Selbst das Haar in der Suppe geht bei der Borussia unter

Von: Bernd Schneiders
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Gladbachs Doppelpacker lieben den Ball: Raffael (links) und Thorgan Hazard. Foto: imago/Chai v.d. Laage

Mönchengladbach. Nur einer fand die zweite Halbzeit „schön“: Max Eberl. Doch Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor ist kein Masochist, sondern war nach dem 4:1 gegen Werder Bremen als Pädagoge unterwegs. „Wenn du nach der Pause nur fünf Prozent weniger machst, bekommst du auch gegen Werder Bremen Probleme“, lautete die Lektion des Mahners.

In der ersten Halbzeit hatte seine Mannschaft den Tabellenletzten förmlich überrannt und hätte noch höher als 4:0 führen können. Mit der Auswechslung von Raffael zur Pause aber schien es, als hätte Trainer André Schubert den kreativen Stöpsel rausgezogen, den zweiten Durchgang „gewann“ Werder mit 1:0. Aber Gladbachs Trainer mochte nach kurzem Zögern das Haar in der Suppe nicht zu intensiv betrachten. „Mit der 2. Halbzeit war ich nicht hundertprozentig zufrieden“, mäkelte Schubert, um dann aber die Journalisten aufzufordern: „Streichen Sie bitte den Satz: Wenn man 4:1 gewonnen hat, muss man hundertprozentig zufrieden sein.“

Dem 45-jährigen Fußballlehrer schwante wohl, was ihn bei einer erneuten Niederlage erwartet hätte. Die Reaktion aber, die seine Mannschaft nach der Demontage in der Champions League bei Manchester City und der Niederlage zuvor in der Bundesliga beim SC Freiburg zeigte, entlastet Schubert. Auch wenn sein Vorgesetzter mit dem zweiten Heimsieg der Saison im Rücken die zwei Rückschläge abschwächte – Eberl: „Es sind ganz normale Dinge passiert“. Der Eindruck, trotz eines außergewöhnlich hochkarätigen Kaders zu stagnieren oder sich gar zurückzuentwickeln, hätte sich verfestigen können. Und so konzentrierte sich Borussias Coach lieber auf die spektakulären ersten 45 Minuten gegen Bremen. „Das war Hochgeschwindigkeitsfußball!“

Der überragende und vor Spiellaune nur so sprühende Thorgan Hazard hatte im dritten Versuch den Torreigen der Gladbacher früh eröffnet (11.) und nur sechs Minuten später nachgelegt. Das 3:0 durch einen von Raffael verwandelten Foulelfmeter (21.) und der zweite Treffer des Brasilianers mit einem Drehschuss zum 4:0 (41.)waren nur ein schwacher Ausdruck der Überlegenheit der Gastgeber. „Wir haben in der ersten Hälfte mit Bremen das gemacht, was Manchester City mit uns gemacht hat“, urteilte Eberl. Mit dem feinen Unterschied: Mönchengladbach versuchte auf der Insel etwas, was sie eigentlich kann, der SVW im Borussia-Park aber etwas, was er nicht kann: mitzuspielen.

Leichtfertig spielte Viktor Skripnik mit seinem verordneten hohen Pressing den Gladbachern in die Rehabilitierungs-Karten. Aber gegen die Wucht von Manchester waren die Attacken der Norddeutschen nur ein laues Lüftchen. Das ermöglichte das blitzschnelle Umschalten der Schubert-Elf – auf der Insel noch völlig verschüttet. Stolz wies Schubert auf die nun wieder extrem hohen Laufwerte seiner Spieler hin. Eindrucksvoller und zielführender aber war wohl die Intensität, mit der Hazard & Co. ihre Sprints gegen den Ball vollzogen: Diesmal zuckelten sie nicht wie gegen ManCity den gegnerischen Angreifern hinterher, am Samstagabend zwangen sie die Werder-Profis hinterherzulaufen.

„Die Mannschaft hat von der ersten Minute an gebrannt und viel Spaß gezeigt“, sagte Schubert. Und sein Kapitän pflichtete ihm bei: „Wir haben zweimal einen auf den Deckel bekommen“, resümierte Lars Stindl. „Heute haben wir gezeigt, wenn wir es konzentriert angehen, egal gegen welchen Gegner, können wir jedem wehtun.“

Hilfreich dabei ist wohl, dass die Reservebank auch wehtun kann. Das symbolisierte zumindest Thorgan Hazard, dem wie seinem Kumpel Ibrahima Traoré der positive Grell nach dieser Frustration gegen Manchester besonders anzumerken war: „Die Konkurrenz pusht mich.“ Ob auch die Umstellung in der Zentrale, Andreas Christensen auf der Sechs und dafür Jannik Vestergaard in der Mittelposition der Dreierkette, ausschlaggebend war, kann sich erst gegen einen anderen Gegner beweisen. Bremen war am Samstag kein Maßstab. RB Leipzig am Mittwoch aber wird einer sein.

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