss aus 22 Metern jedenfalls, auch wenn er beim Schuss wegrutschte.

Mehr noch als über den Willen wurde nach dem Spiel darüber gesprochen, wo er plötzlich herkommt, und deswegen ging es natürlich viel um André Schubert, Gladbachs Trainer. Niemand glaubt, dass es ein Zufall ist, dass die Mannschaft völlig anders auftritt, seitdem nicht mehr Vorgänger Lucien Favre an der Seitenlinie steht. Was da genau jetzt besser laufe, wurden die Spieler gefragt.

Granit Xhaka, von Schubert zum Kapitän gemacht, sagte: „Wenn wir in drei Spielen in der Bundesliga neun Punkte holen: Wofür brauchen wir einen neuen Trainer?“ Ibrahima Traoré, der gegen Wolfsburg von der ersten bis zur letzten Minute die rechte Seite von hinter der Mittellinie bis in den Strafraum beackert hatte und einen Sololauf in der 79. mit dem 2:0 abgeschlossen hatte, sagte: „Der Trainer verlangt, dass wir an unsere Grenzen gehen. Das kostet viel Kraft, aber es ist genau richtig. Es passt zu uns.“ Nordtveit, der von Schubert sieben Minuten vor seinem Treffer eingewechselt worden war, sagte: „Der Trainer redet nicht über das Negative, sondern arbeitet die positiven Dinge heraus. Das gibt uns Selbstbewusstsein.“ Nochmal Xhaka: „Der Trainer macht alles richtig.“

Nie startete ein Coach besser

Von allen Trainern, die Gladbach hatte, ist es bislang nur einem gelungen, seine ersten drei Bundesligaspiele zu gewinnen. Das ist André Schubert. Der sagte nach dem Spiel: „Wir müssen jetzt noch bis Frankfurt durchhalten. Aber das bekommen wir hin.“ Was bedeuten soll: Zu den wenigen, die in André Schubert aktuell nicht mehr sehen als eine Übergangslösung, gehört vor allem André Schubert. Abgemacht ist, dass er die Aufgabe in absehbarer Zeit abgibt, und Schubert wirkt ein bisschen als würde er darauf bestehen, dass der Verein sich daran hält. Er sagte aber auch: „Es macht unglaublichen Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten.“

Woran genau, verriet er auch. Er will die Abstimmung weiter verbessern, vor allem in der Defensive, da griffen „noch nicht alle Rädchen ineinander“. Sein Ziel ist es, Gladbach einen weiterhin erfolgreichen Fußball spielen zu lassen, aber den Aufwand dafür zu verringern. „Wenn wir defensiv noch besser organisiert sind, können wir uns viele Laufwege sparen.“ Schubert wirkt nicht wie jemand, der sonderlich davon angetan ist, dass derzeit so viel über ihn gesprochen wird, aber vorsichtshalber stellte er es noch einmal klar. Er sagte: „Das Wichtigste sind immer noch die Mannschaft und die Spieler.“ Und die entscheidende Frage sei, was für sie das Beste ist.

Dürfte spannend werden, wenn in Gladbach noch mehr Menschen auf die Idee kommen, in ihm die passende Antwort zu sehen. Sein Manager Max Eberl sagte allerdings auch, dass die Suche nach Schuberts Nachfolger weiterginge, Zeitdruck bestehe aber nicht. Zu Spekulationen, er könne Augsburg-Trainer Markus Weinzierl verpflichten, sagte Eberl: „Er hat bis 2019 einen Vertrag.“ Es gebe keinen Kontakt. Diese Spur jedenfalls führt nicht zum Ziel.

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