Mönchengladbach - Schubert: Eine wahrlich magische Verwandlung

Schubert: Eine wahrlich magische Verwandlung

Von: Daniel Theweleit
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Pädagogische Maßnahme: André Schubert (rechts) machte Granit Xhaka zum Borussia-Kapitän. Foto: sport/Horstmüller

Mönchengladbach. Irgendwann ganz am Ende eines denkwürdigen Abends im Borussia-Park sah sich André Schubert zu einer grundlegenden Klarstellung veranlasst. Umringt von lauter staunenden Reportern saß der Aushilfstrainer der Gladbacher nach dem 4:2 gegen den FC Augsburg auf einem Stuhl und verkündete: „Wir sind keine Zauberer!“

Er und seine Trainerkollegen, die seit Montag die Lücke füllen, die Lucien Favre mit seinem Rücktritt hinterlassen hat, hätten lediglich „an ein paar Stellschrauben gedreht“, sagte Schubert. Aber das Gefühl der Anwesenden, eine wahrlich magische Verwandlung erlebt zu haben, konnte er so nicht vertreiben.

Borussia Mönchengladbach war nicht wiederzuerkennen gegenüber den leblosen Spielen in Sevilla und Köln. Die Mannschaft beglückte das Publikum in den ersten 20 Minuten der Partie mit einem wilden Fußballfeuerwerk, wie man es nur selten zu sehen bekommt. Fabian Johnson hatte die Borussia nach fünf Minuten in Führung gebracht, das Team spielte wie befreit, der Ball lief, Zweikämpfe wurden gewonnen, die Freude am Spiel war zurück.

Und dann kamen die vier Minuten der Entfesselung, über die man noch lange sprechen wird in Mönchengladbach. Granit Xhaka, Lars Stindl und Mahmoud Dahoud schossen innerhalb von vier Minuten drei weitere Tore. Jeder Schuss war ein Treffer. Und der überragende Raffael, von dem es immer hieß, er könne nur unter Favre seinen besten Fußball spielen, hatte alle Treffer vorbereitet.

Die Ungläubigkeit in den glücklichen Gesichtern im Stadion erinnerte während dieser Minuten an die Bilder vom verrückten Fünf-Tore-Rausch des Robert Lewandowski tags zuvor in München. Es waren Momente, in denen plötzlich alles mit einer überirdischen Leichtigkeit zu funktionieren schien. „Unglaublich, was da abgegangen ist“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Es war eine neue, sehr überraschende Wendung in einer Woche, die in Mönchengladbach niemand so schnell vergessen wird.

Vor dem Spiel gab es noch einen ziemlich traurigen Abschied von Favre, ein Bild des zurückgetretenen Trainers wurde eingeblendet, und die Fans applaudierten in einem emotionalen Zustand irgendwo zwischen Dankbarkeit und Verständnislosigkeit. Immer noch wird ja gerätselt, wo genau die Gründe für Favres Flucht aus Mönchengladbach liegen. Aber diese Geschichte war nach 20 Minuten erstmal vergessen.

Anstelle der Mutlosigkeit, der Selbstzweifel und der Neigung zum fatalen Fehler waren nun plötzlich lange verschüttete Qualitäten zu sehen: Einsatzfreude, Lust am Spiel und eine enorme Laufbereitschaft. „Wir waren heiß, weil der Trainer uns heiß gemacht hat“, erzählte Xhaka, der die Mannschaft anstelle des verletzten Tony Jantschke als Kapitän ins Spiel führen durfte. Damit sei „ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte der Mittelfeldspieler.

Schubert erklärte seine Entscheidung, Xhaka zum Kapitän zu machen, später als pädagogische Maßnahme. „Er muss irgendwann lernen, Verantwortung zu übernehmen, denn er kann Leute mitreißen“, sagte der Trainer, aber dazu müsse Xhaka auch „diszipliniert spielen“.

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